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Challenge
Die humanere Stadt

Santa vor einer Grünfläche in Paris
Wie können wir unsere Städte grüner und lebenswerter gestalten? | Foto (Ausschnitt): Santa Meyer-Nandi

Ihr Lieben, gerne möchte ich mit Euch die nächste Challenge zu dem Schwerpunkt „Städteboom“ einem humaneren und nachhaltigen Umgang mit uns selbst, einander und unseren Ressourcen widmen.

Was ich im Umgang mit Corona neben diesen individuellen Ritualen spannend finde, ist, was sich auf unserer gesellschaftlichen Ebene abspielt. Irgendwie fühlt sich Corona an wie eine Mischung aus strenger Lehrmeisterin und genialer Detektivin, die alles aufdeckt, was wir gut machen und alles, was wir irgendwie überhaupt nicht gut machen. So als wären wir in unsere Zimmer zum Nachdenken geschickt worden.
 
Ich habe da so Einiges in meiner Umgebung beobachtet, sowohl auf individueller Ebene als auch an gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen (ok, für mich ist Ersteres immer relevant für Zweiteres):
 

Obst- und Gemüsekorb Mit Gemüse-Abo-Kisten die lokale Landwirtschaft unterstützen | Foto (Ausschnitt): Ted Browning (CC0)

#Lokale Strukturen

Während des Lockdowns vernahmen meine feinen Ohren auf einmal, dass Leute Gutscheine bei ihren Einzelhändlern und Restaurants kauften oder bei ihnen einkauften oder Takeaways bestellten, weil die sonst zumachen müssten. Hello, wir sind empathisch und richtig nett – geben wir’s doch zu. Gemüse-Abo-Kisten werden plötzlich bestellt – „das wollte ich eigentlich schon immer machen“, erzählte eine Freundin meiner Freundin Stephanie. Ketten wie H&M, Deichmann, Pimkie, ja, sogar das deutsche Edeka Nord setzten einfach mal ihre Mietzahlungen (u.a. an private Vermieter) aus. Edeka Nord hatte dabei ja immer noch Lebensmittel und Klopapier verkauft, das wir Deutsche zu Beginn der Corona-Krise wie heiße Semmeln wegkauften, bis man es uns dosierte. Unter uns gibt es Leute, die bei bestimmten Ketten aus diversen Gründen nicht mehr einkaufen wollen. Das führt mich zu einem Thema, das ich ganz besonders wichtig finde: 

#Acts of Kindness

Oder weniger schön auf Deutsch: Nette Handlungen oder vielleicht Nächstenliebe?

Findet ihr nicht, dass viele Menschen im Lockdown viel netter waren als sonst? Wir gehen zum Beispiel viel eher für unsere älteren Mitmenschen einkaufen, veranstalten Zoom Parties oder bieten, wie eine Bekannte aus England, kostenlosen Zeichen-Unterricht an. Wie können wir in unserer Umgebung, im Kleineren oder Größeren etwas Nettes machen?
 
Fahrradweg in Paris
Foto (Ausschnitt): Santa Meyer-Nandi
Seit dem Lockdown im März 2020 hat die Anzahl der Fahrradwege in Paris enorm zugenommen.

#Luft- und Umweltverschmutzung

Naja, wir haben jetzt weniger davon wie es immer wieder in der Presse kursierte, ob in China oder in Europa. Auch viele Gewässer wie in Venedig wurden in den letzten Wochen um einiges sauberer und man hört von Delphinen, Fischen und Vögeln. Nice! Mailand zum Beispiel denkt darüber nach, wie man auch Post-Corona diesen positiven Trend beibehält und verstärkt, und zwar durch ausgebaute Fahrradspuren und Fußgängerwege. Werden Michaelsund Lauras Träume aus unserer Mobilitäts-Challenge etwa wahr? I hope, my dears! Unsere super tolle Pariser Bürgermeisterin Madame Hidalgo will Autos auch weiter limitieren und zwar weil Luftverschmutzung unsere Lungen so schwächt und Corona sich besser in ihnen austoben kann. Und das führt mich zum folgenden Punkt:
 

