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Berlinale-Blogger 2020
„White Riot“: Wut und Hoffnung angesichts strukturellen Rassismus

„White Riot“ von Rubika Shah
„White Riot“ von Rubika Shah | © Syd Shelton

Zwei Tage, bevor ich nach Berlin flog, ermordeten Rechtsradikale in Hanau neun Menschen in einem grauenhaften Anschlag. Die Berlinale war im Unterschied zu dieser brutalen, rassistisch motivierten Tat ein sichererer Hafen - ich habe mich gefreut, dass sich so viele Filme mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt haben. So wie Rubika Shas White Riot. Ihre Dokumentation befasst sich mit Rock Against Racism, einer Gruppe, die es sich in den siebziger Jahren zur Aufgabe machte, die britische, rechtsnationale Partei National Front von ihrem politischen Podest zu stoßen.

Von Neelam Tailor

Wenn wir uns mit Geschichte auseinandersetzen, hilft es uns, die Gegenwart zu begreifen. Leider scheinen wir nicht aus den Fehlern früherer Generationen zu lernen. Seit fünfzig Jahren befinden wir uns auf einem kapitalistisch geprägten, wiederkehrenden Pfad, der Menschen, die nicht eine weiße Hautfarbe besitzen, gefährdet und zurücklässt. "Obwohl diese Dinge vor vierzig Jahren geschahen, fühlt es sich leider so an, als ob sie auch heute noch passieren können", bedauerte Rubika Shah im Q&A gegenüber dem Publikum. Und wir alle nickten traurig. Der Film löste eine Wut in mir aus und ich war nicht allein. Eine Zuschauerin sagte, dass sie vor Wut zitterte, nachdem sie die Dokumentation gesehen hatte.
 
Aber zum Glück brachte uns Shah ein bisschen Hoffnung. Wie beruhigend es doch ist, wenn man sieht, wie eine Basisbewegung so einen großen Erfolg hatte. Überall in Großbritannien konnte Rock Against Racism Verbündete gegen die National Front bewegen. Die Partei verlor in der Wahl 1979 alle ihre Sitze. Das war der große Moment der Bewegung. Shah sprach im Q&A nach dem Film über die verschiedenen Jugendbewegungen und forderte die jungen Zuschauer*innen dazu auf, sich in Deutschland zu engagieren und eine eigene Bewegung zu gründen.

Die Macht der Musik


„White Riot“ von Rubika Shah „White Riot“ von Rubika Shah

Ein Grund, warum der Film so große Emotionen hervorruft, liegt sicherlich auch am aufrüttelnden Soundtrack - der britische Punk wurde damals zum Sprachrohr der Aktivist*innen. Ich konnte mit Punk nie viel anfangen, aber White Riot macht mich darauf aufmerksam, was für einen großen Einfluss das Genre auf die Anti-Rassismus-Bewegung hatte. Ich möchte jetzt mehr über Punk und seine Botschaften erfahren.

Der Filmstil reflektiert den damaligen Aktivismus


Im Film werden die Interviews mit den damaligen Aktivist*innen von Rock Against Racism zum Teil einer großen Collage, die wie eines der Magazine wirkt, die die Organisation damals veröffentlichte. Die Gruppe erinnert in den Gesprächen an ihr damaliges Fanzine Temporary Hoarding, das veränderte, wie Musiker*innen und Fans die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten wahrnahmen. Das Fanzine brachte die manchmal gegensätzlichen Genres Reggae, Funk, Soul, Jazz und Punk zusammen. In ihrer Filmcollage platzierte Rubika Shah noch nie gezeigte Aufnahmen von The Clash und Misty in Roots. Diese Art der Stilisierung brachte uns die Geschichte auf eine sehr kreative Art näher.
 
White Riot zeigt, wie die Bewegung langsam wuchs. Sie startete mit fünf Menschen und endete mit Aufnahmen vom legendären Marsch, auf dem 100.000 Demonstrierende 1978 fast zehn Kilometer durch London marschierten und sich dann im Victoria Park zum mittlerweile berühmten Konzert von The Clash versammelten. Rubika Shah gelingt es, uns mit der in die Vergangenheit gerichteten Linse auf aktuelle gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Ich bin schon sehr gespannt auf ihre weiteren Filme.

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