Italien-Deutschland
Deutsch-italienische Handelsbeziehungen erzielen Rekorde

Trotz politischer Spannungen: Deutsch-italienische Handelsbeziehungen erzielen seit Jahren Rekorde
Trotz politischer Spannungen: Deutsch-italienische Handelsbeziehungen erzielen seit Jahren Rekorde | Grafik: © Colourbox.de

Italienische Mode und italienisches Essen erfreuen sich wegen Eleganz und hoher Qualität in Deutschland großer Beliebtheit, während Italien gern deutsche Autos mit hohen technischen Standard importiert. Im Unterschied zu derartigen verbreiteten Stereotypen erzählt die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen beider Länder eine ganz andere Erfolgsgeschichte.

Von Bettina Gabbe

Im vergangenen Jahr erzielte der Handel zwischen Italien und Deutschland nach einem Bericht der Deutsch-italienischen Handelskammer zum dritten Mal einen Rekord. „Wir wachsen zusammen“, schloss die Mailänder Interessenvertretung aus dem 2017 um sieben Prozent gewachsenen Austausch. Entgegen der landläufigen Meinung, dass Italien vor allem nach Frankreich und in die USA exportiere, weisen die Statistiken Deutschland mit großem Abstand als wichtigstes Zielland von Exporten aus. Italien stieg in der Rangliste der wichtigsten Empfängerländer deutscher Exporte mittlerweile neben Großbritannien auf Platz fünf auf. „Der Erfolg der italienischen Wirtschaft fußt auf Deutschland als erstem Handelspartner“, betont der Geschäftsführer der Deutsch-italienischen Handelskammer, Jörg Buck.
 
Italienische Ausfuhren nach Deutschland stiegen im vergangenen Jahr um knapp acht Prozent auf knapp 56 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum kletterten deutsche Exporte nach Italien um knapp sieben Prozent auf 65 Milliarden Euro. Der Trend hält den Angaben zufolge seit drei Jahren an. Deutsche Unternehmen rechnen daher mit einem weiteren Wachstum ihrer Aktivitäten in Italien, das trotz Digitalisierung und Automatisierung Arbeitsplätze erhält oder deren Zahl sogar erhöht.
 

Handel mit Italien wächst um 7,2% (Top 5) und schließt zu UK auf. Aus: AKH, März 2018 | Quelle: Destatis, Jan-Dez 2017
Handel mit Italien wächst um 7,2% (Top 5) und schließt zu UK auf. Aus: AKH, März 2018 | Quelle: Destatis, Jan-Dez 2017
Die Handelspartnerschaft wurde in allen Bereichen stark ausgebaut. Aus: AKH, März 2018 | Quelle: Istat, Jan-Dez 2017

Nicht Mode und Food sondern Maschinenbau und Chemie als treibende Kräfte

Für viele überraschend dürften die Bereiche sein, in denen die beiderseitigen Handelsbeziehungen besonders stark sind, denn sie betreffen nur zu einem geringen Teil italienische Mode und Lebensmittel sowie deutsche Autos. Letztere bestehen laut Geschäftsführer der Handelskammer zu siebzig Prozent aus Zulieferungen. Der italienische Anteil übersteige vielfach dreißig Prozent, sagt Buck.
 
Industrielle Sektoren als Treiber – Die deutsch-italienische Partnerschaft ist mehrheitlich industriell geprägt. Aus: AKH, März 2018 | Quelle: Auswertungen GTAI (Germany Trade & Invest) von Daten Destatis, Jan-Dez 2017
Die in aller Welt berühmte Mode macht dagegen nur knapp fünf Prozent der italienischen Exporte nach Deutschland aus. Knapp fünfzig Prozent der Einfuhren entfallen auf die Bereiche, in denen auch Italien aus Deutschland am meisten einführt, darunter Maschinen, Stahlindustrie, Chemie und  Pharmazeutik sowie Elektronik und Elektromechanik. Die Industriepartnerschaft zwischen beiden Ländern basiere mittlerweile auf eng verwobenen Zuliefererketten in beide Richtungen, fasst der Geschäftsführer der Handelskammer die Entwicklung zusammen. So biete die Pharma- und Chemieindustrie ideale Ergänzungen, indem die Basis häufig in Deutschland gefertigt werde, während deutsche Unternehmen in Italien dank der dortigen Hochspezialisierung die Endfertigung übernähmen. „Das funktioniert ideal im Zusammenspiel.“

Handelsdefizit in zehn Jahren halbiert

Spannungen zwischen beiden Ländern aufgrund unterschiedlicher Ansätze im Umgang mit Migrationsströmen und Haushaltsfragen überdecken vielfach den Erfolg der wachsenden wirtschaftlichen Integration. Deutschland wird in Italien immer wieder für den Exportüberschuss kritisiert. Dabei halbierte sich das Handelsdefizit in den vergangenen zehn Jahren von zwanzig auf zehn Milliarden Euro. Aus der engen Verzahnung in den Zuliefererketten zieht Buck den Schluss: „Wenn Deutschland wächst, geht es auch Italien gut.“
 
Wenn Made in Italy eine registrierte Marke wäre, wäre es der weltweit drittstärkste Brand, stellt Buck fest. Hohe Exportanteile in Maschinenbau und Elektrotechnik widerlegen die verbreitete Auffassung, dass es in Italien nur Mode und Nahrungsmittel als Exportschlager gibt.
 
In den vergangenen zehn Krisenjahren konnten sich in Italien vor allem die Unternehmen behaupten, die sich internationalisierten und ihre Exporte ausbauten. Zwischen zwanzig und dreißig Prozent der Firmen ist laut Handelskammer auf diesem Weg. „In diese Richtung muss die italienische Wirtschaft weiterentwickelt werden“, fordert Buck unter Hinweis darauf, dass italienische Exporte nach Deutschland im Vergleich zu deutschen Importen überproportional anstiegen.

Internationalisierung und Ausbau von Exporten gefordert

Um vom derzeitigen Aufschwung besser zu profitieren, müssten italienische Unternehmen sich weiter internationalisieren, heißt es in dem Bericht über die beiderseitigen Handelsbeziehungen. Der Fachkräftemangel könne durch bessere Ausbildungsmöglichkeiten behoben werden.
 
Für beide Länder gilt demnach, dass die deutsch-italienische Partnerschaft Kern einer europäischen Handelspolitik mit Frankreich sein muss. Gleichzeitig wirbt die Handelskammer für offene Märkte. Die italienische Regierung müsse „jede wirtschafts- wie handelspolitische Entscheidung gründlich abwägen: isolationistische Maßnahmen sind gefährlich“.

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