Kino Ökozid, Andres Veiel

Ökozid, Andres Veiel © Julia Terjung

Sa, 28.05.2022

15:30

Cinéma Star

Wochenende des europäischen Films

Im Rahmen des Wochenendes des europäischen Films und des 60. Jahrestages der Städtepartnerschaft zwischen Straßburg und Stuttgart präsentiert das Goethe-Institut gemeinsam mit der Stadt und der Eurometropole Straßburg den Film Ökozid von Andres Veiel (1959, Stuttgart), der für seine Dokumentarfilme (Blackbox BRD, Die Spielwütigen) bekannt ist. Diesmal wechselt der Regisseur das Genre und bewegt sich gekonnt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Dokudrama und Dokufiktion.

Inhalt:
Man schreibt das Jahr 2034. Die Folgen des Klimawandels sind dramatisch. Dürre und Hochwasser haben bereits die Lebensgrundlage von Millionen Menschen vernichtet, und nach der dritten Sturmflut in Folge musste der Internationale Gerichtshof im Haag provisorisch nach Berlin übersiedeln, wo die Klimakatastrophe zum Gegenstand eines Aufsehen erregenden Gerichtsverfahrens wird.
Zwei Anwältinnen (Nina Kunzendorf und Friederike Becht) vertreten die Schadensersatzklage von 31 Ländern des globalen Südens gegen die Bundesrepublik Deutschland. Es geht exemplarisch um Fragen der ökonomischen und ökologischen Verantwortung der entwickelten Nationen sowie das Recht der Natur auf Unversehrtheit. Drastischer formuliert: Es geht um die Frage, ob und wie die Weltgemeinschaft sich in die Pflicht nehmen lässt, die Lebensgrundlage von Teilen ihrer Mitglieder verlässlich zu garantieren.
Ranghohe Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Industrie werden als Zeuginnen und Zeugen geladen. Das Gericht muss entscheiden, ob die deutsche Politik für ihr Versagen beim Klimaschutz zur Verantwortung gezogen werden kann, was einen brisanten Präzedenzfall schaffen würde.
Die Klägerstaaten reklamieren, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht nur über Jahrzehnte die völkerrechtliche Pflicht verletzte, einer Erhöhung der CO₂-Konzentration entgegenzuwirken sondern zusätzlich alle europäischen Klimaschutzvorgaben nach Kräften aufgeweicht und blockiert hat. Auf der Anklagebank sitzt also die BRD der Jahre 1990 bis 2020 - verkörpert durch die 80-jährige Angela Merkel (Martina Eitner-Acheampong). Dass der Mitangeklagte Gerhard Schröder sich entschuldigen lässt, weil er in Russland zur Kur weilt, ist ein kleines Detail, welches den Humor, die kühle Rationalität und auch die Detailversessenheit dieses Science-Doku-Fiction-Spiels erahnen lässt…

Kritik: „Veiel inszeniert kein Tribunal ‚Gut gegen Böse‘, sondern ein rhetorisches Ringen zwischen dem soliden, von Standortinteressen geleiteten bundesdeutschen Pragmatismus und globaler Moral. Viele Halbtotalen, weniger Nahaufnahmen. ‚Ökozid‘ will nicht suggerieren, sondern zur Debatte stellen.“ (Die Tageszeitung, 18.11.2020)


In Zusammenarbeit mit der Stadt und der Eurometropole Straßburg (Abteilung Film und Audiovisuelles, Direktion für europäische und internationale Beziehungen, Mission Climat)

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