Carolin Sommer

Carolin Sommer © Carolin Sommer Carolin Sommer wurde 1972 in Deutschland geboren. Als Au-Pair verbrachte sie ein Jahr in den USA, bevor sie sich für ein Studium der europäischen Sprachen in Köln, Aix-en-Provence und London entschied. 1997 zog Carolin Sommer nach London, wo sie für ein deutsches IT-Unternehmen arbeitete und Computer-Programme und -Handbücher ins Englische übersetzte.

Ihr Karriereweg führte sie schließlich weg von der Übersetzertätigkeit und hinein in die IT-Branche, bis sie eine Pause einlegte um sich um ihre Familie zu kümmern. Als ihr jüngstes Kind 2011 in die Schule kam, entschloss sie sich dazu, wieder das machen zu wollen, was sie am liebsten tut: Übersetzen. Sie bekam schließlich die Möglichkeit, die Memoiren des großen deutschen Kaufmanns und Unternehmers Ignaz Bing zu übersetzen, dem Ur-Ur-Großvater ihres Mannes. Tales From My Life ermöglicht einen seltenen und aufschlussreichen Einblick in das Leben einer jüdischen Familie im Deutschland des 19. Jahrhunderts.

Ihre erste veröffentlichte Übersetzung ist die bewegende Geschichte von Jennifer Teege, My Grandfather Would Have Shot Me (2015). Carolin Sommer lebt heute zusammen mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in Buckinghamshire.
 

Drei Fragen an Carolin Sommer

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?

Ich hatte nie davon geschwärmt, Übersetzer zu werden und habe Übersetzen eher zufällig studiert. Mein erster Job in London war dann allerdings als Übersetzerin von Computerhandbüchern. Ich fand es schrecklich langweilig und suchte mir so schnell es ging eine andere Stelle. Mehr als zehn Jahre später, nach einer Karriere in der IT-Branche und einigen Jahren als Vollzeitmutter, wollte ich wieder in die Berufswelt zurückkehren: am liebsten von zuhause aus, während die Kinder in der Schule sind, und etwas machen, das ich gut kann und das mir Spass macht.. Übersetzen schien die logischste Antwort, und prompt ergab sich mir die Möglichkeit, die Erinnerungen von Ignaz Bing ins Englische zu übersetzen. Das war es. Ich konnte es gar nicht abwarten, morgens an die Arbeit zu gehen. Der Gedanke, die kreative Arbeit eines anderen, vor allem eine die mich selbst tief bewegt hat, einer Leserschaft verfügbar zu machen, die ohne mein Zutun keinen Zugang dazu hätte, hat mich mit Ehrfurcht erfüllt. Ich erkannte, wie viel Vertrauen in einen Übersetzer gesetzt wird und gab mein Bestes, um diesem Vertrauen gerecht zu werden. Als Übersetzer trägt man eine große Verantwortung, es ist ein Privileg.
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Als Kind habe ich sehr gerne Erich Kästner gelesen, und ich halte seine Bücher auch heute noch für sehr clever. Ich schätze Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues für dessen brutale Ehrlichkeit und scharfen Beobachtungen. Vor kurzem habe ich Marlen Haushofers Die Wand gelesen, das hat mir sehr imponiert, und Marc Elsbergs Blackout hat mir thematisch sehr gut gefallen.
 
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Es gibt zurzeit einige Bücher auf dem Markt, die ich liebend gerne übersetzen würde, und ich kann mir auch nicht vorstellen ein Buch zu übersetzen, von dem ich nicht absolut überzeugt bin. Ich habe bis jetzt eher Sachbücher übersetzt, aber ich würde mich auch über die Herausforderung freuen, Elbergs Blackout zu übersetzen, obwohl es eine wahre Mammutaufgabe wäre.

Auswahl an übersetzten Titeln

  • Jennifer Teege, Nikola Sellmair: My Grandfather Would Have Shot Me. The Experiment, 2015 (UK edition: Hodder & Stoughton, 2015)
  • Ignaz Bing: Tales From My Life. Self-published, 2013