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Javier Gomá Lanzón, Spanien
Joan Manuel Serrat: Mediterráneo (1971)

Wiederholt wurde er zum besten spanischen Popsong aller Zeiten gekürt: Mediterráneo. Die Gefühle, die der Song bei Javier Gomá Lanzón hervorruft, haben sich im Laufe der Zeit verändert - ebenso wie die Botschaft, die das Lied in Bezug auf die EU transportiert.

Als 1971 Joan Manuel Serrats Album "Mediterráneo" mit dem legendären gleichnamigen Lied erschien, waren es noch vier Jahre bis zum Tod des Diktators Franco. Und doch brachten das Lied mit seinem Rhythmus, die lebendige Stimme des jungen Sängers und der eindrucksvolle Text und dessen sinnliche Bilder - das Blau des Meerwassers, das Rot des Sonnenuntergangs, der salzige Geschmack der Haut, die erste Liebe, das Spiel, der Wein, sein Grab eines Tages zwischen Strand und Himmel - bereits einen Hauch von den unmittelbar bevorstehenden Freiheiten. Und nicht nur, weil es von der Freiheit sang, wie so viele andere politische Lieder jener Tage, sondern wegen etwas viel Beachtenswerterem: weil es ein freies Lied, ebenso wie ein schönes Lied, war. Und das ist es immer noch fast fünfzig Jahre später. In diesem Jahrhundert wurde es dreimal, in verschiedenen Zusammenhängen, zum besten spanischen Popsong oder gleich zum besten spanischen Lied erklärt, das je gesungen wurde.

Und es geht nicht nur um das Meer. In einer Zeit des erbitterten Nationalismus wie der der Militärdiktatur Francos, die seine eigene Heimat betont, widmet Serrat dem supranationalen Raum eine Hymne, dem Mittelmeer, und den "tausend Völkern", die an seinem Ufer "von Algeciras bis Istanbul" wohnen, es stellt also zwei Extreme dessen dar, was die Römer „Mare Nostrum“ nannten.
 


In Ordnung, fragt man sich, aber was hat das mit Europa zu tun?

Es gibt einen Historiker, der die Geburt Europas genauer datiert: den 25. Dezember des Jahres 800, denn bis zu diesem Zeitpunkt war das Römische Reich, das sich von Ost/West um das große Meer herum erstreckte, mediterran. An diesem Wintertag krönte Papst Leo III. Karl den Großen und dann wurde die alte horizontale Achse der alten Zivilisationen vertikal errichtet und Europa geboren. Europa ist um die Nord-/Süd-Achse herum aufgebaut und ergänzte erstmals das germanische Element zum bisherigen lateinischen. Unsere Europäische Union ist nur das letzte Beispiel dieser ersten karolingischen Synthese.

Das Römische Reich war mediterran, die Europäische Union ist nicht nur mediterran, sondern umfasst auch einen Großteil des alten Strandes von „Mare Nostrum“ zwischen "Algeciras und Istanbul".  Ein Lied flüstert uns verschiedene Dinge ins Herz, je nachdem, wann es gehört wird. 1971 brachte uns Serrats Lied Worte über eine sonnige Zukunft in Freundschaft mit den Ländern um uns herum. Nun, mit derselben Melodie und demselben Text, erinnert es uns stattdessen daran, dass die Stimme des Südens dem Norden noch etwas zu sagen hat, weil sie viele "rote Sonnenuntergänge" gesehen hat. Es gibt eine mediterrane Lebensweisheit, die aus der Erfahrung vieler Menschen stammt, die dort gelebt haben und gestorben sind. Viel ist zu lernen vom Mittelmeer, denn, wie Serrat in seinem schönen Lied einst sagt, "mit der Kraft des Unglücks / deine Seele ist tief und dunkel".
 

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