Hans C. Erik Midelfort

Hans C. Erik Midelfort © Hans C. Erik Midelfort Hans C. Erik Midelfort begann seine akademische Karriere 1970 mit dem Erhalt des Doktortitels im Fach Geschichte an der Universität Yale.

Neben Professuren an zahlreichen Universitäten in den Vereinigten Staaten, der Schweiz, Deutschland und England war er von 1987 bis 2009 als Professor an der Universität in Virginia tätig, wo er sich bis zum heutigen Tage als emeritierter Professor engagiert. Seine literarischen Veröffentlichungen zählen nicht nur eigene Werke zum Thema Sozialgeschichte der frühen Neuzeit in Europa und Amerika, sondern auch diesen Bereich behandelnde Übersetzungen aus dem Deutschen sowie unzählige Artikel in renommierten Fachzeitschriften.



 

Drei Fragen an Hans C. Erik Midelfort

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?

Während meiner Studienzeit in den 60er Jahren habe ich ab und zu Übersetzungen vom Deutschen ins Englische geschrieben. Es war etwas, wozu ich die Fähigkeit besaß. Doch vor allem empfand ich es als sehr befriedigend, der rein englischsprachigen Wissenschaftswelt Werke zugänglich zu machen, die meines Erachtens internationale Aufmerksamkeit verdienten. Und der Bedarf an übersetzter Fachliteratur ist enorm. Zu wenige englischsprachige Menschen verstehen oder lesen Deutsch, sodass ein Großteil der Forschung in den USA und Großbritannien (ebenso in Australien, Südafrika, etc.) in trauriger Ignoranz dessen betrieben wird, was deutsche Wissenschaftler erarbeiten. Vor diesem Hintergrund übersetze ich und unterstütze Übersetzungen als einen Beitrag zum Kulturaustausch – sicher nicht, um zu eigenem Ruhm zu gelangen, und noch weniger, um mich finanziell zu bereichern. Ein positiver Nebeneffekt waren die Freundschaften mit deutschen Autoren, deren Werke ich übersetzt habe. Sie hätten nicht ihren aktuellen Bekanntheitsgrad und die internationale Anerkennung erhalten, wären ihre Schriften nicht ins Englische übersetzt worden. Ich rühme mich selbst für korrekte beziehungsweise sinngemäße Übersetzungen, aber ich würde sie nicht als literarisch künstlerische Werke bezeichnen. Ich strebe nach Klarheit und Kraft.
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Ich glaube nicht, dass ich ein Lieblingsbuch habe. Das Problem mit vielen deutschen Geschichtsbüchern (meine Hauptlektüre) ist, dass sie entweder für Studenten im Grundstudium gemacht sind (in welchem Falle es keinen nennenswerten Absatzmarkt in den USA gibt). Oder sie sind so wissenschaftlich und eigenartig, gebildet und elitär, dass sie nie eine englische Leserschaft erreichen würden.
 
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Ein Buch, das meiner Ansicht nach übersetzt werden sollte, ist Martin Mulsows Moderne aus dem Untergrund (2002). Es ist sehr gebildet und wissenschaftlich geschrieben; und ich bezweifele, dass es sogar im Deutschen viele Leser gefunden hat. Für eine englische Version müsste man mit Mulsow an einer vereinfachten Ausgabe zusammenarbeiten, die für eine breitere Leserschaft geeignet wäre. Es ist jedoch ein wunderbares Buch, originär, tiefgründig, sorgfältig recherchiert und sehr gut geschrieben in seiner kultivierten Art.

  • Martin Mulsow, Enlightenment Underground: Radical Germany, 1680-1720. Charlottesville: University of Virginia Press, 2015
  • Rainer Decker: Witchcraft and the Papacy (Die Päpste und die Hexen). University of Virginia Press., 2009
  • Wolfgang Behringer: Shaman of Oberstdorf. Chonrad Stoeckhlin and the Phantoms of the Night (Chonrad Stoeckhlin und die Nachtschar). University Press of Virginia, 1998
  • Peter Blickle: The Revolution of 1525 (Die Revolution von 1525). Johns Hopkins University Press, 1981
  • Bernd Moeller: Imperial Cities and the Reformation (Reichsstadt und Reformation). Fortress Press, 1972