Aktuelle Literaturszene

Aktuelle Literaturszene © Goethe-Institut │Foto: Loredana La Rocca


Was gibt es Neues in der deutschen Literaturszene? Wir informieren Sie über aktuelle Ereignisse, zu entdeckende Autoren, Neuerscheinungen und Übersetzungen ins Französische.

Alljährlich wird zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Buchpreis vergeben, der den „besten Roman des Jahres“ auszeichnet. In diesem Jahre erhielt Bodo Kirchhoff diesen wichtigen Preis für sein Buch „Widerfahrnis“ (Frankfurter Verlagsanstalt). Durchaus überraschend: Denn zum einen handelt es sich dabei gar nicht um einen Roman, sondern um eine Novelle. Und zum anderen ging damit der starke Favorit „Die Welt im Rücken“ von Thomas Melle leer aus – ein innovativer autobiographischer Roman über das Leben mit einer chronischen Depression. - Die Jury des Deutschen Buchpreises hat sich letztlich für einen komplexen Text entschieden, „der auf meisterhafte Weise existentielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt.“
 
Lernen Sie den Preisträger kennen und entdecken Sie spannende Neuerscheinungen des deutschen Bücherherbstes sowie die neuesten literarischen Übersetzungen ins Französische.

Fokus: Deutscher Buchpreis 2016

  • Bodo Kirchhoff Foto © Laura J Gerlach
    Bodo Kirchhoff
  • Bodo Kirchhoff, »Widerfährnis« © Frankfurter Verlagsanstalt
    Bodo Kirchhoff, »Widerfährnis«
  • Bodo Kirchhoff, »Infanta«, von Bernard Lortholary übersetzt, Gallimard, 1992 © éd. Gallimard
    Bodo Kirchhoff, »Infanta«, von Bernard Lortholary übersetzt, Gallimard, 1992
  • Bodo Kirchhoff erhält den Deutschen Buchpreis 2016 © Claus Setzer
    Bodo Kirchhoff erhält den Deutschen Buchpreis 2016

BODO KIRCHHOFF

Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee, wo er gemeinsam mit seiner Frau Schreibseminare anbietet. Seit seinem 1979 erschienenen ersten Roman hat er mehr als 20 Bücher veröffentlicht, seit 2011 bei der Frankfurter Verlagsanstalt. In seinem Werk stehen das große Thema Liebe und Partnerschaft sowie Fragen der Intimität im Vordergrund, so auch in den zuletzt erschienenen Romanen Verlangen und Melancholie (2014), Die Liebe in groben Zügen (2012) und auch in Widerfahrnis (2016).

Bisher wurde nur ein Roman von Bodo Kirchhoff in französischer Sprache publiziert: Infanta – übersetzt von Bernard Lortholary, 1992 bei Gallimard erschienen.

Bodo Kirchhoff auf Literaturport
Autorenseite


Widerfahrnis

Frankfurter Verlagsanstalt, September 2016

Reither, bis vor kurzem Verleger in einer Großstadt, hat sich nun in einem idyllischen Tal am Rande der Alpen niedergelassen. Eines Tages erhält er überraschend Besuch von Leonie Palm, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäfts. Sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag, weil es zunehmend mehr Autoren als Leser gibt. Gemeinsam begeben sie sich auf eine spontane Reise, die sie schließlich nach Sizilien führt. Unterwegs teilen sie Geschichten aus ihrer Vergangenheit und lassen die Zukunft neu auf sich zukommen. Dabei begegnet ihnen ein Mädchen, das sich ihnen stumm anschließt.

"Bodo Kirchhoff erzählt vom unerhörten Aufbruch zweier Menschen, die kein Ziel, nur eine Richtung haben – den Süden. Es treibt sie die alte Sehnsucht nach der Liebe, nach Rotwein, Italien, einem späten Abenteuer. Als sie eine junge Streunerin auflesen, begegnen sie den elementaren Themen ihrer Vergangenheit wieder: Verlust, Elternschaft, radikaler Neuanfang. Kirchhoff gelingt es, in einem dichten Erzählgeflecht die großen Motive seines literarischen Werks auf kleinem Raum zu verhandeln. Gleichzeitig erzählt er von unserer Gegenwart und davon, wie zwei melancholische Glückssucher den Menschen begegnen, die in der Jetztzeit den umgekehrten Weg von Süden nach Norden antreten“ (aus der Begründung der Jury)

Verlagsseite
Rezensionen (Perlentaucher)

Neuerscheinungen

Fremde Seele, dunkler Wald © S. Fischer Verlag

Fremde Seele, dunkler Wald

Reinhard Kaiser-Mühlecker, S. Fischer Verlag, August 2016
 
Eine berührende und zeitlose Geschichte von zwei Brüdern, die – verstrickt in Tragödien und Schuldgefühle - nach Rettung suchen: Alexander als Soldat der Fremdenlegion und Jakob, der den elterlichen Hof übernehmen musste.

Skizze eines Sommers © Rowohlt

Skizze eines Sommers

André Kubiczek, Rowohlt Berlin, Mai 2016
 
Potsdam 1985: mit tausend Mark, die ihm sein Vater über die großen Ferien da lässt, verbringt der sechzehnjährige René mit seinen Freunden einen unvergesslichen Sommer. In diesem „Jugendroman“ geht es um die erste Liebe, Freundschaft, Musik und Bücher.

