Künstliche Intelligenz
KI, Robotik und Kreativität in Lyon

Ein Roboter vom Typ NAO 6 sitzt cvor einem Bücherregal
Roboter Gaia | © Ulrich Fügener, Goethe-Institut

Im Rahmen des vom Goethe-Institut koordinierten Projekts "Generation A - Robots in Residence" beschäftigte sich eine Gruppe von Studierenden des INSA Lyon mit GAIA, einem Roboter vom Typ NAO, um ihre kreativen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Dies war gleichzeitig auch die Gelegenheit, um uns einige faszinierende Fragen über unsere Beziehungen zur Technologie zu stellen sowie über den Platz, den diese in unserem Leben einnimmt, da Roboter, 3D-Drucker, Drohnen und künstliche Intelligenz zunehmend für das künstlerische Schaffen eingesetzt werden.

Im Mai 2021 konnten zwei Klassen von Studierenden des dritten Studienjahres in Informatik und Telekommunikation am Institut National des Sciences Appliquées in Lyon diese Fragen angehen, indem sie GAIA bei sich aufnahmen, einen Roboter vom Typ NAO 6, der im letzten Jahr seine Europatournee begann, um sich bei jeder Etappe immer mehr Fähigkeiten anzueignen. GAIA ("Generazione Algoritmo Intelligenza Artificiale" auf Italienisch) startete in München, wurde in Rom getauft und setzte dann ihre Reise fort bis zu uns hier in Lyon. Die digitale Technologie - und auch die nachhaltige Entwicklung - stehen im Mittelpunkt der Ausbildung am INSA, aber diese Initiative ist umso origineller, da diese Einführung in die Roboterprogrammierung und in die Künstliche Intelligenz im Rahmen eines Deutsch-Kurses angeboten wurde (auch wenn Interdisziplinarität eine der Qualitäten des Geisteswissenschaftlichen Zentrums des INSA ist). Da NAO-Roboter streng genommen nicht in die Kategorie der KI fallen, war dies hauptsächlich eine praktische Übung, die verschiedene Fähigkeiten und Disziplinen zusammenbrachte, um die kreativen Möglichkeiten von GAIA zu testen. Dadurch, dass sie den Sketch eines YouTubers nachspielten, in dem eine Maschine und ein Mensch versuchen, sich zu verstehen, konnten sich die Teilnehmer*innen mit dem Programmieren beschäftigen und gleichzeitig auch über die Probleme und Herausforderungen des Zusammenlebens mit Maschinen nachdenken. Dabei wurden sie von der transdisziplinären Künstlerin Rocio Berenguer begleitet und von Christian Wolf, Dozent für Informatik und Spezialist für KI am INSA Lyon, für die wissenschaftlichen und technischen Aspekte. Zum Programm gehörte auch ein Tanzworkshop mit Maïssa Barouche zum Thema Popping - Tanzen wie ein Roboter.

© Goethe-Institut. Video: Max Teste

Ist KI kreativ?

Die Künstliche Intelligenz hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. Die Lernmethoden (machine learning), die vom biologischen Modell inspirierte Theorie algorithmischer neuronaler Netze hat diesen Bereich stark weiterentwickelt. Künstliche Intelligenz funktioniert durch Lernen gestützt auf eine Datenbank, indem Lagen von Wissen kreiert werden, die sich zum vorher Erlernten hinzufügen. Es ist wie bei uns: Je mehr die Künstliche Intelligenz lernt, desto mehr Fähigkeiten entwickelt sie. In diesem Falle ist es die Fähigkeit, Kunst produzieren zu können. Diese Themen sorgen regelmäßig für Schlagzeilen: KI als Malerin, deren Werke sich auf dem Kunstmarkt verkaufen, KI als Musikerin, die im Stil der Beatles komponiert, KI als Träumerin (Google Deep Dream) et même KI als Straßenkünstlerin. Doch kann Künstliche Intelligenz wirklich kreativ sein? Oder ist es einfach nur Nachahmung? Und ist in diesem Fall die Reproduktion der menschlichen Fähigkeit, Kunst zu produzieren, "Kreation" im eigentlichen Sinne?

