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Band des Monats
Buntspecht

Die Musiker der Gruppe Buntspecht
Buntspecht | © Alex Gotter

Zwischen Gießkannen und Tomaten – ihr erstes Album nahm die Wiener Band Buntspecht in einer Schrebergartenhütte auf. Von dort eroberten sie rasch erste Konzertbühnen in Österreich und Deutschland. Auch die Pandemie konnte ihren Durchbruch im deutschsprachigen Raum nicht verhindern. Im Juni 2021 meldeten sie sich mit ihrem vierten Album „Spring bevor du fällst“ zurück.
 

Von Helena Kappes

Sechs betrunkene Seiltänzer aus Wien

Nach schicksalshaften Begegnungen auf Wohnzimmerkonzerten und am Donaustrand formierte sich 2016 eine sechsköpfige Truppe voller Multiinstrumentalisten aus Österreich, Tschechien und Deutschland, die so in keine Schublade passen wollen. Versucht man die Einflüsse von Buntspecht zu beschreiben, ploppen Begriffe wie Indie-Pop, Sinti-Jazz, Bossa Nova, Balkan-Folk, Wienerlied oder auch das sehr allgemeine Genre Weltmusik auf. Fragt man Buntspecht nach inspirierenden Einflüssen, fallen Namen wie Hildegard Knef und King Gizzard & The Lizard Wizard. Sich selbst beschreiben die Musiker als „sechs betrunkene Seiltänzer aus Wien, die Kinderlieder schreiben. Kinderlieder für alle Er- und Entwachsenen da draußen.“

Bei einem genaueren Blick auf die Texte erscheint die Mischung noch wilder. Die Lieder sind teils nachdenklich und melancholisch, mal voll unbeschwerter Lebenslust bis hin zu makabrem Humor. Manchmal auf Englisch, meist aber auf Deutsch erzählt jede Komposition von dem besonderen Faible von Buntspecht für ausgefallene Wörter, neue Sinnkreationen und abstrakte Poesie. Nicht selten muss bei der Interpretation der Texte, die voll herrlicher Absurditäten nur so strotzen, um die Ecke gedacht werden. Da werden Stücke „manisch auf dem Klavier komponiert“ und „vergangene Gedanken und Momente in der Mikrowelle aufgewärmt, wo sie noch viel besser schmecken“. So haben Roman Gessler, Lukas Chytka, Florian Röthel, Jakob Lang, Florentin Schleicher und Lukas Klein ihre ganz eigene „Buntspecht-Musik“ geschaffen.

„Mich will […] seit Jahren nichts interessieren / außer Tag und Nacht zu musizieren…“

Das Sextett blickt auf eine kurze, aber erfolgreiche Bandgeschichte zurück. Zwei Jahre nach ihrer Gründung veröffentlichte Buntspecht 2018 ihr Debütalbum „großteils Kleinigkeiten“. Bereits das minimalistisch eingespielte Werk bescherte den Musikern große Aufmerksamkeit und Auftritte in Österreich sowie in einigen deutschen Städten. Ein Jahr später entstand ein weiteres Album mit dem Titel „Draußen im Kopf“, welches der Band den ersten Sprung in die österreichischen Albumcharts verschaffte. Schlag auf Schlag folgte ein sogenanntes „Halbum“ mit dem Titel „Wer jagt mich wenn ich hungrig bin?“ Am 11. Juni 2021 erschien ihr bis dato letzter Streich „Spring bevor du fällst“, der sich an die Spitze der Albumcharts in Österreich setzte.

Bereits auf dem Debütalbum „großteils Kleinigkeiten“ scheint Buntspecht seinen ganz eigenen Stil gefunden zu haben. Die Platte begeistert durch ihre große Stilvielfalt und die krächzende Stimme von Bandleader und Texter Lukas Klein. Klezmer, Bossa Nova und Gypsy Jazz treffen aufeinander und verleihen dem Album einen unüberhörbaren Jam-Charakter. Über allem liegt der typische Wiener Schmäh, der den Liedern in ihrer oftmals unbeschwerten Art einen teils zynischen, teils morbiden Charakter verleiht. Da werden Brennnesseln „nackt auf die Brust gedrückt“ oder „Liebesbriefe als Briefbomben“ verschickt.

Knapp ein Jahr später veröffentlicht Buntspecht ein weiteres Album, welches wieder in Eigenregie entstanden ist. Unter Studiobedingungen aufgenommen, schöpfen die Musiker die experimentellen Möglichkeiten voll aus. Auch auf diesem Album geht es um Lust, Liebe, Gier und Naivität, Ekstase und Melancholie. Die zuvor veröffentlichte Single „Unter den Masken“ zeigt mit sehnsuchtsvollen Klavierakkorden, dass die Aufwärtsspirale für die Band erst begonnen hat. Dass die Musiker mit Leidenschaft bei der Sache sind, zeigt auch das Cover des Albums: Jedes einzelne der 500 Vinyl-Exemplare wurde von Florentin Schleicher per Hand und Pinsel gestaltet.

Schlag auf Schlag folgte der dritte Streich: In ihrem sogenannten Halbum „Wer jagt mich wenn ich hungrig bin“ versammeln Buntspecht vertonte Gedichte, Klavierkompositionen sowie flüchtige, aber nicht weniger funkelnde Songskizzen im Poetry-Slam-Stil. Dabei entsteht ein eindrucksvolles Klangerlebnis, welches nur erahnen lässt, zu welchen kreativen Höchstleistungen die Musiker noch fähig sind.

Gegen den Lockdown-Blues – „Spring bevor du fällst“

Auf ihrem neuesten Album kehrt die Band zu ihren Wurzeln zurück – „Spring bevor du fällst“ wurde während des Lockdowns in der besagten Gartenhütte im 14. Bezirk aufgenommen. Zwischen Schrebergartenglück und Gänseblümchen ist ein Album entstanden, das noch experimentierfreudiger daherkommt. Surrealistische Lyrik und abstrakte Reime mit schelmischen Verdrehungen paaren sich mit Orgeln, Bässen, Flöten und Bläsern unterschiedlicher Art. In dem Lied „Paradies“ kommt gar eine Disco-Kuhglocke zum Einsatz, während Leadsänger Lukas Klein singt: „Im Streichelzoo der Smartphones wünscht ich, dass du mich berührst.“ Surrealistische Momente und versteckte Wortwitze überschlagen sich in jeder Faser des Albums und schaffen selbst nach mehrmaligem Durchhören neue Aha-Momente.

Im dazugehörigen Pressetext heißt es: „Dort, wo die Realität ihre Grenzen erreicht, setzen Buntspecht an, um diese noch ein bisschen weiter auszudehnen“. Eine treffende Beschreibung für die ganz eigene „Buntspecht-Musik“.

 

Diskographie:

Spring bevor du fällst (2021)
Wer jagt mich wenn ich hungrig bin? (2019)
Draußen im Kopf (2019)
großteils Kleinigkeiten (2018)

Band des Monats auf Spotify

Hände und Gitarre © Colourbox.com, ldutko Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.

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