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Berlinale-Blogger 2020
Abstrakte Filme über Minderheiten: Zu verwirrend für Neulinge?

„Matata“ von Petna Ndaliko Katondolo
„Matata“ von Petna Ndaliko Katondolo lief im Forum Expanded der Berlinale 2020 | © Alkebu Film Production/Nottingham University

Experimentalfilm und abstraktes Kino haben mich immer fasziniert, aber ich wusste nie, mit was ich anfangen sollte. Die Berlinale widmete dem abstrakten Kino zwei Sektionen - das Forum und Forum Expanded. Ich war gespannt, zum ersten Mal unkonventionelle Filme zu sehen, und ich suchte mir zu diesem Zweck Untitled Sequence of Gaps und Matata aus.

Von Neelam Tailor

Matata nutzte Bewegung und Tanz, um die Geschichte von Kolonialisierung und der Repräsentanz von Afrika zu beleuchten. Die Leidenschaft und die Emotionen machten es einfacher, sich darauf einzulassen, aber es gab keine Struktur und auch keinen Plot. Und so fiel es wiederum schwer, dem Gesehenen einen Sinn zu geben. Man sollte sich wahrscheinlich innerlich darauf vorbereiten, einen Experimentalfilm anzuschauen und sich darauf besinnen, gewohnte Denkmuster zu verlassen.

„Matata“ von Petna Ndaliko Katondolo „Matata“ von Petna Ndaliko Katondolo

Untitled Sequence of Gaps huschte zwischen Heatmaps, bunten Blitzen, einer Nahaufnahme von Popcorn in der Mikrowelle und Szenen von Hexenverbrennungen hin und her. Begleitet wurden diese Bilder von den Stimmen der Filmemacher*innen, aber es war sehr schwierig, ihre poetischen Botschaften zu verstehen. Die Ästhetik gefiel und machte neugierig, aber am Ende gab es im Publikum ein Gefühl von Aufsplitterung, da es vielen schwerfiel, die genaue Botschaft des Films zu ergründen. Ich bin mir sehr bewusst, dass ich vielleicht nicht das Wissen habe, um den Film zu verstehen. Einige im Publikum hatten jedenfalls keine Probleme mit dem Querdenken, das zum Verständnis von abstrakten Kino nötig ist. Untitled Sequence of Gaps forderte einen auf, über den Tellerrand hinauszuschauen, denn der Film lieferte seine Botschaft nicht gerade auf dem Silbertablett.

Verwirrung und wissendes Nicken


Wenn man sich das Programm der Experimentalfilm-Sektion anschaute, handelten viele Filme von den Problemen, mit denen Minderheiten zu kämpfen haben. Es schienen viele Menschen im Zuschauerraum, die sich zum ersten Mal solche Filme anschauten. Das Publikum teilte sich in diejenigen, die verwirrt aussahen und denjenigen, die wissend nickten. Erst das Q&A brachte mir Aufschluss über die Aussage des Films, obwohl ich mir während des Schauens genügend Gedanken gemacht hatte. Vielleicht sollte man die Filme einfach auf sich wirken lassen und gar nicht so viel darüber nachdenken. Die Kraft von Experimentalfilm liegt wohl in seiner Doppeldeutigkeit.

„Untitled Sequence of Gaps“ von Vika Kirchenbauer „Untitled Sequence of Gaps“ von Vika Kirchenbauer

Abstrakter Film als Katharsis?


In dem Q&A von Vika Kirchenbauer, die für Untitled Sequence of Gaps verantwortlich ist, fand ich heraus, dass der Film Gedächtnisverlust und Queerness beschreibt. Es wurde aber beim Q&A klar, dass viele Leute im Publikum eine ganz andere Interpretation als die Filmemacherin für sich gefunden hatten. Ich sehe ein, dass die Doppeldeutigkeit von Experimentalfilmen es eher ermöglicht, dass man seine eigenen Erfahrungen bei der Analyse projiziert und das kann auch sehr reinigend sein. Auch wenn ich Zweifel an der Wirkung von abstraktem Kino habe, respektiere ich die Kunst, die dahintersteckt. Ich werde dem Experimentalfilm also weiterhin eine Chance geben.

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