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Neue Bilderbücher
Tierische Helden

Buchcover
© NordSüd, Tulipan, Carlsen, Jungbrunnen, Beltz & Gelberg

Eine Wölfin hat einen ungewöhnlichen Berufswunsch, ein kleiner Hund wird in einem Hotel vergessen und eine Maus macht eine Zeitreise. Um das und vieles mehr geht es in neu erschienenen Bilderbüchern.

Von Holger Moos

Auch im Bilderbuch ist weibliche Emanzipation ein Thema. Da ist zum Beispiel die Wolfsfamilie Grimm in Das ist doch kein Beruf für einen Wolf von Annette Feldmann und Mareike Engelke. Während Bruder Kurt Biologie studieren und Wolfsberater werden will, träumt Isa von einem Job als Schiffskapitänin. Auf einer Doppelseite zeigen die sanft kolorierten Zeichnungen, was die Eltern alternativ für Berufe vorschlagen. Doch Isa sagt nur: Nö – und am nächsten Morgen fährt sie schon per ICE nach Hamburg. Im dortigen Hafen findet sie Kapitän Königspinguin und überzeugt ihn davon, sie auf seinem Schiff mitzunehmen. Die Mannschaft hat zuerst Angst, gefressen zu werden, aber zum Glück ist Isa ja Vegetarierin. Dieser liebevoll schräge Text wird mit stimmigen Bildern illustriert. Und als sich Seeräuber nähern, werden die Farben wilder, passend zur dramatischen Situation – aber die Mannschaft hat zum Glück eine pfiffige und nun doch furchteinflößende Wölfin an Bord.
 
In Hendrik Jonas' Grand Hotel Bellevue wird ein kleiner Hund während einer Geschäftsreise von seinen Eltern in einem seltsamen Hotel vergessen und erlebt die skurrilsten Abenteuer mit der Belegschaft –allesamt Hunde der unterschiedlichsten Rasse. Doch etwas Besseres, als im Hotel zu bleiben, konnte ihm gar nicht passieren, denn nun ist er nicht mehr nur der kleine Liebling, sondern kann in dem seltsamen, heruntergewirtschafteten Haus beweisen, wie groß und gescheit er schon ist. Bald ist er überall als Hilfe und Berater gefragt. Dieses großformatige Werk bietet dem Künstler den Rahmen und gibt ihm Raum und Platz für seine großflächigen Bilder in Collagentechnik mit ungewöhnlichen ständig wechselnden Formaten und Perspektiven. Ein Bilderbuch, in dem viel zu entdecken ist.

Verspätet zum Käsefest

Torben Kuhlmanns Einstein ist – nach Lindbergh (2014), Armstrong (2016) und Edison (2018) –  das vierte Abenteuerbuch der kleinen Maus, die eine unglaubliche Geschichte erlebt. Weil sie einen Tag zu spät beim Käsefest in Bern ankommt, denkt sie darüber nach, ob sich die Zeit nicht zurückdrehen ließe. Bei ihren Nachforschungen findet sie die Aufzeichnungen von Albert Einstein im Berner Patentamt, wo der spätere Nobelpreisträger von 1902 bis 1909 arbeitete. Nun beginnt eine fantastische Reise durch Raum und Zeit. Dieses Phänomen wird auch schon für junge Leser gut erklärt, dabei helfen wieder Kuhlmanns bestechende technische Zeichnungen.
 
Sandra Niebuhr-Siebert ist Professorin für Sprachpädagogik und Erzählende Künste. Gemeinsam mit dem Illustrator Lars Baus hat sie das Bilderbuch Mina entdeckt eine neue Welt herausgebracht, in dem es um einen ihrer wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte geht: ein- und mehrsprachige Spracherwerbsprozesse. Die kleine Mina kommt neu in den Kindergarten. Als sie dort begrüßt wird, versteht sie nur ihren Namen. Also schweigt Mina zunächst lieber. Denn Mina kann noch kein Deutsch, doch sie erzählt viel und gern in ihrer Muttersprache. Das Buch ist sehr geeignet, um mit Kindern über Mehrsprachigkeit ins Gespräch zu kommen. „Am Anfang ist fast alles fremd, sogar die Sprache der Kindergärtnerin. Aber jeden Tag lernt Mina etwas, auch neue Wörter, und jede Nacht träumt sie von den aufregenden Begegnungen mit den anderen Kindern. Sensibel illustriert“ (Deutschlandfunk-Bestenliste Die besten 7 im Monat September 2020).

Die Kindheit eines Schneeforschers

Robert Schneider, der Autor des Erfolgsromans Schlafes Bruder (1992), erzählt in Der Schneeflockensammler von der Kindheit des amerikanischen Schneeforschers und Fotografen Wilson Bentley. Schon früh interessierte sich der verträumte Junge für die kleinen Dinge am Wegesrand, sammelte Steine und Blätter. Er „wollte das Große im Kleinen finden“, zum Kummer seines Vaters, denn er sollte Farmer werden. Später begann der Junge, sich für Schneekristalle zu interessieren, fotografierte sie und der Vater verstand seinen Sohn zum ersten Mal: „Heute, Wilson, habe ich die Freude des Augenblicks begriffen.“ Die Bilder von Linda Wolfsgruber verstärken in ihrer matten, an Schneelandschaften erinnernden Farbigkeit die besondere Stimmung der Erzählung.
 
Wo kommt unser Essen her? lautet die Frage, die Julia Dürr in ihrem Bilderbuch beantwortet. Die Autorin und Illustratorin zeigt, wo und wie die Lebensmittel produziert werden, die wir täglich brauchen, etwa Milch, Brot, Fisch, Eier, Fleisch und Gemüse. Und sie stellt biologischen Anbau und natürliche Tierhaltung der technisierten Landwirtschaft gegenüber. Das Bilderbuch ist so groß wie ein Wimmelbuch und erinnert auch mit Illustration und Texten an dieses Format. Dank der anschaulichen und detailreichen Darstellung schaffte das Buch es ebenfalls auf die Deutschlandfunk-Bestenliste Die besten 7 im Monat September 2020.
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Julia Dürr: Wo kommt unser Essen her
Weinheim: Beltz & Gelberg, 2020. 30 S.
ISBN: 978-3-407-75816-3

Annette Feldmann / Mareike Engelke (Illustration): Das ist doch kein Beruf für einen Wolf
München: Tulipan, 2020. 30 S.
ISBN: 978-3-86429-493-8

Hendrik Jonas: Grand Hotel Bellevue
München: Tulipan, 2020. 46 S.
ISBN: 978-3-86429-478-5

Torben Kuhlmann: Einstein
Zürich: NordSüd, 2020. 128 S.
ISBN: 978-3-314-10529-6

Sandra Niebuhr-Siebert / Lars Baus (Illustration): Mina entdeckt eine neue Welt
Hamburg: Carlsen, 2020. 48 S.
ISBN: 978-3-551-51270-3

Robert Schneider / Linda Wolfsgruber (Illustration): Der Schneeflockensammler
Wien: Jungbrunnen, 2020. 24 S.
ISBN: 978-3-7026-5946-2

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