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Kultur- und Kreativwirtschaft
Planet Start-up: vom Traum zur Realität

Start up
© charlotte-noblet.eu

„Start“ und „up“: Wörtlich übersetzt ist ein Start-up ein Unternehmen, das „nach oben startet“. Der Begriff kam in den 1920er-Jahren in den USA auf und verbreitete sich in den 1990ern mit dem Aufblühen der „start-up companies“, der Unternehmen, die im Zusammenhang mit dem Internet entstanden. Heute sind Start-ups aus dem Wortschatz innovativer Projektentwickler nicht mehr wegzudenken. Aber worum handelt es sich dabei genau?

Von Charlotte Noblet

Frankreich präsentiert sich heute als eine „Start-up-Nation“, aber das Konzept passt nicht in die Klassifikationen des Insee: „Wir definieren Unternehmen nach ihrer Größe und ihrer Branche“, erklärt Faustine Harzelec von der Pressestelle des Institut national de la statistique et des études économiques (Insee, dt.: Nationales Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien). Derselbe Tenor herrscht auch in Deutschland, wo die Regierung die „Start-up-Szene“ fördert: „Unsere Statistiken beruhen auf einer Wirtschaftszweigklassifikation von 2008“, so Anja Hardel von der Pressestelle des Statistischen Bundesamts (Destatis). „Dabei fehlen nicht nur die Kultur- und die Kreativindustrie, sondern auch der Großteil der Kleinunternehmen und Firmengründer – die im Allgemeinen für das stehen, was Sie Start-up nennen. Sie sind sogar von unseren Überprüfungen ausgenommen, weil wir ihnen keine zusätzliche Last aufbürden wollen.“
 
Risiko im Blut

Stark wachsende KMUs sind oft nach dem Start-up-Modell gegründet. Matthieu Brun und Flavia Chai beschreiben ihr typisches Profil in einem Bericht der französischen Staatsbank von 2012: „Sie sind jung, bewusst international ausgerichtet und investieren, selbst wenn die wirtschaftlichen Bedingungen ungünstig sind. Sie erzielen hohe Gewinne, denn ihre Marge liegt bis zu 50 % über der anderer unabhängiger KMUs.“ Flexibilität, Eigenfinanzierung und Verschuldung bei der Bank: Laut der OECD und Eurostat unterscheiden sich stark wachsende Unternehmen von anderen durch ihr Alter und ihre Branche.

Stark wachsende Unternehmen sind in der Île-de-France besonders häufig vertreten, hauptsächlich im Sektor der Kultur- und Kreativindustrie. Der Deutsche Startup Monitor 2018 verortet die deutsche Hauptstadt jedoch nur auf dem zweiten Platz des Start-up-Rankings in Deutschland: Jedes fünfte Start-up (19 %) befindet sich in Nordrhein-Westfalen. Berlin folgt mit 16 %, dann kommen Baden-Württemberg mit 13 % und Bayern mit 12 %. Auch unter den Start-ups in Deutschland sind Unternehmen aus der Kultur- und Kreativindustrie gut vertreten.
le poids économique des industries culturelles et créatives (ICC) en Allemagne en 2017 Le poids économique des industries culturelles et créatives (ICC) en Allemagne en 2017 | © charlotte-noblet.eu Eine Studie von APUR zu Pariser Start-ups stellte 2015 fest, dass kulturell orientierte Start-ups bei der kreativen Arbeit und ihrer Vermarktung stark auf digitale Technologien setzen. Die häufigsten Beispiele sind der Online-Verkauf von Mode, Designermöbeln und anderen Artikeln aus dem kunsthandwerklichen Bereich; die Erstellung digitaler Bücher für bestimmte Zielgruppen; sowie die Entwicklung und Herausgabe von Online-Videospielen.
Depuis 2013, l’Etat français souhaite fédérer les acteurs engagés autour des startups autour du label la French Tech. Depuis 2013, l’Etat français souhaite fédérer les acteurs engagés autour des startups autour du label la French Tech. | © charlotte-noblet.eu Das Verlagswesen, die darstellende Kunst und Werbeagenturen sind die größten Arbeitgeber im kulturellen Bereich: Sie vereinen laut einer PFI-Studie von Juni 2018 45 % bis 50 % aller kulturell ausgerichteten Arbeitsplätze in Frankreich. „In der Stadt Paris waren 2012 514.000 Personen in Berufen im Zusammenhang mit der Kreativindustrie tätig, was 13 % aller Berufstätigen entspricht. Die kreativen Berufe sind in fünf Jahren um 25.000 Stellen gewachsen und werden in der Wirtschaft insgesamt immer präsenter“, betont Faustine Harzelec von der Pressestelle des Insee unter Berufung auf die Studie. „Sie werden oft von männlichen Führungskräften mit sehr hohen Bildungsabschlüssen besetzt. Ein Viertel der kreativen Berufe wird von Selbstständigen ausgeübt.“

Ich, du, er/sie: Wer sind die Start-upper? 

