Band des Monats
Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi

Käptn Peng und die Tentakel von Delphi
Käptn Peng und die Tentakel von Delphi | © Maxim Abrossimow

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi sind ein Kollektiv zur vertieften Erforschung der sieben Wortmeere. Ihre vielseitige Musik reicht von organischem HipHop über diverse Punk-Rock-Indie-Dubstep-Fusionen bis hin zu schamanischem Trash-Funk.

„Willkommen in den Fängen der Tentakel
Kein Zurück, verschluckt vom Spektakel
Ohne Kompass und ohne Orakel
entfaltet sich vor dir ein diffiziles Debakel
Du hast deine Beine und die Ohren verloren
In deinen Körper beginnen sich Professoren zu bohren
Du kriegst es nich' mehr hin, mich auf den Boden zu holen,
denn der Raum ist gekrümmt und die Zeit ist gebogen “


Mit diesen Worten leiten Käptn Peng und die Tentakel von Delphi den Titel Absolem ihres Debütalbums ein. Es ist nicht das erste Album des 1984 in Berlin als Robert Gwisdek geborenen Käptn Peng und es ist erst recht nicht sein erster Ausflug in die Welt der Kreativität. Als Sohn erfolgreicher deutscher Schauspieler (Corinna Harfouch und Michael Gwisdek) steht er bereits mit 5 Jahren vor der Kamera, studiert und absolviert später den Studiengang Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam, spielt in zahlreichen Filmproduktionen (z. B. NVA von Leander Haußmann oder Renn wenn Du kannst von Dietrich Brüggemann) und erhält dafür zahlreiche Auszeichnungen. Darüber hinaus ist er Buchautor (Der unsichtbare Apfel, 2014) und Hörbuchsprecher.

„HipHop ist ein Araberhengst, der meist von Kameltreibern geritten wird“

Gemeinsam mit seinem leiblichen Bruder DJ Shaban (Johannes Gwisdek, Komponist für Filmmusik) gründet er 2009 Shaban und Käptn Peng. Die beiden liefern mit ihrem Debütalbum Die Zähmung der Hydra (Label Kreismusik) deutschen HipHop, der so gar nicht das ist, was man sich unter diesem Prädikat vorstellen würde: Statt Dicke-Hose-Pose und Ich-bin-der-Größte-Rap gibt es dadaistisch angehauchte, mit Wortspielen gespickte Monologe von Käptn Peng, angerichtet auf liebevoll komponierten elektronischen Beats von DJ Shaban. Die Brüder bilden damit eine Art Antithese zu anderen germanophonen Rappern und beweisen, quasi ganz nebenbei, dass intelligenter deutscher Rap möglich ist. Der Käptn drückt das selbst wie folgt aus: „HipHop ist ein Araberhengst, der meist von Kameltreibern geritten wird“.
Dem anspruchsvollen Publikum gefällt das. Es hat sich mittlerweile im Internet herumgesprochen, dass Shaban und Käptn Peng Qualität liefern und sich von niemandem in eine Schublade zwängen lassen. So kommt bereits ihr erstes Album fast gänzlich ohne Promo und Marketingkampagne aus.


Der Käptn und seine Crew

Ding dong, wir kommen euch besuchen / Wir klingeln an der Tür und bringen euch Rhythmus und Kuchen / Ihr müsst ihn versuchen / wir haben ihn selbst gepflückt / Vom Rythmuskuchenbaum kommt probiert mal ein Stück

Im Jahr 2012 heuern drei weitere Musiker auf des Käptns Boot an und bilden Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi – nach eigenen Angaben ein Kollektiv zur vertieften Erforschung der sieben Wortmeere. Gemeinsam setzen sie die Segel und brechen 2013 auf zur Expedition ins O (Label Kreismusik). Ihr erstes gemeinsames Album liefert Altbewährtes und erschafft dennoch etwas völlig Neues.
Käptn Peng bleibt seinem Stil treu und trägt seine neurotisch-krawallphilosophischen Texte mit lakonischer Stimme vor. Sie erzählen mal stimmungsvoll und ausgelassenen vom Feiern, mal laut und provokant von defizitären gesellschaftlichen Umgangsformen, mal nachdenklich-meditativ vom Leben. Die Themen sind selbstverständlich immer nach peng‘scher Manier verpackt – der Hörer wird auch beim zehnten Hören noch Neues entdecken. Sie nehmen ihn mit auf eine Reise durch die Psyche des Sängers und in die Weiten der deutschen Semantik. Es empfiehlt sich dabei, den Verstand von Zeit zu Zeit abzuschalten, um bei all den philosophischen – z. T. solipsistischen – Betrachtungen nicht den Kopf zu verlieren:

Menschen, schön euch zu sehen / N' Schritt ran, steht bequem / Hände an den Kopf und dann drehen / Abschrauben und das Hirn rausnehmen / Zum Eingang gehen und dem Türsteher geben, / Ihm sagen „viel Spaß, und nicht bewegen" / Kleider aus und an der Bar ablegen / Und dann nackt und ohne Hirn auf die Tanzfläche schweben

Life of Peng - kein Schiffbruch mit Säbelzahntiger

Des Käptns Crew liefert zu seinen Texten den passenden Beat. Wer dort jedoch Synthesizer und Drumcomputer sucht, der sucht vergeblich. Hier findet man nämlich fast ausschließlich Handarbeit („Wir machen alles selber“). Aus herkömmlichen Instrumenten (Gitarre und Kontrabass) und „Alltagsgegenständen“ wie Betonmischtrommel, Geschirr, Bürsten, Fahrradklingeln, Plastikkübeln, Stahlsägen formen Moritz, Boris, Peter und DJ Shaban eine Klangkulisse, die zu den Texten besser nicht passen könnte.
Der Kompass ist bei Käptn Peng und den Tentakeln aber keineswegs mehr nur auf HipHop genordet. Er schlägt in viele verschiedene Richtungen aus und es ist tatsächlich nicht einfach, die Gruppe einem konkreten Genre zuzuordnen. Während Käptn Peng auf Säbelzahntigern reitet, mit Orcas taucht und mit Sockentieren seine Existenz diskutiert, bekommt das geschulte Ohr nämlich vom organischen HipHop, über diverse Punk-Rock-Indie-Dubstep-Fusionen bis hin zu schamanischem Trash-Funk so einiges zu hören.
Expedition ins O ist ein äußerst erfrischendes und gut durchdachtes Album, das man nicht so einfach über die Planke schicken sollte. Die Musik macht auch nach vielfachem Hören noch Spaß, regt teilweise dazu an, eine heiße Sohle aufs Parkett zu legen. Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi legen die geistige und musikalische Latte dabei so hoch, dass niemand den Drang verspüren wird, Niveaulimbo zu tanzen.
 
Diskographie:

Shaban & Käptn Peng
- Die Zähmung der Hydra (2012, Kreismusik)

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi
- Expedition ins O (2013, Kreismusik)
- Alki, Alki – Soundtrack und Käptn Peng-Songs (2015, Kreismusik)
- Live in Berlin (2017, Kreismusik)

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