Future Perfect POC21: Die Umwelttüftler

POC21 Zelt und Windturbine
Foto: © Global Magazine

Nach drei Wochen intensiver Arbeit haben die Umwelttüftler am 19. und 20. September ihre Erfindungen der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese umweltfreundlichen und nützlichen Prototypen zeugen davon, dass sich ein neuer Lebensstil abzeichnet.
 

Es herrscht Aufruhr an diesem Samstag, den 19. September am Bahnhof von Garancière-la-Queue, vor dem ein Reisebus abfährt. Neugierige aller Altersstufen vermischen sich dort. Ziel ist das Schloss von Millemont, wo der Tag der offenen Tür der POC21 stattfindet. Auf dem 50 Kilometer von Paris entfernten Anwesen haben etwa hundert „Öko-Hacker” über die Welt von morgen nachgedacht. Fünf Wochen lang, vom 15. August bis zum 20. September, versammelten sich Ingenieure, Finanziere und Vertreter anderer Berufe aus aller Welt, um zwölf innovative umweltfreundliche Prototypen vorzuschlagen. Zusammengetragen und präsentiert wurde das Ganze unter einer weißen Kuppel mitten im Park.

Zu den zu entdeckenden Erfindungen zählen ein Filter, der aus jedem Wasser Trinkwasser macht, transportierbare Solarpanele, eine nur 10 Liter Wasser pro 10 Minuten verbrauchende Dusche oder eine Küche ohne Kühlschrank. „Dabei handelt es sich um ein Rezept von Großmutter: es wurde ein blaues Netz aufgespannt, um Fliegen von Tomaten fernzuhalten. Wussten Sie, dass Fliegen die Farbe Blau nicht leiden können?“ fragt Laurent, einer der Ehrenamtlichen der Veranstaltung, amüsiert. Die Erfindungen sind nicht nur ganz neuer, sondern auch ein bisschen besonderer Art: sie werden alle unter einer Creative Commons-Lizenz angemeldet, d.h. die Erfinder verzichten auf Urheberrechte, ihre Werke unterliegen keinen urheberrechtlichen Beschränkungen. Beabsichtigt wird damit, dass sich jeder das Werk wiederum zu eigen machen, es ändern und verbessern und seine Entdeckungen teilen kann.


Ein neuer Lebensstil: das Sharing

Hinter den Innovationen steckt mehr: sie zeigen einen allgemeinen, umfassenden Wandel des Lebensstils auf. Auf den Veranstaltungsschildern und aus den Berichten der Erfinder ist das während dieser fünf Wochen entwickelte „Zusammenleben“ zu lesen. Inès, eine 35-jährige Ehrenamtliche, erzählt: „Wir mussten die Verständigung zwischen den verschiedenen teilnehmenden Nationalitäten überdenken… Und uns den Ernährungsvorschriften eines jeden anpassen.“ Denn unter den dreihundert Leuten, die zum einen oder anderen Zeitpunkt im Schloss waren, befanden sich Veganer, Laktose- sowie Glutenallergiker usw. Es wurden Kommunikationstechniken entwickelt: „Bilden Sie ein C mit Ihrer Hand, wenn Sie Klärung bei den Debatten brauchen“ oder „Setzen Sie einen Blätterkranz auf, um zu signalisieren, dass Sie nicht gestört werden möchten“.


Eine kleine Gesellschaft entfaltet sich. Darin verkehren Ehrenamtliche, Organisatoren, Projektteilnehmer, Betreuer, Unterstützer, Küchenhilfen, … miteinander. Die Haushaltsarbeiten werden geteilt: alle müssen mal kochen, die Duschen säubern, einkaufen, die Trockentoiletten einmal am Tag leeren oder an einer Gemeinschaftsaktion teilnehmen. Laurent vertraut an: „Nicht alle wollten sich um die Trockentoiletten kümmern, aber im Großen und Ganzen hat jeder mitgespielt“. Die Grundidee ist folgende: jeder kann mit seinem Handeln seine Hilfe, seine Besonderheit zu der Veranstaltung miteinbringen. „In den Toiletten mussten Riegel angebracht werden, das haben wir selbst gemacht“, fügt Laurent hinzu.
Eine Gesellschaft, in der alles geteilt wird: jeder hat sein Zelt, seine Wasserflasche aus Glas, seine Zahnpasta, Seife oder Bioshampoo Pachamama, so dass einige der Teilnehmer den Beginn eines Lebensstilwandels realisieren. „Ich arbeite in der Finanzwirtschaft. Ich hatte die Angewohnheit, an Wochenenden allein in meiner Ecke an meiner Erfindung zu arbeiten. Hier konnte ich mich dieser mehrere Wochen lang widmen und mich mit Leuten austauschen, die ihre eigenen Ideen hatten“, erklärt Johan, einer der Erfinder eines autarken Treibhauses. So konnte eine Gemeinschaft geschaffen werden. „Nach drei Wochen fuhren Teilnehmer ab oder pendelten. Wir waren ein bisschen traurig, so als ob wir eines unserer Familienmitglieder verlieren würden.“
 

Den Menschen Hoffnung geben

Hoffnung gebende Innovationen. Die Ehrenamtliche Inès teilt mit: „Man kann nicht einfach nur hier sitzen und warten, ohne selbst zu handeln. Dank poc21 können wir als Bürger Probleme lösen. Ich kam auf der Suche nach Hoffnung hierher, und die habe ich gefunden“. Eine Initiative, die von Camille geteilt wird. Die 26-Jährige ist an diesem 19. September gekommen, um die Erfindungen zu entdecken. „POC21 geht von unten aus, wohingegen die UN-Klimakonferenz von oben kommt: das motiviert einen, Dinge zu schaffen, beide gehen miteinander einher.“ Das kann inspirierend sein: Youmes, 48 Jahre, Techniklehrer, geht mit einem großen Strahlen aus der Veranstaltung. „Am meisten bewegt hat mich der Filter. Das ist Gelebtes, es könnte das Problem der Cholera und des Salzwassers lösen. Ich habe das autarke Treibhaus entdeckt. Gerne würde ich es mit meinen Schülern aufbauen, um ihnen das Denken und Nachdenken beizubringen.“ Eines bedauert er jedoch: „Ich wäre gerne zwanzig Jahre jünger, um an derartigen Projekten teilzunehmen.“