Richard Evans

Richard Evans studierte in den späten 1970ern Musik an der Universität Exeter, bevor er Anfang der 1980er nach Frankfurt zog. Dort verbrachte er die nächsten 15 Jahre. Während dieser Zeit arbeitete er in verschiedenen Jobs, unter anderem für kurze Zeit als Spediteur beim Frankfurter Flughafen, später als Sprachlehrer und schließlich als Klavierlehrer nach einem Klavierstudium an der Hochschule in Frankfurt.

Nach seinem Umzug nach England 1995 beendete Evans seine Promotion zum Thema Musikästhetik an der Universität Bristol. Seitdem hat er fortwährend im Bereich Sprachunterricht – er verbrachte drei Jahre in Spanien in den mittleren 2000er Jahren – und Klavierunterricht gearbeitet, was derzeit sein Hauptberuf ist. Er ist seit vielen Jahren auch als Interpret aktiv (gemeinsam mit seiner Frau, Naoko Inoue, gab er 2010 am Goethe-Institut London ein Konzert).

 

Warum sind Sie Übersetzer geworden? war das schon immer Ihr Traumberuf?

Das hat sich allmählich entwickelt. Es gab eine berufliche Verbindung zum Übersetzen durch meine Arbeit als Sprachlehrer, gelegentliche Übersetzungsaufträge im Bereich Musik (z.B. Konzertprogrammhefte) und schließlich auch berufliche Tätigkeit im Bereich Musikwissenschaft. Obwohl ich keinen akademischen Abschluss in diesem Bereich habe, habe ich mich immer für die praktischen Grundlagen vom Übersetzen und weiter gefasste theoretische Fragen interessiert. Schriftsteller wie Susan Bassnett, Lawrence Venuti und David Bellos geben uns eine wunderbare Chance über die Tätigkeit des Übersetzens zu reflektieren und stellen sie in einen größeren kulturellen (intelektuellen und politischen) Kontext.

Meine letzte wesentliche Übersetzung war das Buch „Musik verstehen“ von Hans Heinrich Eggebrecht. Ich fand, dass dieser Text ein größeres Publikum verdiente und verbrachte ziemlich viel Zeit und Aufwand damit einen Verleger zu finden. Der Verlag Ashgate hat das Projekt schließlich angenommen. Seitdem habe ich ein paar Projektvorschläge für andere Bücher gemacht – Hans-Ulrich Treichels Roman „Tristanakkord“ war das letzte – aber es gab keine Interessenten.

Derzeit bin ich so sehr mit anderer Arbeit beschäftigt, dass die Übersetzertätigkeit leider in den Hintergrund getreten ist.
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Es ist unmöglich eine endgültige Antwort auf diese Frage zu geben! Der erste Schriftsteller, den ich intensiv auf Deutsch las, war Alfred Andersch, aber seitdem haben mich viele andere fasziniert wie Uwe Johnson, Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, Robert Walser und Max Goldt (Das ist mal eine Herausforderung für einen Übersetzer!) und jüngere Schriftsteller wie Hans-Ulrich Treichel und Peter Stamm (besonders „Sieben Jahre“ und „Blitzeis“). Ich liebe Genazinos „Abschaffel“ Trilogie mit seiner geistreichen Beschreibung des Frankfurt der 1970er.
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Es gibt viele. Ich würde gern Belletristik übersetzen: Treichel habe ich schon erwähnt. In meinem Fachbereich – Musikwissenschaft – gibt es Bücher von Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht und Albrecht Wellmer, die mich interessieren würden. Aber wenn ich ein einziges Buch wählen müsste, wäre es Rainer Cadenbachs Studie zu Max Reger („Max Reger und Seine Zeit“, Laaber, 1991). Cadenbachs Analyse von Regers tragischem Scheitern (und gelegentlichen Erfolgen) als Komponist und Interpret im Privaten und der Öffentlichkeit ist zutiefst mitreißend.

Auswahl an übersetzten Titeln

  • Hans Heinrich Eggebrecht: Understanding Music (Musik verstehen). Ashgate, 2009
  • Übersetzungen für die Zeitschrift “Music Analysis”