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Band des Monats
Haiyti

Junge Frau mit Sonnenbrille und Pelzmantel
Haiyti | © Tim Bruening

Haiyti, Trap-Queen der Cloudrap-Welle, die seit wenigen Jahren über Deutschland rollt, zog mit ihrem Album Montenegro Zero alle in ihren Gangstapop-Bann. Hits, die man von der Rapperin, deren Alter unbekannt ist, kennt, sind beispielsweise Ein Messer, Gold, Sunny Driveby, Berghain.

Die Hamburgerin Ronja Zschoche alias Haiyti wuchs in prekären Verhältnissen auf. In ihrer Jugend kam sie in Berührung mit Hip-Hop, 2015 brachte sie in Eigenproduktion ihr Debutalbum Havarie heraus, welches ihr jedoch erstmal nicht zum Durchbruch verhalf. Früher trat sie unter wechselnden Pseudonymen wie Miami, Rendez-Vous, Robbery oder Ovadoze auf.

Dieses Auftreten könnte die eine oder den anderen daran erinnern, dass Sebastian Meisinger einst seine Magisterarbeit Gangsta-­Rap in Deutschland. Die Rezeption aggressiver und sexistischer Songtexte und deren Effekte auf jugendliche Hörer über seine eigene „Kunstfigur“ Money Boy schrieb. Auch bei ihm verschwimmen die Grenzen und ein Unterschied zwischen der Kunstfigur und der realen Person sind nicht mehr zu erkennen. Die beiden haben 2016 den Song Halleluja zusammmen aufgenommen.

Einen Unterschied zwischen Kunstfigur und realer Person gibt es bei ihr nicht, behauptet sie trocken. „Ich weiß mich in bestimmten Situationen zu benehmen, aber das war’s dann schon.“ (Rolling Stone, 2017)

Alles was ich anfasse wird teuer

Die Hamburgerin hat neben Money Boy unter anderem mit LGoony, Juicy Gay, Hustensaft Jüngling, Fruchtmax oder Trettmann zusammen gearbeitet. Eine enge Zusammenarbeit pflegt sie außerdem mit Joey Bargeld, den sie in ihrem Song 100.000 Fans ihren Bruder nennt. Zeitboy ist ein gemeinsamer Song der beiden, auch bei Nur noch einen arbeiteten sie zusammen. In einem ihrer Hits Ein Messer ist er es, der sich ein Messer unter sein Herz tätowieren lässt.

Tätowiere mir ein Messer
Tätowiere mir ein Messer direkt unters Herz
Schließ' mich ein, schließ' mich aus
Steige ein, steige aus

(Haiyti, Ein Messer, 2016).
 

Ich hab 100.000. Fans, die mich noch nicht kennen

„Eine junge Frau mit Pferdeschwanz […] rappt tight wie eine Maschinengewehrsalve über Nutten, Koks und Raubüberfälle, während sie im Fokus einer wackligen Handykamera auf abgefuckten Brachflächen vor Sportwagen posiert. Das kann ja nur Ironie sein.“ (Rolling Stone, 2017)

Ähnlich wie andere Cloudrapper*innen stellt sie in ihrem inszenierten Gangstertum ihren vermeintlichen Reichtum zur Schau und nimmt dabei keine Rücksicht auf Verluste. Die übertriebene Art und Weise der Darstellung und ihre arroganten, proletenhaften Texte machen Zuschauenden eindeutig klar, dass Haiyti mit der Ironie spielt. Ihre Musik wird vor allem von jungen Hip-Hop-Fans gefeiert, die sich an den von Autotune durchzogenen Tracks nicht sattsehen können.

Dass ihr Publikum so jung ist, zeigt auch, dass Hip Hop sich stark verändert hat, das Genre löst sich von seiner Tradition und findet sich mitten im Mainstream wieder.
 

„Ungefiltert, Ungeschönt, Unmittelbar“

Haiyti gehört zu denjenigen im Trap, die alles selber machen, nicht lange darüber nachdenken und, sobald es sich gut anfühlt, ihre Tracks einfach raushauen. Ihr Arbeitsethos ist oft Thema in ihren Interviews, denn sie produziert am laufenden Band: „schnell, (nach-)lässig, intuitiv“ (Musikexpress, 2019).

Beeinflusst ist sie durch den Dirty-South-Rap von Young Thug und Gucci Manes Trap. Sie nutzt ebenfalls wabernde Töne, Hi-Hats, Zeitlupenbeats und selbstverständlich Autotune.

Rapper*in

Haiyti ist neben Schwesta Ewa, Juju, Ebow, Sokee, Eunique oder Nura einige der wenigen Frauen in der Szene, wirkt sich dies auf ihre Texte aus?

Von der Hamburgerin sind keine feministischen Texte zu erwarten, wie beispielsweise von ihrer Kollegin Ebow. Diese vertritt dezidiert politische Positionen. Und auch wenn Haiytis Texte weniger frauenfeindlich sind als die ihrer Kollegen, sind ihre Texte nicht komplett frei von Sexismus. In einem Interview 2016 antwortete sie auf die Frage, ob sie es wünschenswert fände, wenn weibliche Rapperinnen in der Szene selbstverständlicher werden würden:

„Wenn die Mädels nicht aus dem Arsch kommen, kann da keiner was für. Mir ist das alles wirklich scheißegal.“ (vice.com/de, 2016).

Ihr letztes Album Perroquet brachte Haiyti übrigens am 7. Juni auf den Markt. Fans können sich außerdem über die EP Sansibar freuen, die bald danach kam!
 

DISKOGRAPHIE (Auswahl):

Alben
2019                Perroquet
2018                Montenegro Zero
2015                Havarie

Mixtapes
2018                ATM
2017                Follow mich nicht
2016                City Tarif
2016                Nightliner

EPs
2019                Sansibar
2017                Jango EP (mit Die Achse)
2017                White Girl mit Luger

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