Samedis du cinéma allemand Stau – Jetzt geht’s los

Ein Jugendlicher sitzt auf einer Parkbank Foto: © Thomas Heise

Sa, 16.02.2019

Cinéma L'Arlequin

76 rue de Rennes
75006 Paris

Die DDR nach ihrem Ende, 30 Jahre später

Regie: Thomas Heise, Deutschland, 1992, OmU, 85 Min.

Im Roxy, einem Betonwürfel in Halle-Neustadt, hört man junge Menschen schreien: „Sieg Heil!“ und „Jetzt geht’s los!“ Der Feind ist klar: Autonome, Ausländer, Zigeuner. Alles andere ist unklar: Alte Werte, Rechte, Pflichten, Vorbilder und Verbote sind umgeworfen und einer zweifelhaften Freiheit gewichen. Sie trinken an gegen die Ungewissheit, niemand will ein Verlierer sein.

Und was wollen sie? Thomas Heise fragt nach. Ronny hat fünf Geschwister, er versucht den Dialog mit seinen Eltern, aber sie verstehen ihn nicht. Holli erzählt, wie er ein Rechter wurde und wie seine Mutter starb. Matthias ist der Jüngste, sein Traum wäre ein Harem und Konrad bäckt gern Kuchen.
Das Klischee stimmt, und es stimmt nicht.

Der Film begleitet fünf rechtsextreme Jugendliche aus der einstigen sozialistischen Mustersiedlung mit der Kamera in einer Zeit, die für viele Menschen von großer Verunsicherung geprägt war. Heises Film stellt die Jugendlichen in ihren familiären Bindungen, bei der Arbeit und in der Freizeit vor. Er forscht in langen Interviews nach den Ursachen ihrer politischen Orientierung und verzichtet dabei auf einen einordnenden Kommentar oder wertende Aussagen. Kurz nach dem Ende der DDR und lange vor der Mordserie des NSU wird Heise damit zu einem wichtigen Chronisten unserer Zeit.
 
Einführung von Matthias Steinle, Dozent an der Universtität Paris III Sorbonne Nouvelle, Co-Autor des Buches La RDA et la société postsocialiste dans le cinéma allemand après 1989 (Die DDR und die post-sozialistische Gesellschaft im deutschen Kino nach 1989), erschienen im Septentrion Verlag, 2018.

Zurück