Helene Hegemann
Alfred Lichtenstein

"Darin spiegelt sich vielleicht auch die Enttäuschung über eine Intensität wieder, die sich nicht und gleichzeitig viel zu sehr eingelöst hat. Die Jungs von früher wollten mit Anfang zwanzig eine Umwälzung der Verhältnisse, mit allem Alten brechen, das starre Europa untergehen sehen zugunsten einer Zukunft, in der alles besser und neu sein würde. Das, was die Überlebenden dann gekriegt haben, vollendet eine Art Sinnbild für etwas, das fast jeder, nicht völlig abgestumpfte Teenager der westlichen Welt durchlebt. Irgendwann geht es nicht mehr um Wut und Langeweile oder darum, durch Rebellion seine Lebensrealität zu optimieren. Wenn man erwachsen wird, geht es ums Überleben, und das hat nichts mit den Idealen zu tun, die einen mal dazu verleitet haben, besoffen großkotzige Statements in die Dunkelheit zu grölen. Manche halten diese Enttäuschung aus. Manche nicht. Und manche sterben zu früh, um mit ihr konfrontiert zu werden."

Helene Hegemann: Alfred Lichtenstein - Final Destination

 

Helene Hegemann / Alfred Lichtenstein © Mathias Bothor / Wikimedia

Helene Hegemann

Helene Hegemann wird 1992 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach dem Tod ihrer Mutter zieht sie nach Berlin zur ihrem Vater Carl Hegemann, zu dem sie lange kaum Kontakt hatte. Dieser war lange Jahre Chefdramaturg an der Volksbühne. In Berlin beginnt sie, regelmässig ins Theater zu gehen. Ihr Leben verändert sich vollständig. Mit 15 Jahren dreht sie ihren ersten Film Torpedo, der mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wird, mit 17 erscheint dann ihr erster Roman Axolotl Roadkill, dessen Veröffentlichung aufgrund des großen Medieninteresses zweimal vorgezogen wird. Helene Hegemann beschreibt darin eine Welt in totaler Auflösung.

(Quelle: DIE ZEIT)


Alfred Lichtenstein

Alfred Lichtentstein wird 1889 in Berlin geboren. Er studiert Jura und veröffentlicht vereinzelt Gedichte, in den Zeitschriften Der Sturm und in Aktion. Durch Jakob van Hoddis' berühmtes Gedicht „Weltende“ (1911) gelangt er zum sogenannten expressionistischen Reihungsstil. Zu seinem Freundeskreis zählen Schriftsteller, Journalisten und Verleger. Seine Texte zeugen immer wieder von der menschlichen Bedrohung, von den Ahnungen einer Weltkatastrophe, die im Falle Lichtensteins mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges schließlich bittere Realität wird. Im Oktober 1913 tritt er in das Zweite Bayerische Infanterieregiment ein und zieht mit ihm bei Kriegsbeginn ins Feld. 1914 fällt er im Alter von 25 Jahren in der Nähe von Reims an der Westfront. Er ruht auf dem deutschen Militärfriedhof in Vermandovillers im Département Somme.

(Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Literaturportal Bayern)