Projekt Cities on the Edge

La Friche La Belle de Mai © Caroline Dutrey | La Friche La Belle de Mai

So, 01.01.2017 -
Mo, 31.12.2018

La Friche La Belle de Mai

Neues Projekt zwischen Marseille, Neapel und dem Ruhrgebiet

Beschreibung und Ziele

Das Projekt „Cities on the Edge“ soll zur Vernetzung, Internationalisierung und Qualifizierung kultureller Akteure, die mit benachteiligten Jugendlichen arbeiten, beitragen. Im Mittelpunkt des Projektes steht der trilaterale Austausch (deutsch-französisch-italienisch) zum Thema der kulturellen Bildung, um innovative und v.a. nachhaltige Projektansätze zu entwickeln. Im Anschluss soll eine künstlerische Produktion realisiert werden. Dabei wird den teilnehmenden Jugendlichen durch das eigene Schaffen von Kunst ein Zugang zu kulturellen Themen eröffnet. Am Ende soll ein deutsch-italienisch-französisches Handbuch zur kulturellen Arbeit mit Jugendlichen in erschwerten Lebensverhältnissen publiziert werden.
 
Die Kooperation mit anderen Strukturen ist für die örtlichen Strukturen genauso gewinnbringend, wie die Vernetzung mit den so genannten Problemvierteln durch die neuen Partner und die Erweiterung der pädagogischen Kompetenzen des Instituts durch den Austausch der Praktiken zwischen Deutschland, Frankreich und Italien. Die angestrebte Qualifizierung, Internationalisierung und Vernetzung von Partnern ist als produktives Konzept auch für zukünftige Projekte gut anwendbar.
 
Durch das Projekt bekommen die jeweiligen lokalen Strukturen die Möglichkeit, sich mit den anderen Partner des Projekts auszutauschen: Strukturen mit den gleichen Zielen, Herausforderungen und Engagements, die aber kaum über den lokalen oder nationalen Kontext bekannt sind.
 
Warum Marseille und Neapel?
 

Die beiden Städte Neapel und Marseille liegen am Rand ihres jeweiligen Landes, der Europäischen Union, des Kontinents und der öffentlichen Aufmerksamkeit. Als Hafenstädte charakterisiert sie ihre Nähe zu Nordafrika aber auch soziale Probleme wie ein extremes soziales Gefälle, eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und Kriminalität. Nichtsdestotrotz werden vor Ort Themen verhandelt, die auch für den Rest Europas Relevanz haben. Kulturelle Akteure vor Ort kämpfen mit stetig abnehmenden Mitteln für Kultur und der zunehmenden Gefahr der Radikalisierung gesellschaftlicher Schichten, sei es auf politischer oder religiöser Ebene.
 
Für das Großprojekt „europäische Kulturhauptstadt 2013“ flossen viele öffentliche und private Gelder in die Stadt Marseille, vor allem in Infrastruktur und Erscheinungsbild. Doch der Norden von Marseille wurde bei der Planung und Umsetzung des neuen „Marseille Méditerranée“ nahezu gänzlich ignoriert und ist über Jahre immer tiefer in den Ruf geraten, ein Sumpf aus Drogen, Hoffnungslosigkeit und hoher Arbeitslosigkeits- und Kriminalitätsrate zu sein. Les quartiers nord wurden über Jahre durch Staat und Medien, aber auch durch einen breiten Anteil der Bevölkerung außerhalb dieser Gebiete zu No-Go-Areas erklärt, deren Betreten eine unüberschaubare Gefahr darstellt. Dieser dämonisierende Umgang mit den Problemvierteln schlägt sich darin nieder, dass der Norden als Konsequenz von vielen Seiten verloren gegeben worden ist. Trotz oder vielleicht gerade wegen des Mangels an staatlicher Hilfe haben sich in den nördlichen Bezirken verschiedenen Strukturen herausgebildet, die sich für eine Stärkung des Nordens auf kultureller, sozialer und politischer Ebene einsetzen.
 

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