Will Stone

Will Stone © Will Stone Will Stone ist ein Dichter, Essayist und Literaturübersetzer. Seine erste Gedichtsammlung Glaciation (veröffentlich von Salt, 2007) gewann 2008 den internationalen Glen Dimplex Award für Lyrik. Ein zweiter Band, Drawing in Ash, erschien 2011 bei Salt. Shearsman Books legte diese Bände 2015 neu auf und veröffentlichte mit The Sleepwalkers eine dritte Sammlung im April 2016. Menard Press veröffentlichte 1999 Wills erste Übersetzung von Les Chimères von Gérard de Nerval. Arc Publications veröffentlichte 2005 mit To the Silenced eine Sammlung von Georg Trakls Gedichten und Poems von Emile Verhaeren (2013). Poems von Georges Rodenbach wird 2017 erscheinen.

Pushkin Press veröffentlichte seine erste englische Übersetzung von Stefan Zweigs Montaigne im August 2015 und Zweigs Messages from a lost world im Januar 2016. Eine weitere Sammlung von Zweigs essayistischen Porträts seiner Zeitgenossen wird 2017 als Encounters and Destinies – A Farewell to Europe veröffentlicht werden. Hesperus Press veröffentlichte weitere Übersetzungen von Zweig, Joesph Roth und Maurice Betz und wird 2017 seine Übersetzung von Wilhelm Waiblingers Friedrich Hölderlin: Life, Poetry and Madness veröffentlichen. Seagull Books veröffentlicht 2018 Georg Trakls Collected Poems.

Momentan schreibt Will ein Buch über die unbekannteren künstlerischen und kulturellen Landschaften Belgiens.
 

Drei Fragen an Will Stone

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?

Ich habe nicht das Übersetzen, das Übersetzen hat mich gewählt… ich habe in den frühen 90ern in Paris gelebt und dort angefangen, Übersetzungen europäischer Literatur in Buchläden wie Village Voice (der heute leider geschlossen ist) zu erkunden. Ich fühlte einen Drang, mich selbst daran zu versuchen und begann, Maupassants unbekannten Letter from a Madman, eine Art Vorgänger des besser bekannten Le Horla zu übersetzen. Die Würfel waren gefallen. Später kehrte ich nach England zurück und nahm ein Masterstudium in Literaturübersetzung an der University of East Anglia auf, wo ich bei Professor Jean Boase-Beier lernte und zu dieser Zeit sogar WG Sebald noch einige Seminare hielt. In Suffolk hatte ich das Glück nahe dem legendären Michael Hamburger zu leben, der ein Freund und ein großes Vorbild wurde und der mich einigen Übersetzern und Schriftstellern in East Anglia vorstellte, einschließlich Sebald. Nichtsdestotrotz verstehe ich mich in erster Linie als Schriftsteller und in zweiter Linie als Übersetzer. Gefühlt habe ich fünfzehn Jahre damit zugebracht, übersehene Texte einem englischsprachigen Publikum zugänglich zu machen und jetzt würde ich mich gerne auf meine prosaische Arbeit konzentrieren, insbesondere einem Buch über die unbekannteren künstlerischen und kulturellen Landschaften Belgiens.
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Was für eine unmöglich zu beantwortende Frage… ich glaube ich würde Tagebuch eines Verzweifelten von Friedrich Reck von Malleczewen wählen, schlicht weil es für jeden essentiell ist, der das Leben in einem totalitären Staat verstehen will. Darüber hinaus weil es überaus bewegend ist und letztlich eher Wahrheit als Fiktion betrifft, was gerade heute, in einer Zeit in der Wahrheit beiläufig ausgelöscht wird, wichtig ist. 
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Ich würde gerne einige Arbeiten des Soziologen, Kritikers und Philosophen Georg Simmel, Rilkes altem Meister, über die Psychologie von Städten übersetzen, da dieser Aspekt seiner Arbeit der englischsprachigen Welt nahezu unbekannt zu sein scheint. Simmels einfühlsam gezeichnete Aufsätze über Florenz, Rom und Venedig scheinen mir reif für eine Neueinschätzung.