Oliver Latsch

Oliver Latsch © Oliver Latsch Oliver Latsch wurde 1969 geboren und wuchs in Afrika (Zambia, Kenya) auf bevor er mit seinen Eltern im Alter von sechs Jahren nach Hamburg zog. Nach der Schule und Zivildienst studierte er Ökologie und Umweltschutz an der Universität Sussex in Brighton und machte seinen Doktor in Ökologie am Imperial College London.

Bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle traf er auf Cornelia Funke, die ihn um Unterstützung bei ihrer Vermarktung in Großbritannien bat. Was als temporäre Aushilfsjob anfing, wurde bald zu einer Vollzeitbeschäftigung als ihr Literaturagent und Übersetzer, die er mittlerweile schon dreizehn Jahre ausführt. Seit 2008 lebt er mit seiner Frau und einem Sohn in Los Angeles, wo auch Cornelia Funke ansässig ist.

 

Drei Fragen an Oliver Latsch

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?

Während meine Jugend und Ausbildung war ich sehr sehr weit davon entfernt, Übersetzer zu werden. Geworden bin ich es, weil ich nach Abschluss meiner Doktorarbeit in Biologie und auf Bitten meiner Cousine, Cornelia Funke, versuchte, ihre Bücher an einen englischen Verlag zu vermitteln. Cornelia wollte schon immer einmal eine ihrer Geschichten in einer englischen Buchhandlung nahe den Büchern ihrer besonderen Helden, T.H. White, C.S. Lewis, J.R.R. Tolkien, oder Roald Dahl sehen. Da ich in England studiert hatte, meinte Cornelia, ich wäre der richtige Kandidat für diese Aufgabe. Bei meinen ersten Gesprächen mit Verlagen aus England und den USA lernte ich schnell, dass man dort nicht viele gute Leser für deutsche Bücher hat und so übersetzte ich den Herr der Diebe und den Drachenreiter ins Englische, um den Verlagen die Entscheidung zu erleichtern. Die Strategie zahlte sich aus und die Bücher wurden bald und sehr erfolgreich in England und den USA veröffentlicht. Die nächsten Jahre habe ich hauptsächlich den weltweiten Verkauf von Cornelias Buchrechten betrieben. Die Übersetzungen der Tintenherz Trilogie wurden von der formidablen Anthea Bell gemacht. Ich selbst bin erst wieder zum Übersetzer geworden, als Cornelia und ihr Freund Lionel Wigram zusammen an Reckless arbeiteten und ich dabei als eine Art Simultan-Übersetzer die aktuellen Entwürfe immer schnell für Lionel ins Englische übersetzen musste. So habe ich dann auch die Endversion übersetzt und so arbeite ich auch jetzt gerade wieder an der Übersetzung vom zweiten Teil von Reckless ('Lebendige Schatten').
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Von den Büchern, die ich als Kind gelesen habe, erinnere ich mich besonders an: "Borba und der Bär" von Franz-Josef Tripp (welches ich wahrscheinlich fünfzig Mal gelesen habe), "Momo" von Michael Ende, "Die Rote Zora und ihre Bande" von Kurt Held, und "Jüppa und der Zigeuner" von Wolf Klaußner. Warum diese Bücher? Wahrscheinlch muss ich die mal wieder alle lesen, und vielleicht flüstert mir mein jüngeres Ich noch einmal zu, was ihm so sehr an diesen Geschichten gefallen hat.
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Darüber habe ich ehrlicherweise noch nie nachgedacht. Da ich ja zum übersetzen kam wie die sprichwörtliche Jungrau zum Kinde, sehe ich mich immer noch nicht als echter Übersetzer. Ich weiß nicht, ob ich mich je an die Texte anderer Autoren als Cornelia Funke setzen werde. Cornelia's Text liegen mir, da ich sie seit meiner Kindheit kenne und somit ihre Prosa und ihren Ton sehr gut verstehe. Jetzt habe ich mich wahrscheinlich gerade disqualifiziert, überhaupt in diesem Projekt mit genannt zu werden!

Auswahl an übersetzten Titeln

  • Cornelia Funke: Reckless (Lebendige Schatten). Chicken House, 2010
  • Cornelia Funke: When Santa fell to Earth (Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel). Chicken House, 2006
  • Cornelia Funke: The wildest brother (Der wildeste Bruder der Welt). Chicken House, 2006