Kreation zwischen Kunst und Wissenschaft

Parallel zu den wissenschaftlichen Fortschritten bedienen sich viele Künstler*innen nun der KI-Technologien. Einige arbeiten sogar mit Forscher*innen zusammen, um originelle Werke zu schaffen, aber auch um philosophische, ethische und gesellschaftliche Fragen bezüglich unserer Beziehung zu den Maschinen anzusprechen, indem sie sich die Zukunft unserer Evolution an deren Seite vorstellen. Dies ist der Fall von Rocio Berenguer mit IAgotchi, einem Werk, das einen neuartigen Dialog zwischen Mensch und digitalem Hybrid organischen Aussehens darstellt. Wie alle KIs lernt auch IAgotchi aus seinen Gesprächen mit Menschen. Als exemplarisches Kunst- und Wissenschaftserlebnis veranschaulicht diese Arbeit sowohl die Art und Weise, wie sich heutige lernende Maschinen ihr Wissen aneignen, als sie auch die Frage nach der Andersartigkeit und unserer Beziehung zu technologischen Objekten stellt.

Wissenschaft auf dem Prüfstand der künstlerischen Fantasie

Für seine Arbeit Speculative Artificial Intelligence ließ sich der deutsche Künstler Birk Schmithüsen von der aktuellen Forschung im Bereich der maschinellen Sprache inspirieren, die auf das das Verhältnis zwischen KI-Forschungstechnologien und künstlerischem Schaffen eingeht. Hierbei führen zwei künstliche Intelligenzen einen Dialog mit Hilfe eines Vokabulars gängiger Begriffe, die in Ton- und Bildsignale übersetzt sind, indem sie sich gegenseitig Töne und Bilder senden. Worüber tauschen sie sich aus? Wir wissen es nicht wirklich. Sie reagieren zwar auf die Anwesenheit von Menschen um sie herum, aber alles bleibt sehr mysteriös. Wie wir sehen, ist die künstlerische Vorstellungskraft sehr nützlich, um Standpunkte zu wechseln und alternative Szenarien rund um die Technologie zu erfinden.

Zum Schluss möchten wir noch ergänzen: als Joris Mathieu (Autor, Regisseur und Leiter des Théâtre Nouvelle Génération in Lyon) 2017 Artefact, ein Stück für 3D-Drucker und Industrieroboterarme, kreiert, dies nicht nur eine kühne Idee ist, sondern auch eine Gelegenheit bietet, einen anderen Blick auf Maschinen und Technologie zu werfen. Wenn wir eine Künstliche Intelligenz sehen, die davon träumt, Theater zu machen, oder einen Roboter, der Shakespeare zitiert, können wir uns nur fragen, ob die Fähigkeit, Kunst zu schaffen, tatsächlich nur eine menschliche Eigenschaft ist? Was wird aus der Menschheit werden und was wird uns als Spezies auszeichnen, wenn eines Tages Maschinen zu Empathie, Emotionen und, warum nicht… Kreativität fähig sein werden?

Veranstaltung des Goethe-Instituts: Im Rahmen der Lyoner Etappe von "Generation A - Robots in Residence" fand am Donnerstag, 27. Mai 2021 um 19:00 Uhr eine Diskussionsrunde statt, bei der sich Rocio Berenguer, Christian Wolf (Dozent für Informatik am INSA Lyon und Spezialist für KI) sowie der Autor, Dramaturg, Regisseur und Leiter des Théâtre Nouvelle Génération (CDN von Lyon) Joris Mathieu über die Möglichkeiten und Grenzen künstlerischen Schaffens durch - und/oder mit - Maschinen ausgetauscht haben.