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Lyon
Olivier Rey, Theaterregisseur

Von Olivier Rey

Oliver Rey © Romuald Cortès

Was versinnbildlicht für Sie die aktuelle Situation persönlich oder in Ihrem Land?

Die Bühnenscheinwerfer sind ausgeschaltet. Ich habe keine Ahnung, wohin die Schauspieler des Stücks, das wir gerade spielten, verschwunden sind. Die Lautsprecherboxen für den Dancefloor sind abgestellt, der DJ ist weg. Ich bin ganz allein und suche nach dem Publikum, aber das ist auch verschwunden. Die Diskokugel dreht sich nicht mehr, und an der Bar… da ist niemand, der mir ein Bier servieren könnte. Eine neue Folge der Serie Black Mirror?

Wenn man mich von der Bühne jagt, muss ich eine Möglichkeit finden, sofort zurückzukommen. Schnell! Ich kann nicht einfach in den Kulissen bleiben, nichts tun und darauf warten, dass das Stück weiter geht.

Wie wird die Pandemie die Welt verändern? Welche langfristigen Folgen der Krise sehen Sie?

Vor einigen Wochen war ich Jurymitglied eines Schreibwettbewerbs, organisiert von der Lyoner Redaktion des Online-Magazins Rue89. Die Kandidat*innen sollten sich Lyon im Jahr 2050 vorstellen. Ökologische Katastrophen, Wirtschaftseinbruch, sozialer Dschungel, Apokalypse waren wiederkehrende Themen ihrer Vorschläge. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass die Vorstellungen der Autor*innen so schnell von der Realität eingeholt würden.

Was meine Arbeit – die Darstellende Kunst – betrifft, kann ich mir die Folgen noch nicht ausmalen. Ich habe Angst, dass sie furchtbar sein werden. Im Moment ist die "Intermittence" (das spezifische französische System, das Künstlern ein Mindesteinkommen gegen eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden sichert) unsicher. Wir wissen weder, wann der Kultursektor seine Aktivitäten wieder aufnehmen kann, noch auf welche Weise dies geschehen wird. Was die Clubkultur betrifft: DJs sind meist selbstständig; sie haben derzeit keine Einnahmen und keine Perspektive, wann sie wieder arbeiten können. Ich befürchte, dass viele von ihnen sich beruflich neu orientieren müssen.

„Große“ Kulturinstitutionen werden eine Möglichkeit finden, diese Krise durchzustehen, genau wie große Unternehmen. Aber auf viele unabhängige Kultureinrichtungen wird ein schwieriger Existenzkampf zukommen. Meine Sorge ist, dass viele Kompanien aufhören und kleine unabhängige kulturelle Orte schließen müssen.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Ich hoffe darauf, vergessen zu können, was mir bis jetzt wesentlich vorkam. Mir wird bewusst, dass ich bestimmte Dinge einfach aus Gewohnheit getan habe. Jetzt, wo diese Dinge wegfallen, erstaunt es mich, dass sie mir gar nicht fehlen. Ich habe die Hoffnung, dass wir die Welt gemeinsam neu denken.

Diese Zeit und insbesondere die neuen digitalen Möglichkeiten heben Entfernungen auf. Es ist, als fänden wir uns in einer Welt wieder, die gleichzeitig super-lokal und super-global ist. Hoffentlich werden sich unsere lokalen Initiativen auf globaler Ebene treffen und verbinden lassen. Ich habe die Hoffnung, dass wir uns alle in unseren Stadtvierteln dafür engagieren, und dass aus dieser Vielzahl von Mikro-Initiativen eine Galaxie entsteht, die schließlich die Welt erhellt.

Confinage TV, ein Web-Fernsehen, das ich mit vielen anderen Künstlern gegründet habe, ist eine solche Initiative: Wir senden ein Live-Fernsehprogramm aus unseren Wohnungen, in Interaktion mit den Zuschauern, um die Menschen zu motivieren, zu Hause und gleichzeitig in Kontakt zu bleiben.

Und es gibt einen merkwürdigen Zufall. Eine Vorahnung? Sicherlich eine Chance: Seit einigen Monaten bereite ich meinen Umzug in das Département Ardèche vor. Hintergrund ist ein Kulturprojekt. Ich möchte dort einen Ort schaffen, um den ländlichen Raum künstlerisch zu dynamisieren. Auch wenn ich im Moment in Lyon mit strengen Ausgangsbeschränkungen lebe, bereite ich die Eröffnung dieses Kulturzentrums für den "Tag danach" vor. Es befindet sich in Le Teil, einem ehemaligen industriellen Zentrum, das heute recht heruntergekommen ist und eine hohe Arbeitslosenquote aufweist. Ich verlasse also das urbane Zentrum für ein Kunstprojekt auf dem Land. Es könnte ein Vorteil sein, der städtischen Welt den Rücken zu kehren und kollektive Initiativen im ländlichen Raum zu entwickeln: Kooperativen, Sharing-Initiativen und Gemeinschaft sind vielleicht einfacher in Gegenden zu realisieren, wo genügend Raum für lokale Impulse besteht. Eine meiner Hoffnungen ist es, eine alternative, lokale und gemeinschaftliche Wirtschaft auf regionaler Ebene zu etablieren, indem man sich vor Ort zusammentut und das zentralisierte System verlässt. Und schließlich eine kollektive Utopie neu denkt.
 

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