Nick Somers

Nick Somers © Nick Somers Nick Somers, 1949 in Liverpool, England, geboren, studierte an der Universität Sussex Amerikanistik und ging 1976 nach Deutschland, wo er sich seinen Lebensunterhalt als Englischlehrer verdiente, wenn er die Zeit nicht für ausgedehnte „Weltenbummelei“ nutzte.

Sechs lange Jahre war er in einem Übersetzungsbüro tätig, ehe er sich 1988 entschloss, als freiberuflicher Übersetzer sein Glück zu versuchen. 1990 folgte mit der Übersiedlung nach Wien gemeinsam mit seiner Frau der nächste Schritt. Hier arbeitet er für die in Wien ansässigen internationalen Organisationen (UNO, IAEA, OSZE) und hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend auf die Bereiche Kultur und Geschichte spezialisiert. Den Schwerpunkt bilden Übersetzungen von Katalogen und Ausstellungstexten für Museen wie das Jüdische Museum Wien, das Museum Belvedere, das Wien Museum und das Mozarthaus sowie durch Übersetzungen für die Tourismusbranche. Aus dieser Spezialisierung ergab sich 2009 das erste Buchprojekt.

 

Drei Fragen an Nick Somers

Warum sind Sie Übersetzer geworden? Ist es Ihr Traumberuf?

Wie viele andere der hier angeführten Übersetzer kam auch ich eher zufällig zu meinem Beruf. Eine erste Weichenstellung mochte durch meinen Vater erfolgt sein. Er war Deutschlehrer und gab mir vielleicht ein gewisses Gefühl für Sprachen mit. An unserer Schule mit dem traditionellen Lehrplan der Sechzigerjahre war Latein Pflichtfach und der Englischunterricht aus heutiger Sicht altmodisch: Grammatik und Stil waren das Maß aller Dinge, was mir damals nicht wirklich einleuchtete, sich jedoch als Grundlage für meinen späteren Beruf als äußerst nützlich erweisen sollte. Ich war Englischlehrer in Wiesbaden, als ich die ersten Übersetzungsaufträge erhielt. Anschließend landete ich in einem fränkischen Übersetzungsbüro, wo ich mir in einer sechsjährigen Lehrzeit sozusagen mein Handwerkszeug erwarb. Trotz über dreißigjähriger Berufserfahrung gehe ich noch immer mit derselben Neugier und Leidenschaft an jede neue Übersetzung heran, nach dem Motto „Je mehr man weiß, umso mehr weiß man, was man nicht weiß“. Keine originelle Erkenntnis, jedoch eine, die jeden Anflug von Überheblichkeit in diesem immer anregenden Beruf im Keim erstickt.
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Wenn ich deutsche Literatur lese, dann meistens im Zusammenhang mit meiner Arbeit. Und da meine besondere Liebe der Geschichte und insbesondere der Geschichte Wiens in den letzten 150 Jahren gilt, hat eine Autorin wie Brigitte Hamann ihren festen Platz in meiner Bibliothek. Ansonsten lese ich sehr wenig auf Deutsch, aus dem einfachen Grund, dass es so viel Literatur in meiner eigenen Sprache gibt, die ich noch nicht gelesen habe und die daher eher Vorrang hat. Zwei kurze Werke, die mir einfallen, sind Franz Werfels Eine blassblaue Frauenschrift und Bernhard Schlinks Der Vorleser.

 
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Die Übersetzung des Briefwechsels zwischen Sigmund und Anna Freud hat mir so viel Freude gemacht und die Recherche dazu so viel an neuem Wissen vermittelt, dass es mich sehr reizen würde, die „Brautbriefe“, d. h. die Korrespondenz zwischen Sigmund Freud und seiner (zukünftigen) Frau Martha, zu übersetzen. Soviel ich weiß, sind bis dato zwei Bände (fünf sind geplant) auf Deutsch erschienen. Nachdem ich seit über 20 Jahren in Wien lebe und die Wohnung Sigmund Freuds sogar in Gehweite liegt, fühle ich mich dieser Zeit ganz besonders verbunden.

  • Hannah’s Dress: Berlin 1904-2014 (La Robe de Hannah) by Pascale Hugues. Polity Press, Cambridge, 2017
  • Ego: The Game of Life (Ego: Das Spiel des Lebens) by Frank Schirrmacher. Polity Press, Cambridge, 2015
  • Sigmund Freud / Anna Freud: Correspondence (Briefwechsel) 1904-1938. Polity Press, 2013
  • Hans-Joachim Neumann / Henrik Eberle: Was Hitler Ill? (War Hitler krank?). Polity Press, 2013
  • Uta Gerhardt  / Thomas Karlauf (eds.): The Night of Broken Glass - Eyewitness Accounts of Kristallnacht (Nie mehr zurück in dieses Land. Augenzeugen berichten über die Novemberpogrome 1938). Polity Press, 2012
  • Doron Rabinovici: Eichmann's Jews - The Jewish Administration of Holocaust Vienna 1938-1945 (Instanzen der Ohnmacht. Wien 1938-1945. Der Weg zum Judenrat). Polity Press, 2011