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Zeitsoziologe und Philosoph Hartmut Rosa
Beschleunigung und Rasender Stillstand

Hartmut Rosa in Marseille
© Creative Commons / Opéra Mundi

Immer mehr, besser, schneller – vor allem im letzten Jahrzehnt wurde dieser Trend in unserem Lebens- und Arbeitsalltag ad absurdum geführt, er soll erfüllen und eine maximale Lebensqualität geben. Der Drang, jede Sekunde vollends auszukosten ist omnipräsent. Gleichzeitig aber sind wir immer auf der Suche nach mehr Zeit und ihrer optimalen Nutzung, ohne Bezug zum tatsächlich gelebten Moment. Krisen wie die Covid-19 Pandemie führen uns in unserer beschleunigten Gesellschaft die „Entschleunigung“ deutlich vor Augen. Konzepte wie die von Hartmut Rosa erlauben es uns, diesem Phänomen mit spannenden neuen Fragen und Denkansätzen nachzugehen.

Als Pionier in seinem Feld werden die Werke des Soziologen und Philosophen Hartmut Rosa weltweit publiziert. Seine Konferenzen werden aktuell an verschiedensten Orten, von Tokyo, über New York bis Dubai von vielen Menschen virtuell besucht. Er warnt vor der Beschleunigung und Entfremdung unserer modernen Verhaltens-, Arbeits- und Lebensweisen. Gemeinsam mit 30 Schüler*innen der Lycée Saint-Charles in Marseille befasste er sich in einem hybriden Atelier mit fünf Konzepten seiner der kritischen Theorie angelehnten Ansätzen. Anschließend fand seine Konferenz im Rahmen der Reihe „Prenons le temps No. 2“ des Konferenz-Zyklus „Opera Mundi“ statt, in Kooperation mit den städtischen Bibliotheken von Marseille, dem Deutschen Generalkonsulat und dem Goethe-Institut Marseille.

Das Video der Konferenz in online verfügbar.

Beschleunigung - Entschleunigung

 

Wir sollten nicht fragen, wie können wir uns an die hohe Geschwindigkeit anpassen, sondern wir sollten fragen, welche Geschwindigkeit ist eigentlich gut für uns Menschen. Was führt zu einem erfüllten und guten Leben?

Hartmut Rosa

 


Hartmut Rosa vergleicht unsere beschleunigte Gesellschaft und das Leben in dieser modernen Zeit mit einer ständig herunterfahrenden Rolltreppe. Während wir versuchen so schnell wie möglich entgegengesetzt hinaufzusteigen, beschleunigt sie immer mehr, so dass unser Lebenstempo schneller wird, wir aber letztendlich auf der gleichen Stelle stehenbleiben – Rasender Stillstand.

Bei dem Schüleratelier in Marseille verdeutlicht der Soziologe die komplexen Ansätze für die junge Generation durch konkrete Beispiele, Sinnesbilder und Vergleiche. Besonders das Konzept des „rasenden Stillstand“ macht Hartmut Rosa durch das Beispiel des Smartphones leicht zugänglich. Ein technisches Wunderwerk, welches uns die Welt in unseren Händen verfügbar macht. Mit nur unserem Daumen können wir so Bücher lesen, Musik hören, weltweit Informationen recherchieren. Einerseits beschleunigt hier der technische Fortschritt jede Informationsübertragung und macht uns rasend schnell die Welt verfügbar. Andererseits befinden wir uns in einem physischen Stillstand, denn wir haben in der Zeit keinen Schritt getan, keine Türen geöffnet, keinen neuen Ort betreten.

Cover Resonanz H. Rosa Suhrkamp Der deutsche Soziologe und Philosoph Hartmut Rosa lehrt zurzeit an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. In der Manier der Frankfurter Schule und des Philosophen Axel Honneth, hat er eine besonders anregende Art entwickelt, unser Verhältnis zur Welt neu zu denken. Seine kritische Analyse der zeitlichen und kulturellen Mechanismen unserer Zeit, verdeutlicht die soziale Beschleunigung und Entfremdung unserer Gesellschaft. Er plädiert für eine Gesellschaft, die einer Welt Grenzen setzt, die uns heute zunehmend zur Verfügung steht, uns jedoch zugleich jeder Resonanz mit ihr beraubt.
 
Auswahl an Veröffentlichungen:
Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005 ; Weltbeziehungen im Zeitalter der Beschleunigung. Suhrkamp, Berlin 2012 ; Beschleunigung und Entfremdung – Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2013 ; mit Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik. Wenn es im Klassenzimmer knistert. Beltz, Weinheim/Basel 2016 ; Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2016 ; Unverfügbarkeit (Unruhe bewahren). Residenz, Salzburg 2018 ; mit Jörg Oberthür u. a.: Gesellschaftstheorie. UVK, München 2020.

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