Mehrnousch und Mehrdad Zaeri-Esfahani 33 Bogen und ein Teehaus

„33 Bogen und ein Teehaus“ von Mehrnousch Zaeri-Esfahani & Mehrdad  Zaeri-Esfahani © Peter Hammer Verlag „33 Bogen und ein Teehaus“ muss man in einem Atemzug lesen! Alles beginnt in den 1980er-Jahren im iranischen Isfahan, oder ist es Pripjat bei Tschernobyl? Der Erste Golfkrieg zwingt die Familie der siebenjährigen Mehrnousch Zaeri-Esfahani, Ich-Erzählerin und Autorin des Buchs, zur Flucht in die Bundesrepublik. Das Mädchen erzählt von ihrer Odyssee von Flüchtlingsheim zu Flüchtlingsheim und davon, als Kind in einem fremden Land zu überleben, wenn man noch nicht einmal weiß, was der Unterschied zwischen Sommeranzug und Schlafanzug ist. In der Schule erlebt sie eine Mischung aus latenter Unsicherheit, Staunen, Glück und Angst.

Wie kann ein Kind also verstehen, aus dem Leben – Leben, das diesen Namen auch verdient – herausgerissen zu werden, ohne Grund? Warum flüchten? Mehrnousch gibt mit leisen, poetischen Worten Antwort darauf. Zunächst aber sagt sie: „Ich wollte nicht da sein, wo ich war, und ich wollte nicht die sein, die ich war. (…) Ich spürte mit einem Mal, dass wir für die Länder, in die wir einreisten, nur Ärger bedeuteten und dass uns niemand haben wollte.“

Privilegiert ist, wer in Freiheit und Frieden aufgewachsen ist. Wer Mehrnousch zuhört, wird keine schnellen Urteile mehr fällen. Für Lehrer, Sozialpädagogen und Schüler ab der fünften Klasse. Mehr als nur eine Erinnerung an die Zeitläufte der 1980er-Jahre, an Tschernobyl und an Mehrnouschs persönliches Schicksal: sie appelliert an unser aller Mitgefühl. Die Autorin selbst hat es im „kalten“ Deutschland einst gefunden.

Katja Pfeiffer, „Pinselfisch“