Goethe Annual Lecture 2021
Unrechtskontexte: dismantling colonial legacies from Berlin to London

Figurinen in einem Museum © 2019 Alamy Ltd.

Mit der Goethe Annual Lecture knüpfen wir an die Tradition unserer bisherigen Reihe, der Brady Lecture, an. Wir laden renommierte Redner*innen dazu ein, ihre Ansichten zu Themen mit uns zu teilen, die wir im Rahmen unserer Kulturarbeit behandelt, und sich zu drängenden Fragen zu äußern, mit denen die Gesellschaften in Großbritannien, Deutschland und aller Welt konfrontiert sind.

Unsere Veranstaltung fand am Freitag, den 14. Januar um 18:30 Uhr im Haus statt. Diejenigen, die nicht dabei sein konnten, können die Veranstaltung über unseren YouTube-Livestream unten verfolgen.
 

Goethe Annual Lecture von Dan Hicks

Wir freuen uns, dass wir den Autor und Kurator Dan Hicks als Referenten für unseren diesjährigen Goethe-Vortrag am Goethe-Institut London gewinnen konnten. Ausgehend vom Konzept der „Unrechtskontexte“ zieht Dan Hicks, der insbesondere durch sein Buch „The Brutish Museums“ bekannt ist, eine Bilanz der Debatte über das fortdauernde imperiale Erbe in unseren Museen, unseren Universitäten und in der Gesellschaft insgesamt.

Im Jahr 2013 hat der Deutsche Museumsbund einen Leitfaden zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museumssammlungen herausgegeben, in dem ein neues Konzept eingeführt wird. So soll sich der kuratorische Ethikansatz bei der Bewertung der Umstände, unter denen Museumssammlungen erworben wurden, vom Konzept des Unrechtskontextes leiten lassen. Dabei sollte nicht nur der Kontext in der Vergangenheit berücksichtigt werden, sondern auch, ob ein bestimmtes Unrecht „in der Gegenwart weiterwirkt“.

Ein Jahrzehnt später steht diese Frage nach dem unvollendeten Charakter bestimmter „Unrechtskontexte“ im Zentrum euro-amerikanischen Debatten über das fortdauernde imperiale Erbe, „wissenschaftlichen Rassismus“ und Theorien kultureller Überlegenheit. Der Vortrag zieht eine Bilanz der jüngsten Ereignisse in Europa und Nordamerika – von der Entfernung von Statuen über die Umbenennung von Gebäuden bis hin zur Rückgabe von Objekten aus Kolonialmuseen. Darüber hinaus wird die 'anhaltend gewaltsame Präsentation' im British Museum beleuchtet, die jetzt im Berliner Humboldt Forum wieder neu debattiert wird. In der diesjährigen Goethe Annual Lecture fragt Dan Hicks: Wie sollen wir uns den „Unrechtskontexten“ des kolonialen Erbes heute annähern? Nach den Maßstäben der damaligen Zeit oder nach den Werten, die wir heute hochhalten? Und wie kann dieses Erbe heute sinnvoll eliminiert werden?

Verweise
Deutscher Museumsbund 2013. Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen.

Dan Hicks, FSA ist Professor für zeitgenössische Archäologie an der Universität Oxford, Kurator für Weltarchäologie am Pitt Rivers Museum und Fellow des St. Cross College, Oxford. Sein jüngstes Buch ist The Brutish Museums: the Benin Bronzes, Colonial Violence and Cultural Restitution (Pluto Books, 2020). Twitter/Instagram: @ProfDanHicks. 




Zu den früheren Referenten unserer jährlichen Vorlesung gehören Sharon Dodua Otoo (2020), John Kampfner (2019), Brendan Simms (2018), Anne McElvoy (2017), Neil MacGregor (2016), Christopher Clark (2014), David Chipperfield (2012), Norman Rosenthal (2010), Tacita Dean (2006), Peter Jonas (2005), Ian Kershaw (2003), Richard Wentworth (2002) and AS Byatt (2001).

Hier finden Sie Videos von früheren Vorträgen.
 

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