Stephen Lehmann

Stephen Lehmann © Stephen Lehmann Stephen Lehmann wuchs in einem deutschsprachigen Zuhause in Kalifornien auf und besuchte zweimal ein Internat in der Schweiz.

Obwohl seine Familie dem Nazi-Deutschland entflohen war, blieb sie der eigenen Kultur absolut ergeben. Nach dem Abschluss der Magisterarbeit im Fach deutsche Literatur an der Universität von Kalifornien (Berkeley) wurde er Bibliothekar, Herausgeber, Übersetzer und Biograf (Rudolf Serkin: A Life, Oxford University Press, 2003, mit Marion Faber).



 

Drei Fragen an Stephen Lehmann

War Übersetzerin Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzerin geworden?

Es war reiner Zufall. Anfang der 80er Jahre wurde ich von dem damaligen Verlagslektor der Universität von Nebraska (dem bemerkenswerten Willis Regier) angesprochen, ob ich Interesse an der Übersetzung von Friedrich Nietzsches Human, All Too Human hätte, da die letzte Übersetzung bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Meinen Neigungen und meiner beruflichen Ausbildung entsprechend bevorzuge ich das Zusammenarbeiten mit Kollegen, und so präsentierte ich dieses Projekt Marion Faber, die als Professorin für Germanistik am Swarthmore College arbeitete und bereits eine erfahrene Übersetzerin war. Da die Werke von Nietzsche nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen, war der Verlag in der Lage, uns großzügige Vertragsbedingungen zu gewähren – selbst dreißig Jahre nach Veröffentlichung der Übersetzung erhalten wir in regelmäßigen Abständen Tantiemen. Dies ist nicht zu vergleichen mit den Übersetzungsverträgen, die für urheberrechtlich geschützte Werke abgeschlossen werden. Jede meiner Übersetzungen entstanden in enger Kooperation – nicht nur mit Marion Faber, mit der ich weiterhin zusammenarbeite, sondern auch mit den Autoren (diejenigen, die noch am Leben sind!) und den Verlegern.
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Victor Klemperers Tagebücher, 1933 – 1945, wegen ihres intelligenten, ironischen und ehrlichen Inhalts, und ihrer einzigartigen historischen Bedeutung.
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Sobald mir das Lesen eines deutschen Werkes sehr gut gefällt, stelle ich mir vor, wie ich es übersetze und frage mich, wie ich ein bestimmtes Wort, einen Satz etc. wiedergeben würde. Gerade habe ich begonnen, Albert Vigoleis´ Die Insel des zweiten Gesichts zu lesen und frage mich ständig, wie ich mit dieser verspielten, eigentümlichen Prosa umgegangen wäre. Aber wie ich sehe, ist mir Donald White zuvorgekommen. Gott sei Dank!
nzustellen. Es gibt so viele Perlen, und sehr viele von ihnen wurden noch nicht übersetzt.

  • Thomas Mann: The Tables of the Law (Das Gesetz). Philadelphia, Pa. : Paul Dry Books, 2010 (with Marion Faber)
  • Stefan Klein: The Science of Happiness (Die Glücksformel). New York : Marlowe & Company, 2006
  • Stephan Wackwitz: An Invisible Country (Ein unsichtbares Land). Philadelphia : Paul Dry Books, 2005
  • Friedrich Nietzsche: Human, All Too Human (Menschliches, Allzumenschliches). Lincoln : University of Nebraska Press, 1984 (with Marion Faber)