Frankfurt 2017 Erlesenes aus der deutsch-französischen Kultur

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Frankfurter Buchmesse | © Frankfurter Buchmesse

Frankreich ist vom 11. bis 15. Oktober 2017 Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse. Und das Beste: Die Feierlichkeiten haben mit zahlreichen Veranstaltungen auf beiden Seiten des Rheins jetzt schon begonnen.
 

Zum zweiten Mal seit 1989 ist Frankreich Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse, dem größten internationalen Treffen der Buchbranche, das zum 69. Mal stattfindet. Diese Einladung wird von einer wahren Hochsaison der französischen Kultur in Deutschland begleitet. Unter dem Titel Francfort en français / Frankfurt auf Französisch hat das Institut français auf der Website Francfort2017 fast 350 Veranstaltungen aufgelistet, die zwischen Januar und Oktober 2017 in ganz Deutschland geplant sind. Französischsprachige Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler präsentieren sich dem deutschen Publikum bei Lesungen, Konferenzen oder Podiumsdiskussionen. So wird Jean-Luc Nancy in Berlin erwartet, Cécile Wajsbrot in Bonn, David Foenkinos in Frankfurt, Gilles Kepel in Köln und Abdennour Bidar in Stuttgart, um nur einige der vielen Botschafter der französischen Sprache zu nennen, die in ihrer ganzen Vielfalt und ihrem ganzen Reichtum vorgestellt wird.

Eine bunte Palette an Angeboten

Zum Programm gehören außerdem Konzerte, Aufführungen und Ausstellungen, zum Beispiel die Comic-Ausstellung „Héro(ïne)s“ der Stadt Tübingen, die ihr diesjähriges Literaturfestival (vom 26. bis 28. Mai) Frankreich zu Ehren „Joie de livre“ genannt hat. Diese bunte Palette an Angeboten reicht von brisanten Vorträgen (z. B. L’avenir monétaire européen von Jean-Paul Trichet in Frankfurt) bis zu den frei dahinrollenden Reflektionen der 15 französisch- und deutschsprachigen Schriftsteller, die zwischen dem 1. September und dem 1. Oktober mit dem Fahrrad durch Deutschland touren werden. Insgesamt nehmen 120 frankofone Autoren an dieser Frankreich-Saison in Deutschland teil, von Salim Abdelmadjid bis Alice Zeniter, und gut 100 weitere werden auf der Messe erwartet.

Frankreich richtet den Blick auf die deutsche Literatur

Dieser prächtige rote Teppich, den Deutschland da ausgerollt hat, blieb auf der französischen Seite des Rheins nicht unbeachtet; viele Veranstaltungen möchten dort – im entsprechenden Verhältnis – darauf antworten. Der symbolische Anpfiff erfolgte im März auf der Messe Livre Paris in Form von vielen Begegnungen der Buchbranche und einem Doppelinterview mit Marie Desplechin und Thomas Melle, organisiert vom Verein Les Amis du Roi des Aulnes und dem Goethe-Institut Paris. Das Centre Pompidou öffnete seine Tore für die Grand Huit, ein zweisprachiges poetisches Abenteuer mit vier deutschen und vier französischen Dichtern. Darauf folgen zahlreiche weitere Begegnungen in der Maison Heinrich Heine oder auch der Maison de l’Europe, wo im September zwei Comic-Autorinnen zu Gast sein werden: die Österreicherin Ulli Lust und die Franko-Libanesin Zeina Abirached.

