Gerda Raidt
Müll. Alles über die lästigste Sache der Welt

Gerda Raidt, Müll. Alles über die lästigste Sache der Welt, Beltz 2019 © Beltz Man möchte ihn möglichst nicht sehen, noch weniger riechen! Müll, die lästigste Sache der Welt, wie der Untertitel treffend feststellt. Und doch ist er überall, dieser Müll. Nur im Kinderbuch, das inzwischen viele Tabuthemen von Tod bis Transsexualität in Angriff genommen hat, war er bisher kaum angekommen. Höchstens indirekt, im Zusammenhang mit Naturschutz und Umweltverschmutzung. Blättert man durch dieses Buch, versteht man warum: Müll ist nicht nur lästig. Hinsehen ist unangenehm. Ja geradezu bedrückend und angsteinflößend – vor allem, wenn man sich eingestehen muss, dass man als Verbraucher tüchtig beiträgt zum Müll auf dieser Welt! Gerda Raidt verschönt nichts: quillt der Papierkorb auf der Titelseite schon über, so türmen sich schon bald trotz Mülltrennung die Plastikberge so hoch, dass die Seite nicht ausreicht, strahlt der Atommüll in eine ungewisse Zukunft, bilden sich in den Ozeanen ganze Müllinseln und ist der Planet Erde von Weltraumschrott umgeben. Kippt man hierzulande seinen Müll in Nachbars Tonne, um Gebühren zu sparen, so machen anderorts Leute viel Geld damit, ihn illegal verschwinden zu lassen, während in Drittweltländern Kindern unseren Müll auseinanderschrauben, um sich gerade mal etwas Essen kaufen zu können. Glücklicherweise gibt es ab S. 72 Ideen und konkrete Hinweise, wie man selbst etwas gegen diese Zumüllung unternehmen kann: Brotzeit in der Dose mitnehmen, Wasser aus dem Hahn trinken, Gebrauchtes auf dem Flohmarkt verkaufen. Kritisch einkaufen, vielleicht auf mal auf Neues verzichten, reparieren statt ersetzen. Ein Anhang liefert Zusatzinformation zu Müll als Kunst, zu sozialen und umweltaktivistischen Initativen, die ebenfalls inspirieren können. Trotz der Bedrohlichkeit des Themas gelingt es Raidt mit ihren detaillierten kolorierten Buntstiftzeichnungen den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und Kinder zum Handeln zu ermutigen.

Nikola von Merfeldt, Pinselfisch