Die Welt iDie Welt im Rücken © Rowohlt Berlin

Die Welt im Rücken

Thomas Melle, Rowohlt Berlin, August 2016
 
Anschaulich gewährt Thomas Melle einen Einblick in die Welt eines Bipolaren und in seinen Kampf gegen die Krankheit, die ihn immer tiefer stürzen lässt. In seinem autobiographischen Werk offenbart er die Tiefen der Erkrankung und wie er lernt, damit umzugehen.

Ein langes Jarh © Jung & Jung

Ein langes Jahr

Eva Schmidt, Jung und Jung, Februar 2016
 
Eine kleine Siedlung am Bodensee und eine Nachbarschaft, in der man sich gegenseitig unter die Arme greift, um sich den Höhen und Tiefen des Alltags zu stellen: aus der Perspektive der Bewohner erzählt Eva Schmidt von den kleinen und großen Dingen des Lebens, vom Allein- und Zusammen-Sein.

Hool © Aufbau Verlag

Hool

Philipp Winkler, Aufbau Verlag, September 2016
 
Heiko und seine Freunde nehmen uns mit in die Hooligan-Szene. Dabei bleiben Schlägereien, Saufgelage und illegale Kämpfe nicht aus. Einmal der Familie der HOOLs verschrieben, scheint es unmöglich, aus dieser Szene auszusteigen.

Der Weg der Wünsche © Rowohlt Berlin

Der Weg der Wünsche

Akos Doma, Rowohlt Berlin, August 2016
 
Wagemutig fliehen Teréz und Károly mit ihren Kindern aus Ungarn, weil sie das dortige sozialistische System nicht mehr aushalten. Die Fluchtpläne haben sie selbst vor den Kindern geheim gehalten, die statt des erwarteten Urlaubs am See nun mit einem Auffanglager konfrontiert werden. Die Familie wird auf eine harte Probe gestellt.

Übersetzungen ins Französische

Le silence © Quidam éditeur

Le silence

Reinhard Jirgl, Quidam éditeur, Oktober 2016
-frz. Übersetzung von Martine Rémon
Originaltitel: Die Stille
 
Jirgl ist eine eindrückliche und vielstimmige Familiensaga gelungen: Erzählt wird die Geschichte zweier Familien in Deutschland, die von der Kaiserzeit bis heute und über fünf politische Systeme hinweg zwei Weltkriege, Inflation, Flucht und Vertreibung, erlebt und überlebt haben.

L’homme au grand bi © Le Nouvel Attila

L’homme au grand bi

Uwe Timm, Le Nouvel Attila, Oktober 2016
- frz. Übersetzung von Bernard Kreiss
Originaltitel: Der Mann auf dem Hochrad
 
Franz Schröder versucht, sich in einer Zeit der Erfindungen mit seinem Hochrad gegen das Niederrad durchzusetzen... und nimmt dabei viele Kopfstürze in Kauf. Mit viel Witz und Humor erzählt Uwe Timm die Geschichte seines Onkels und einer von Aufbruchstimmung und Traditionsbewusstsein gleichermaßen geprägten Epoche.

Post-Scriptum © Actes Sud

Post-Scriptum

Alain Claude Sulzer, J. Chambon, September 2016
- frz. Übersetzung von Johannes Honigmann
Originaltitel: Postskriptum
 
Als jüdischer Filmstar in den frühen Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts nimmt Lionel Kupfers’ Karriere schnell ein Ende. Nicht nur, dass ihm diese schlechte Nachricht von seinem Liebhaber Eduard überbracht wird; er sieht sich schließlich auch gezwungen zu emigrieren.

En vie © Piranha

En vie

David Wagner, Piranha, August 2016
- frz. Übersetzung von Isabelle Liber
Originaltitel: Leben
 
Der lang ersehnte Anruf wegen eines passenden Spenderorgans gibt einem jungen Mann neue Hoffnung. Im Krankenhaus trifft er auf viele Lebensgeschichten, die ihn nachdenklich stimmen. So  denkt er über sein Leben nach und darüber, wer für ihn sterben musste.

Le noyau blanc © éd. Mé

Le noyau blanc

Christoph Hein, Métailié, September 2016
- frz. Übersetzung von Nicole Bary
Originaltitel: Weiskerns Nachlass
 
Rüdiger Stolzenburg sieht für seine Zukunft wenig Hoffnung. Er kann sich nur knapp über Wasser halten, an Aufstieg und Wohlstand ist nicht zu denken. Hein zeichnet mit seinem Roman die prekäre Lage der Gesellschaft im Osten Deutschlands knapp 20 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Tabou © éd. Gallimard

Tabou

Ferdinand von Schirach, Gallimard, August 2016
- frz. Übersetzung von Olivier Le Lay
Originaltitel: Tabu
 
Schon als Kind wird Sebastian von Eschburg mit dem Tod konfrontiert: Sein Vater begeht Selbstmord. Die Kunst ist sein Ventil, um damit fertig zu werden. Doch dann wird Eschburg beschuldigt, eine junge Frau getötet zu haben ...