Dem stehen die Festivals in anderen Teilen des Landes in nichts nach, von Saint Malo, wo zwischen dem 3. und 5. Juni vier „Etonnants voyageurs“ aus Deutschland (Alex Berg, Andreas Eschbach, Christoph Hein und Jaroslav Rudiš) erwartet werden, bis zur Fête du livre in Saint-Etienne (6. Bis 8. Oktober), in dessen Kunsthochschule das Design des französischen Pavillons der Frankfurter Buchmesse entworfen wurde. Zur großen Freude der 120.000 erwarteten Festival-Besucher wird einer von zwei 500 m2 großen Nachbildungen des dreifarbigen Pavillons auf einem der drei Plätze des Stadtzentrums aufgebaut. Wer die deutsche Sprache mag, kann auch in ein deutsch-französisches Literatur-Café gehen, um den zweisprachigen Lesungen der großen Klassiker (Heine, Goethe, …) oder deutscher Gastautoren (Markus Gabriel, Clemens J. Setz, Andrea Maria Schenkel …) zu lauschen und dort deutsche Leckereien zu kosten oder die jeden Tag erscheinende zweisprachige Festivalzeitung zu lesen.

Zum Marathon d’automne in Toulouse (22. bis 26. November) sind in diesem Jahr zehn deutsche Schriftsteller eingeladen. Das Festival Impressions d’Europe widmet sogar sein gesamtes Programm (vom 9. bis 13. November) der deutschen Geisteswissenschaft und deckt ein großes kulturelles Spektrum ab, von Klassik bis Krimi, von Punkmusik bis zum zeitgenössischen Theater. Das Publikum darf sich auf hochkarätige Gäste (u. a. Jens Harder, Karen Köhler, Esther Kinsky, Heinrich Steinfest, Anne Weber) und vielfältige Veranstaltungen freuen, darunter das Theaterstück Der Mann, der die Welt aß von Nis-Momme Stockmann und die Vorführung des Films Austerlitz im Rahmen einer großen Präsentation des Werks von W. G. Sebald.

Deutschland als Ehrengast auf dem Lyoner Comicfestival

Aquitanien verstärkt seit 1995 die Zusammenarbeit und den Austausch mit Hessen und wird natürlich in Frankfurt präsent sein. Gerade hält sich die junge deutsche Dichterin und Slammerin Franziska Wilhelm in Aquitanien auf, bevor ein von dort stammender Comicautor diesen Herbst für zwei Monate nach Wiesbaden zieht. In Lyon, seit 1960 Partnerstadt von Frankfurt, ist der deutsche Comic ganz selbstverständlich Ehrengast auf dem Lyoner Comicfestival. Bei einer Ausstellung im Rathaus werden die Arbeiten von Flix, Reinhard Kleist, Birgit Weyhe und anderen geladenen Autoren vorgestellt, außerdem stehen neue Bewegungen aus drei deutschen Städten im Mittelpunkt: The Millionaires Club aus Leipzig, das Kollektiv Beton aus Berlin und das feministische Magazin Spring der gleichnamigen Hamburger Künstlergruppe. Die sprudelnde deutsch-französische Comicszene kann ihren Sprechblasen auch auf dem Blog Ping Pong Gehör verschaffen. Dort werden bis Ende Oktober Beiträge von Comiczeichnern aus beiden Ländern gesammelt, entweder in Form einer Hommage an ein Werk der frankofonen Literatur oder als illustrierte Berichte über die kulturellen Veranstaltungen dieser außergewöhnlichen Saison.

So wird auch Wiebke Petersen alias Zelba vom 29. September bis 1. Oktober in Gif-sur-Yvette sein, um das Festival Vo-Vf, le monde en livres in Skizzen festzuhalten. Dieses Übersetzungsfestival hat das Ziel, den Literaturübersetzern das Wort zu erteilen, die unentbehrliche Brückenbauer sind, um Büchern und Ideen über sprachliche Grenzen hinwegzuhelfen. Französisch ist die in Deutschland am zweithäufigsten übersetzte Sprache und Deutsch steht in Frankreich auf Platz drei nach Englisch und … Japanisch (durch die Mangas). Im Comic-Bereich wird mit Abstand am meisten übersetzt (42,5 %, Tendenz steigend), ein Zeichen für die Neugier der Leser auf Geschichten von anderswo.