#Gesundheit, Sport und Bewegung und die Liebe zur Natur

Viele von uns wissen, dass wir in Zeiten des Lockdowns und von Corona unser mentales und körperliches Gleichgewicht halten müssen. Viele von uns nutzen die Möglichkeit, sich draußen zu bewegen, zu joggen und zu spazieren. Dass es weniger Autos gab und hoffentlich noch gibt, macht das Ganze natürlich viel vergnüglicher – und es riecht auch viel besser. Ich persönlich war in der bayrischen Natur und so ganz ohne Kultur, Cafés und Restaurants in Sicht, kam ich der Natur viel näher. Ich arbeite derzeit mit dem wunderbaren Autor Christian Berg (Professor für Nachhaltigkeit und im Präsidium des Club of Rome Deutschland) zusammen, der in seinem Buch Ist Nachhaltigkeit utopisch – wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln schreibt: „Da immer mehr Menschen den größten Teil ihrer Zeit in künstlich geschaffenen Welten leben, ist es eine elementar wichtige Aufgabe, Faszination für die Wunder und die Schönheit der Natur zu kultivieren und zu vermitteln. Wir Menschen werden nur für das sorgen, was wir lieben – und wir werden nur das lieben, was wir auch erfahren und mit positiven Eindrücken verbunden haben.“  Ich sitze auf einer Bank im Garten, lese sein schönes, rotes Buch, die Vögel zwitschern. Und just fliegt mir eine Biene auf den nackten Fuß und zwar ganz freundlich, und ich beobachte sie, wie ich Bienen noch nie beobachtet habe und spüre, wie Recht Christian hat. Und was für eine Rolle meine Liebe zur Natur in meinem Leben TATSÄCHLICH spielt, bisher nämlich eher wenig.

#Gleichberechtigung

Haben Euch Kellys Interview zu Gender Sensibilität und Mobilität Denkstoff gegeben, wie auch die vielen Berichte von weiblichen Forschern, die weniger Papiere veröffentlichen, während ihre männlichen Kollegen immer mehr publizieren? Oder von den Anstiegen häuslicher Gewalt, vermehrt gegen Frauen und Kinder? Oder dass Frauen, neben ihrem Vollzeit-Job, im Home Office mehr die Kinder schaukeln als die Papas? Und überhaupt, dass viele Papas jetzt viel involvierter beim „Heimspiel“ (und mitunder –stress) mit von der Partie waren. Und dank Madame Corona haben sich viele Dinge gelockert und sind für das kollektive Verständnis klarer geworden. Wie können wir als Individuum und als Gesellschaft für mehr gleiche „Rechte“ sorgen? Moi, ich freue mich, wenn jemand Anderes mal etwas öfter den Kochlöffel schwingt *hint *hint. Und ganz ehrlich, innerhalb des Lockdowns habe ich ganz anders und viel besser arbeiten können: In Paris laufen oft die Kicherbsen im Topf, die Wäsche in der Waschmaschine, die Teller in der Spülmaschine und ich am PC gleichzeitig um die Wette. Mir war vorher gar nicht klar, dass ich besser arbeite, wenn ich nicht auf Pieps- wie Überkoch-Geräusche lauschen muss. Ihr versteht schon, was ich meine. „Eines nach dem Anderen“ ist ein Luxus, den ich mir irgendwie beibehalten möchte. Let’s see.

Was wollen wir genau ändern?

  • Dass wir vor allem in Grossstädten ein mega Müllproblem haben.
  • Dass wir viel zu viel kaufen und dass unsere natürlichen Ressourcen das nicht mehr lange hergeben und auch die Produktionsbedingungen ziemlich stinken, menschlich und in Bezug auf Schmutz.
  • Dass die Luft stinkt und uns kränker als Corona macht.
  • Dass Kleingewerbe und Artisanat echt bedroht sind von Ketten und multinationalen Konzernen. Geiz ist echt überhaupt nicht geil.
  • Dass unsere Kinder denken, dass die Milch aus dem Tetra-Pack kommt, und Kekse wie auch Gemüse aus dem Supermarkt und Äpfel immer die gleiche Form wie auch Größe haben müssen. Und dass Erde irgendwie schmutzig ist.
  • Und dass unsere Kinder auch oft schon im kleinsten Alter Angst vorm Scheitern haben, einige schon Burnout haben, und dass systemisch, unter anderem in der Schule, wie auch für uns als Eltern Bedarf besteht, Achtsamkeit an Mädchen und Jungs zu bringen.
  • Dass unsere Gesellschaften trotz Aufklärung, #MeToo usw. systemisch wie auch im Einzelnen doch irgendwie ganz schön ungleich sind.
  • Dass Omis und Opis sich einsam fühlen und wir nicht „Hallo“ zu unseren Nachbarn sagen, wir allgemein skeptisch gegenüber Beziehungen sind und einander wenig vertrauen.
  • Und auch viele von uns geistig und körperlich gesünder und zufriedener sein könnten, und Übergewicht, mangelhafte Ernährung, zu wenig Bewegung, wie auch Burnout und Depressionen eine riesige Herausforderung in unserer Gesellschaft darstellen.

