Margret Hoppe - Südwall

Margret Hoppe Südwall © Margret Hoppe

Dokumentarischer Natur, konzentriert sich die Fotografie von Margret Hoppe auf Orte, die von Kultur, Geschichte und Politik geprägt sind und deren Spuren die Ideologie einer Epoche (vor allem mit der Serie "Les images perdues") oder eines einzelnen Protagonisten offenbaren.

Der Südwall repräsentiert die lange, komplexe und konfliktreiche Geschichte Deutschlands und Frankreichs bis zur Katastrophe der beiden Weltkriege. Diese militärischen Festungen wurden von den Deutschen entlang der gesamten Mittelmeerküste (von Nizza bis Perpignan) errichtet und als Verteidigungsposten gegen die alliierten Streitkräfte genutzt. In Marseille sind diese Bunker noch immer vorhanden, entlang der Küste und auf dem Archipel du Frioul. Die Künstlerin hat sich auch mit der Geschichte von Marseille als Exilstadt beschäftigt. Auf den Spuren von Varian Fry, Gründer des Emergency Rescue Committee , das in Marseille vielen Intellektuellen und Künstlern die Ausreise aus Europa ermöglichte, hält Margret Hoppe die Spuren dieser Figuren fest, die sich durch Marseille die Freiheit erhofften.
 

Die Ausstellung an der Friche la Belle de Mai


© Regie: Benjamin Piat

Diese Ausstellung wurde in Partnerschaft mit Le Garage und mit der Unterstützung von La Friche la Belle de Mai realisiert.
Wir danken ebenfalls der Stadt Marseille und dem Nationalpark Calanques für die Unterstützung.

Pädagogisches Dossier Südwall (Deutsch) | PDF, 2888 KB
Interview Margret Hoppe (Deutsch) | PDF, 155 KB
Interview Laurence Garson (Leiterin des Mémorial des déportations) (Französisch) | PDF, 79 KB

Eine Publikation zur Serie Südwall ist in zweisprachiger Fassung bei Spector Books erschienen.


  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Bildmaterial Südwall Margret Hoppe Marseille 1 © Margret Hoppe

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Bildmaterial Südwall Margret Hoppe Marseille 2 © Margret Hoppe

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Bildmaterial Südwall Margret Hoppe Marseille 3 © Margret Hoppe

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Bildmaterial Südwall Margret Hoppe Marseille 4 © Margret Hoppe

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Bildmaterial Südwall Margret Hoppe Marseille 5 © Margret Hoppe

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Bildmaterial Südwall Margret Hoppe Marseille 6 © Margret Hoppe

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Bildmaterial Südwall Margret Hoppe Marseille 7 © Margret Hoppe

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

  • Ausstellungsansicht Südwall Margret Hoppe Marseille © Geoffroy Mathieu

Zu dem Projekt

Die Küste rund um die französische Hafenstadt Marseille ist felsig, rau und karg. Entlang der kleinen Buchten und Inseln am Mittelmeer lassen sich Reste von Bunkern und Festungen entdecken, die sich mit ihrer abweisenden Materialität und Farbe wie natürlich in die sie umgebende Landschaft integrieren. Diese Anlagen sind Spuren der kurzen deutschen Besetzung Südfrankreichs im Zweiten Weltkrieg, während der die deutsche Wehrmacht ab 1943 in Erwartung einer alliierten Landung eine Reihe von Bunkeranlagen entlang der französischen Mittelmeerküste errichtete - den Südwall. 

Die Leipziger Fotografin Margret Hoppe hat diese Spuren festgehalten und zeitgleich die Rolle Marseilles als Stadt des Exils für Verfolgte des Nationalsozialismus dokumentiert. Anhand dieser zwei Aspekte und fotografischen Serien wird in der Ausstellung Südwall in der Friche la Belle de Mai Marseille die lange, komplexe und konfliktreiche Geschichte Deutschlands und Frankreichs erzählt. 

Die Bunker, heute teils verfallen, teils privat genutzt, fügen sich fast schon „harmonisch“ in die felsige Küste ein. Margret Hoppes Fotografie begreift den Südwall als Verschleierung seiner selbst in einer Landschaft, die schon in ihrer Beschaffenheit Assoziierungen einer Festung hervorruft. Hoppes Bilder dokumentieren die Bunker eingebunden in ihrem geographischen Kontext und gezeichnet von der Geschichte - als Orte, die etwas über ihre Epoche und ihre Protagonisten offenbaren.

Marseille, schon seit Jahrhunderten Stadt der Ankunft und des Abschieds, war während des Zweiten Weltkriegs für viele Verfolgte des Nationalsozialismus das Tor in die Freiheit. Margret Hoppe dokumentiert die Orte des Exils in Südfrankreich anhand der Verstecke, Unterkünfte und  Internierungslager von Menschen auf der Flucht und auf der Suche nach Freiheit.   

Eine dritte, diskrete Erzählachse entfaltet sich in den Vitrinen des Ausstellungsraums, wo Margret Hoppe die Ergebnisse ihrer Recherchen in den städtischen Archiven zur Zerstörung der Stadt durch ihre Besatzer enthüllt. Der Besucher findet dort jedoch nicht die fotografischen Aufnahmen der durch diese zerstörerische Gewalt verursachten Schäden, welche von den Alliierten erfasst wurden, sondern die Inschriften auf der Rückseite der Fotoarchive, die versuchen, das Unbestreitbare in Worte zu fassen, das Verschwinden der Orte des Lebens im Zentrum von Marseille klassifizierbar zu machen.

Aufgrund der Corona-Krise musste die Ausstellung am Tag der Vernissage Anfang März für das Publikum geschlossen werden. Dank der großzügigen Unterstützung der Friche la Belle de Mai konnte die Ausstellung bis Mitte August 2020 verlängert werden. Um die Bilder Margret Hoppes trotzdem ortsunabhängig und interaktiv für eine breite Öffentlichkeit erlebbar zu machen, wurde eine audiovisuelle Dokumentation der Ausstellung realisiert.

(Frithjof Paulsen)

Dokumente

Saaltext Südwall (PDF, 134 KB)
Pressedossier Südwall (PDF, 893 KB)
 

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