Wigan

  • Wigan 1
    © Sebastian Wells
  • Wigan 2
    © Sebastian Wells
  • Wigan 3
    © Sebastian Wells
  • Wigan 4
    © Sebastian Wells
  • Wigan 5
    © Sebastian Wells
  • Wigan 6
    © Sebastian Wells
  • Wigan 7
    © Sebastian Wells
  • Wigan 8
    © Sebastian Wells
  • Wigan 9
    © Sebastian Wells
  • Wigan 10
    © Sebastian Wells
  • Wigan 11
    © Sebastian Wells
  • Wigan 12
    © Sebastian Wells

Als George Orwell 1936 ins industrielle Nordengland fährt, um sich ein Bild von den Lebens- und Arbeitsverhältnissen der Bergarbeiter zu machen, taucht er für etliche Wochen tief in den Alltag der working class ein und versucht er mit viel Empathie zu verstehen, warum ausgerechnet dort nur wenige Menschen sozialistische Ideale befürworten, obwohl diese gerade den Arbeitern helfen sollten. Im Laufe seiner Recherche baut er viele Vorurteile ab, erkennt aber umso mehr die Brutalität der Klassenunterschiede. Er bündelt all seine Erfahrungen in seiner bekannten Sozialreportage, "Road to Wigan Pier" (1937), benannt nach einer längst nicht mehr existenten Anlegestelle (Pier) einer Kleinstadt westlich von Manchester, die nach wie vor auf den Rahmenplänen in Wigans Schulen steht.

An die einstige Industriewelt der 30er Jahre erinnern in Wigan acht Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des Buches nur noch wenige Ruinen: Aus den meisten Kohlefeldern wurden idyllische Baggerseen oder gepflegte Golfplätze und statt der Arbeiterslums prägen die üblichen englischen Backstein-Wohnhäuser das Stadtbild. Heute wohnen in Wigan noch immer überwiegend Engländer, die man der working class zurechnet. Innerhalb der Metropolregion "Greater Manchester“ fiel die Stadt mit den mit Abstand meisten "Leave"-Stimmen beim Brexit-Referendum auf, beinahe 64% stimmten für den Austritt aus der EU. Was ist übrig von der Arbeitermentalität? Sind Orwells Erkenntnisse über Klassenunterschiede und den Sozialismus nicht erschreckend aktuell? Ein Ortsbesuch.


Sebastian Wells © Uli Kaufmann Der Künstler

Sebastian Wells, geboren 1996 in Königs Wusterhausen, lebt und arbeitet als freier Fotograf in Berlin und studiert seit 2015 Fotografie an der Ostkreuzschule.

www.sebastianwells.de

@wells_sebastian