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Ivana Sajko, Kroatien
XTC: Complicated game

Autorin und Dramaturgin Ivana Sajko sieht „Complicated Game“ als einen Song über die Sinnlosigkeit von Entscheidungen, der gleichzeitig einen Appell an uns alle stellt. 

Von Ivana Sajko

Der Song „Complicated Game“ erschien in dem Album „Drums and Wires“ (1979) der englischen Band XTC, die die Einflüsse von frühem Punk, Dub, Pop und New Wave zusammenbringen wollte. Ursprünglich war „Complicated Game“ das letzte Stück des Albums; eine Zusammenfassung mit viel Power, die allen anderen Songs die fatalistische Intonation gab. Als ich während meiner Gymnasialzeit das Album hörte, hatte ich nie die Geduld, auf den letzten Track zu warten, sondern wollte ihn am liebsten zuerst hören.

 



Andrew Partridge hat den Song geschrieben und gespielt. Er versuchte, einen „großen Song über die Sinnlosigkeit“ zu komponieren, der den Zustand der völligen Nutzlosigkeit individueller Entscheidungen darstellt. Der Text beginnt mit einem geflüsterten, belanglosen Zögern „Soll ich den Finger nach links legen?" oder „Soll ich den Finger nach rechts legen?" Die Antwort lautet, dass es ganz egal ist, weil „jemand anders kommen und ihn bewegen wird.“

Das unbedeutende Zögern wächst allmählich zum großen Zweifel an demokratischer Entscheidungsfindung: „Ein kleiner Junge hat mich gefragt, ob er links wählen soll? Ein kleiner Junge hat mich gefragt, ob er rechts wählen soll? Und es endet im lauten Schluss, der sich auf Gott selbst bezieht. Hier hallt Partridges Stimme schreiend mit dem ultimativen Argument, faul und bewegungslos zu bleiben: „Gott hat mich gefragt, ob er seine Welt zur Rechten stellen sollte? Nein, habe ich gesagt, es ist nicht wirklich wichtig, wohin du deine Welt stellst“. Wieder aus denselben Grund für dasselbe komplizierte Spiel, das uns die Illusion gibt, unsere Entscheidungen wären wichtig. „Wir glauben, wir hätten Input“, sagte Partridge in einem Interview, aber eigentlich „machen wir uns nur selbst etwas vor.“

Ich entdeckte „Complicated game“ als ich noch ein Teenager war. Der Song gibt meine Frustration darüber wider, dass ich mich nicht selbst entscheiden konnte, aber auch die Wut, dass ich der fröhlichen, unbekümmerten Jugend beraubt wurde, die ich mir vorgestellt hatte, als der Krieg in Ex-Jugoslawien ausbrach.

Im Laufe der Jahre änderte sich mein Musikgeschmack, aber neulich höre ich diesen Song wieder und ich war überrascht, wie leicht ich diese „große Sinnlosigkeit“ wiedererkannte, die er ausdrücken wollte. Es war die Sinnlosigkeit des gesellschaftlichen Handelns, die sich auf politische Entscheidungen und politische (Un-)Möglichkeiten beschränkte und die Sicht auf unsere Zukunft (und unserer Rettung) einengte.

Es beschreibt die Krise demokratischer Verfahren, die Krise von heute, die Krise in Europa und die Situation, in der klar wurde, dass es nicht ausreicht, sich für links oder rechts zu entscheiden. Die Herausforderungen von heute erfordern mehr. „Complicated game“ spricht von der Gesellschaft, die dringend neue Wege für ein individuelles Engagement in der Welt finden muss, denn selbst die Taten Gottes sind nicht stark genug, um zu entscheiden, in welche Richtung sich unsere Welt bewegt. Der alte XTC-Song handelt von der Sinnlosigkeit der Entscheidungen und lädt uns eigentlich dazu ein, endlich eine Entscheidung zu treffen, einen Schritt zu unternehmen um dort zu handeln, wo es wirklich wichtig ist.
 

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