Das Durchschnittsalter der Start-upper beträgt 35,2 Jahre und 15 % sind Frauen, ebenfalls laut dem Deutschen Startup Monitor 2018, der seine Studie unter 1.500 Start-ups durchgeführt hat. Vier von fünf Start-uppern haben einen Universitätsabschluss, oft in Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Informatik oder Mathematik. 87 % verfügen bereits über Berufserfahrung und 95 % stürzen sich ins Abenteuer, weil sie es als Herausforderung sehen, 87 %, um unabhängig zu sein. Ganze 94 % von ihnen geben an, mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein. 2015 konnte mithilfe einer Studie von APUR unter 763 zufällig ausgewählten Start-ups das typische Profil des Pariser Start-uppers erstellt werden, der sich wenig von seinem Pendant jenseits des Rheins unterscheidet: Pariser Startuper Die Start-upper sind diplomiert, erfahren und ergreifen Initiativen. | Quelle: enquête APUR Ökosysteme im Dienst der Unternehmer

In der gesamten Start-up-Nation entstanden zahlreiche Brutkästen und Talentschmieden. Diese Strukturen inspirieren zu Innovationen und bieten Projektträgern, die ein Start-up aufbauen wollen, Betreuung, Beratungen und ein Profi-Netzwerk. Viele Strukturen sind öffentlich, wie Paris & Co, die größte Anlaufstelle für Start-ups in Paris, die mit einem bedeutenden Teil ihrer Dienste die Kultur- und Kreativindustrie unterstützt, gefolgt von den Ateliers de Paris, Créatis, der Talentschmiede der Gaîté Lyrique und der 104factory.

Hauptsächlich sind die Start-ups in der Kulturförderung/Kommunikation und neuen Medien (26 %), Mode/Design (25 %) und als digitale Herausgeber (21 %) tätig. Unter den Unternehmen, die 2015 von Pariser Talentschmieden beherbergt wurden, waren die Bereiche Videospiele, Musik und Kino mit jeweils 14 %, 12 % et 2 % vertreten. Innovative Start-ups aus der Kultur- und Kreativindustrie belegen etwa 20 % der in Paris verfügbaren Fläche für junge Unternehmen, und voraussichtlich werden sie bis 2020 noch präsenter werden. Die Zusammenarbeit und die institutionelle Partnerschaft zwischen dem öffentlichen und dem privaten Angebot sollte jedoch, den Ergebnissen der APUR-Studie unter Pariser Start-ups aus dem kulturellen Bereich zufolge, weiter ausgebaut werden. Um diese Vernetzung zu ermöglichen, hat der französische Staat dreizehn „Métropoles French Tech“ ausgezeichnet, während der deutsche Staat ein digitales Netzwerk mit zwölf Hubs startete, wobei die zwölf Hubs jeweils auf ein Thema spezialisiert sind.

Die 13 French Tech Metropolen und die 12 Digital Hubs Die 13 French Tech Metropolen und die 12 Digital Hubs | Quelle der Bilder : http://lafrenchtech.com et https://www.de-hub.de

Die Zukunft der Start-ups ist ungewiss

Allen Hindernissen zum Trotz ist Frankreich das europäische Land, in dem die meisten Unternehmen gegründet werden: 2017 entstanden in Frankreich 591.000 Unternehmen, was im Vergleich zu 2016 einen Anstieg um 6,7 % bedeutet. Eine andere Studie des Insee betont jedoch auch, dass fünf Jahre nach der Unternehmensgründung nur noch weniger als ein Viertel der eingetragenen Unternehmer aktiv sind. Der Erfolg eines Start-ups beruht oft auf dem Austausch mit sogenannten „traditionellen“ Wirtschaftsakteuren, die ganz anderen geschäftlichen Regeln folgen. Laut Eurostat werden stark wachsende Unternehmen häufig von Konzernen aufgekauft, die Konkurrenten schlucken oder sich breiter aufstellen wollen. In der Kultur- und Kreativindustrie sind Innovationen insbesondere darauf ausgerichtet, die neuen Technologien „für unsere Bedürfnisse im Alltag nützlich zu machen“. Start-ups verfügen in der Tat über die Flexibilität, ihre Innovationen testen zu können, bis sie an neue Nutzungsarten angepasst sind. Die Zusammenarbeit zwischen Start-uppern und traditionelleren Berufstätigen zeigt sich zum Beispiel in Museen und Schulen im Bereich der Methoden zur Kultur- und Wissensvermittlung.
Tech-Unternehmen im Wachstum Tech-Unternehmen im Wachstum. Erstellung des Siegertreppchens mit Hilfe des Rankings « Europe’s Fastest Growing Companies 2018 » | © charlotte-noblet.eu In Frankreich ebenso wie in Deutschland schätzen ausländische Investoren die Qualifizierung der Arbeitskräfte, die für Innovationen günstigen Ökosysteme, die unternehmerische Dynamik und die Qualität der Infrastrukturen.

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