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Alya Sebti

Alya Sebti
© Tomaschko

Alya Sebti, in Marokko geboren, ist Leiterin der ifa Gallery Berlin und kuratierte unter anderem im Rahmen der 13. Dak’Art, Biennale de l’art africain (2018) und der Biennale von Marrakesch (2014). Ihre kuratorische Praxis umfasst nicht nur Ausstellungen wie Carrefour / treffpunkt und Now Eat my Script, Berlin, 2015, sondern ihre Konferenzen und Publikationen beschäftigen sich auch mit der zeitgenössischen Kunstwelt, insbesondere mit dem Format der Biennale, und ihrer zentralen Rolle als interkultureller Begegnungsraum.
Alya Sebti ist Teil des künstlerischen Teams, das das Kernprogramm der Manifesta 13 in Marseille 2020 gestaltet.

1. Haben Sie einen Lieblingsplatz in Marseille? Worin unterscheidet sich Marseille aus Ihrer Sicht von anderen europäischen Städten?

Es ist schwierig einen Ort zu auswählen! Einer meiner Lieblingsorte in Marseille ist das Forschungsinstitut IMéRA  (Institut d'études avancées d'Aix-Marseille, Exploratoire Méditerranéen de l'Interdisciplinarité), das an den Park von Longchamps angrenzt. Meine subjektive Erfahrung mit der Stadt Marseille hat mich eine zutiefst mediterrane und großzügige Stadt erleben lassen, die alle Kulturen, die dort aufeinander treffen, trägt, ohne zu versuchen, sie zu erdrücken oder auszulöschen. Ich hatte das Glück, Momente der Geselligkeit und des Austauschs erleben zu dürfen, die manchmal zutiefst mit der marokkanischen, tunesischen, italienischen und französischen Kultur verflochten waren. Nachdem ich in Paris, Rom und Berlin gelebt habe, liegt der Unterschied, den ich in Marseille habe beobachten können, sicherlich genau in dieser Porosität, in dieser Großzügigkeit und der Verankerung im geografischen Mittelmeerraum, aber auch in dem so besonderen Rhythmus der Stadt.
 
2. Seit 2016 leiten Sie die ifa-Galerie Berlin. Inwiefern haben Sie Ihre Erfahrung als Leiterin der ifa bei der kuratorischen Auswahl der künstlerischen Positionen im Rahmen der Manifesta 13 beeinflusst?


Innerhalb des ifa habe ich ein Forschungs- und Ausstellungsprogramm mit dem Titel "Untie To Tie" ins Leben gerufen, welches auf die Untersuchung kolonialer Strukturen in zeitgenössischen Gesellschaften abzielt. Ich habe dort viele Begegnungen erlebt, die es mir ermöglicht haben, ein Symposium über Restitutionsfragen zu organisieren, das am 12. September in der Vieille Charité in Marseille stattfinden wird. Dieses Symposium ist ein Bindeglied zwischen dem Programm der ifa-Galerie und der Manifesta (an welcher die ifa-Galerie mit dem Programm "Untie To Tie" als Partner beteiligt ist). Was den Vorschlag von Künstlern für die Hauptausstellung betrifft, so gibt es natürlich einige Künstler, die auch am ifa-Programm teilgenommen haben, wie z.B. Yassine Balbzioui, dessen Anwesenheit hier für mich wesentlich war. Aber ich habe auch versucht, die Gelegenheit zu nutzen, um meinen Horizont zu erweitern und neue Begegnungen zu erleben, besonders in Verbindung mit der Forschung, aber auch und vor allem im Gespräch mit meinen Partnern im künstlerischen Team der Manifesta. Ebenso hatte ich die Möglichkeit, die Projekte unglaublicher Teilnehmer zu entdecken und zu verfolgen, was wiederum auch die Gestaltung des kommenden Programms der Ifa-Galerie Berlin beeinflussen dürfte.

3. Das Jahr 2020 hat auch die Kunstwelt in den Krisenmodus versetzt. Welche Momente und Aspekte haben Sie in Hinsicht auf die aktuellen Projekte besonders berührt oder sogar zu einem Perspektivwechsel geführt?

Eine der Begegnungen, die mich besonders beeindruckt haben, war die mit Samia Henni, deren Werk ich über Marina Otero entdeckt habe. Samias Projekt hat sich weiterentwickelt und auf die Erschütterungen durch die Covid-Krise reagiert, und wurde für mich zu einer echten Lebenslektion: Sie suchte zwei Ausdrücke aus dem Covid-Vokabular aus, „systemrelevanter Beruf“ und „Lockdown“, um die Frage zu stellen : „Was passiert, wenn man kein Zuhause hat, in das man eingesperrt werden kann?“ und „Wer sind diese  wesentlichen Arbeitskräfte und wie arbeiten sie, um Menschen zu unterstützen, die in diesen Zeiten kein Zuhause haben?“. So schaute sie Menschen über die Schulter, die sich dafür einsetzten, dass Obdachlose einen Ort für den Lockdown fanden. Dank dieses Projekts durfte ich Biografien von Personen entdecken, deren Handeln das Leben so vieler Menschen grundlegend beeinflusst hat, und gleichzeitig veranlasste mich die (demütige) Bescheidenheit, die sie zum Ausdruck bringen dazu, noch mehr vor Ort zu sein, um mehr Brücken mit Kunsträumen und Momenten konkreten Handelns zu schlagen.

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