Ok, jetzt aber zu den Regeln der Challenge No. 2

Die Prinzipien spielen rund um Wertschätzung – Dankbarkeit – Gemeinschaftlichkeit – Liebe zur Natur, unsere Mitmenschen und uns selbst.
Ok, Stephanie von der Reaktion sagt nicht umsonst, „Sei konkreter, Santa“:

Be good

Welche Routinen tun mir und meiner Familie gut Post-Corona? Sind es das gemeinsame Kochen, der Markt-Einkauf und das Monopoly-Spiel? Familien-Yoga? Dein Dankbarkeits-Journal?
 

Do good

Welche netten Sachen kann ich natürlicherweise innerhalb meines Rahmens tun? Zum Beispiel mal für andere Leute einkaufen, irgendwo aushelfen, Petitionen unterschreiben, oder mal einem Obdachlosen einen Kaffee kaufen? Recyclen, in lokalen Unverpackt-Läden einkaufen und sonst wie Müll einsparen?
Wie unterstützen du, ja du, und ich lokale Gewerbe besser? Bestellen wir die Bio-Kiste, unterstützen wir lokalen Einzelhandel und sehen wir mehr und mehr von Ketten ab.

Wie verteilen wir „Care-Arbeit“, ob jetzt Kochen, Putzen oder nach der alten (Schwieger-) Mutter schauen etwas gemeinschaftlicher in unserer Familie? Lohnt sich vielleicht auch mal der Blick auf eine Haushalts-Hilfe, welcher Art auch immer?

Santa auf einem Vélib Kann ich den Weg zur Arbeit auch über Fahrrad hinlegen? | Foto (Ausschnitt): Santa Meyer-Nandi

Be & do good

Wie kann ich mehr aus meiner Fortbewegung herausholen? Kann ich den Weg zur Arbeit über Fahrrad und Fußweg, oder in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinlegen? Wie komme ich vom Auto weg?
Beim Reisen kann man sich fragen, nach diesem Corona-Reset-Button, ob nicht schon ein einfacher Ausflug in die Natur in der Umgebung ein super toller Wochenend-Trip wäre, anstatt in den Flieger zu steigen?
 
Und lastly: Beginnen wir eine Liebesbeziehung mit der Natur und helfen unseren Kindern eine zu entwickeln. Buddeln wir in der Erde, das ist übrigens super für unser Immunsystem (heißt es in dem von unserer Darm-mit-Charme-Bestseller-Autorin empfohlenen Buch „Dreck ist gesund!: Warum zu viel Hygiene Ihrem Kind schadet“ von Prof. Dr. B. Brett Finlay und Dr. Marie-Claire Arrieta). Ja, wegen der guten Mikroben, die wir brauchen. Aber um die geht es gar nicht nur, sondern auch darum, dass wir eine tiefere Beziehung zur Natur entwickeln, weil es uns glücklich macht, weil wir sie brauchen, denn sie nährt uns mit Speise, Trank und Sauerstoff und weil wir sie lieben „müssen“ (sagt Christian), damit wir sie wirklich schützen wollen, so wie es uns auch klar ist, dass wir unsere Kinder oder Nächsten schützen wollen. Also verlieben wir uns, in die Erde, in andere Menschen und ja, das sage ich aus der Wohlbefinden- UND Nachhaltigkeits-Ecke: in uns selber!

Und was mache ich? Ich werde Boris aus dem Tiny House in München, Robin, dem Schulpsychologen, der sich der Achtsamkeit verschreibt, löchern wie auch mit Christian (ja, Herrn Berg) plaudern zu System und Individuum. Dann frage ich Kelly zu weiteren Weisen, unsere Gesellschaft gleicher zu machen, verantwortlich und ohne Fingerzeig, versteht sich. Und dem US Psychologen, Autor und mega Influencer Nick Wignall, wie sich Zufriedenheit auf unsere Handlungen anderen und uns selbst gegenüber auswirkt. Ach, und es kommt sicher noch viel mehr, wie ihr mich kennt. Jetzt habe ich viel mehr verraten als ich wollte, aber hey, Vorfreude....

Eure Santa
 

mach mit!

Was sind deine Tipps für eine humanere und nachhaltigere Stadt? Poste deine Fotos mit dem Hashtag #GoetheFSEcoChallenge auf Instagram oder Facebook und nimm an dieser Challenge teil. Ich freue mich auf Eure Ideen! Auf www.findingsustainia.org findet Ihr auch weitere Tipps rund um ein Leben, das sich nachhaltig reich anfühlt.


 

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