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Band des Monats
Megaloh

Megaloh
© Robert Winter

Im letzten Monat veröffentlichte Uchenna van Capelleveen, besser bekannt unter dem Name Megaloh, seine neue EP Hot Box, auf der er über depressive Phasen in seinem Leben rappt und immer wieder gesellschaftsrelevante Themen anschneidet.

Von Naomi Salbert

Megaloh fing an mit englischen Texten. Doch obwohl Englisch die Muttersprache des deutschen Rappers mit niederländisch-nigerianischer Abstammung ist, würde er diese ersten Songs heute niemandem mehr zeigen. Er beschreibt sie selber als „billig“ und „superwack“. Jetzt überzeugt er mit deutschen Lyrics und hat sich damit an die Spitze des Deutschraps gearbeitet. Man könnte sagen, er hat es geschafft! Er rappt an der Seite von Deutschrap-Größen wie Samy Deluxe und Max Herre. Auch Trettman, MoTrip, Patrice, Jan Delay und Co. lassen es sich nicht nehmen, als Feature auf seinen Alben zu erscheinen.

Muss funktionieren, funktionieren!

In dem Song Zombiemodus seiner neuen EP Hot Box kritisiert Megaloh das kapitalistische System. Doch das Lied ist nicht nur Kritik an der heutigen Gesellschaft, sondern auch eine authentische Selbstreflexion. Dabei verarbeitet er seine eigene Vergangenheit. Er gab das BWL-Studium für seine Musikkarriere auf und musste jahrelang den Spagat zwischen Lagerarbeit, Musik und Familie schaffen.

Trotz zwei Top-Ten-Alben fuhr er oft noch nach seinen Auftritten mit dem Nachtbus zur Frühschicht ins Lager. Denn mit Familie ist man auf ein festes Einkommen angewiesen. Man muss eben funktionieren. Heute kann der Künstler von seiner Musik leben, aber damit das so bleibt, muss er liefern. Lange „Schaffenspausen“ kann er sich nicht leisten. Da fällt es schwer, künstlerisch frei zu arbeiten. Doch trotz des hohen Drucks versucht Megaloh, seiner Leidenschaft immer mit höchster Wertschätzung nachzugehen. Denn aus seiner Musik zieht er seine Motivation: "Ich habe einen wiederkehrenden Traum, in dem ich mit dem Teufel kämpfe. Meist mit Worten. Rap hat die Kraft, mit Worten Dinge zu verändern. Diese Kraft möchte ich weitergeben. Ich weiß, dass Musik heilen kann."

 

Kein Ego-Getue

Lag sein Fokus 2006 noch auf dicken Autos und leicht bekleideten Frauen, so will er nun gesellschaftlich etwas ändern. Und das macht er musikalisch mit einer Mischung aus Trap, Reggae und Afrobeat. Authentizität ist ihm wichtig. Man muss einem Künstler seine Musik abkaufen können. Für ihn klappt das ganze Ego-Getue, auf dicke Hose machen, nicht. Für ihn ist Rap nicht nur Musik, sondern hat auch einen pädagogischen Wert. In einem Interview mit der NOIZZ sagt der Rapper zu seiner Musik: „Sie fühlt sich ehrlich an. Dazu kommt sehr viel Liebe für die Kunstform und der Versuch, ein tiefergehendes Verständnis dafür zu haben.“ Und das hört man!

Kritik an seiner eigenen Szene: Von kultureller Aneignung im Deutsch-Rap

In einem Twitter-Post schrieb der Rapper: „Deutscher Rap ist kein HipHop! Sondern unreflektierte kulturelle Aneignung!“ Damit wollte er keinesfalls die Fronten zwischen Schwarz und Weiß verhärten. Er will lediglich dafür sensibilisieren, dass Deutschrap nicht aus demselben Hintergrund entstanden ist, wie US-amerikanischer oder auch französischer Rap und HipHop. Frankreich und die USA haben eine ganz andere koloniale Vergangenheit als Deutschland. Deutsche Rapper neigen laut Megaloh dazu, unreflektiert zu übernehmen, was in Frankreich und den USA gerade produziert wird, dabei fehlt ihm die Authentizität. HipHop ist in den USA aufgrund der Kolonialgeschichte entstanden, er diente und dient noch heute zur Emanzipierung, kulturellen Neuordnung und als Selbstausdruck der schwarzen Community. Auch in Frankreich ist die schwarze Community groß. In der deutschen Mehrheitsgesellschaft fehle jedoch dieser Bezug zur Kolonialgeschichte. Diese feiere oft nur den Lifestyle, der mit Rap verbunden ist. „Das ist kein Lifestyle, sondern grausame Lebensrealität, in der Menschen aus Leid und Schmerz und Gewalt trotzdem kreativ noch etwas machen, nämlich weltweit inspirierende Musikkultur und eine alternative Perspektive für das eigene Umfeld schaffen. Das ist HipHop!“ sagt Megaloh in einem Interview mit der NOIZZ. Sein Twitter-Post sollte einen Anstoß geben, eben darüber nachzudenken.

BSMG: Rassismus und deutsche Kolonialgeschichte

Genau an dieser Kritik knüpft auch das Projekt BSMG an. BSMG ist die Abkürzung für Black Superman Group - dahinter verbergen sich neben Megaloh der Berliner Rapper Musa mit Wurzel in Sierra Leone und der deutsch-ghanaische Produzent Ghanaian Stallion. Die Band hat es sich zur Aufgabe gemacht, als musikalisches Movement den Kontinent Afrika wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückbringen. In ihrem ersten Album Platz an der Sonne kritisieren sie die kaum aufgearbeitete deutsche Kolonialgeschichte und machen auch vor dem Thema Alltagsrassismus in Deutschland keinen Halt. Sie sprechen auch über Identitätssuche, kulturelles Erbe, Diaspora und Heimat.
 

Diskografie:

ALBEN:
2016: Regenmacher
2013: Endlich unendlich
2005: Im Game

EPs:
2020: Hotbox EP
2014: Endlich unendlich Anniversary – Dr. Cooper Remix EP
2010: Monster
2006: Hundshit
2003: Game Set Match

 

Band des Monats auf Spotify

Hände und Gitarre © Colourbox.com, ldutko Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.

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