Peer Martin Sommer unter schwarzen Flügeln

„Sommer unter schwarzen Flügeln“ von Peer Martin © Oetinger Verlag Nura, genannt Nuri ist mit dem Rest ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen und in einem Flüchtlingsheim in Mecklenburg-Vorpommern gelandet, in unmittelbarer Nähe zum Meer aber auch zu den Neonazis der Region. Hier wohnt der Sozialneid im Plattenbau: die meisten deutschen Bewohner aus der Umgebung sind Hartz 4-Empfänger und die Asylbewerber bekommen sogar die Kühlschränke gestellt...

Die NPD und auch ihre militanten Splittergruppen bekommen hier reichlich Zulauf, Jugendliche ohne Schulabschluss und Zukunft können sich hier ein Selbstbewusstsein erschaffen. So einer ist auch Calvin, aber der ist trotz rechter Clique noch selbstständig in seinem Denken. Ausgerechnet zwischen ihm und Nuri entwickelt sich eine Beziehung, bei der in erster Linie Nuri aus Syrien und von der Flucht erzählt und Calvin, zunächst widerstrebend, zuhört. Calvin gerät zunehmend unter Druck, seine rechten Kumpels wollen klare Bekenntnisse und Calvin ist durch seine Nähe zu den Asylbewerbern selbst in Gefahr...

Peer Martin nimmt die Hintergründe ernst, recherchiert gut, findet besonders für Nuris Erzählungen eine poetische Sprache, die die Leser in den Bann zieht. Leider sehr aktuell, dieses Buch, unbedingt lesen!

Jule Pfeiffer-Spiekermann, „Pinselfisch“