Going Green

GoingGreen © Luke O'Donovan

Unsere erhöhte Aufmerksamkeit für die Natur wurde während der COVID-19-Pandemie zu einem viel diskutierten Thema. Während der „Lock Downs“ ließen wir die Natur in Frieden und hatten mehr Zeit, um zu beobachten, was sie sich in unserer Umgebung verhielt. Der Ursprung des Virus hat uns auch bewusster gemacht, wie weit wir Menschen in das Reich der Natur eingedrungen sind. Das Wissen über unsere negativen Auswirkungen auf das Klima und die Ökosysteme geht natürlich weit vor der Pandemie zurück. COP26, der Klimagipfel in Glasgow im November, ist schon lange geplant, und muss, das wissen wir, entscheidende Veränderungen bringen.

Viele von uns, darunter auch wir beim Goethe-Institut, wünschen uns, dass wir Menschen mit einem anderen Verhältnis zur Natur aus der Pandemie hervorgehen, einem Verhältnis, dass Wiederherstellen, Schutz und Fürsorge über Ausbeutung und Zerstörung stellt. Wir freuen uns daher, eine Reihe von Kunstprojekten und Kooperation zu diesem Thema zu präsentieren.

#SouthKenGreenTrail Installations from July 23rd on: South Kensington Green Trail @EXRD

Exhibition Road Luke O'Donovan

Im Mai diesen Jahres hat das Goethe-Institut London zusammen mit Discover South Kensington, dem V & A, dem Science Museum, das Goethe-Institut und dem London Festival of Architecture drei Designteams ausgewählt, die mit innovativen Installationen mehr Raum für Biodiversität im Kulturviertel South Kensington schaffen werden und bestehende lokale ökologische Initiativen wie den Royal Borough of Kensington & Chelsea’s Bee Superhighway unterstützen sollen. Die Installationen unter dem Motto #SouthKenGreenTrail sind seit dem 23. Juli in der Exhibition Road über den ganzen Sommer und Herbst hinweg bis zum Great Exhibition Road Festival (9. - 15. Oktober) zu sehen. Besucher und Besucherinnen des Viertels sind eingeladen, neuartige Konstruktionen und speziell ausgesuchte Pflanzen und Architektur zu erkunden und zu genießen.
#Rediscoversouthken #Goinggreen #SouthKenGreenTrail

Die Gewinner des Wettbwewerbs und gezeitgen Installationen sind:


Partner:  

#Windflower Intervention @EXRD: Urban Radicals with Adam Harris

Windflower © Luke O'Donovan

Windflower (zu Deutsch: Windblume) von Urban Radicals und Adam Harris gegenüber des Goethe-Insituts London besteht aus Teilen eines modifiziertes, ausrangiertes und wiederverwerteten Rotorblatts einer Windturbine. Aufgearbeitet und umfunktioniert vermittelt es die unglaubliche Größe von Windturbinen und bringt uns ihre überraschende Schönheit inmitten der  Londoner Innenstadt näher. Die Teile des Rotorblatts sind mit Wildblumen bepflanzt, um Bienen und Insekten anzulocken und gleichzeitig Besucher*innen zum Erkunden, Verweilen und Genießen einzuladen.

Statements von Urban Radicals:

"Eine mysteriöse Waldkreatur, eine undurchsichtige Wolke, die gartenähnliche Zustände in den öffentlichen Raum überträgt."

"Ein absolut wundervolles, in seiner Umgebung eingebundenes Projekt, das eine wunderschöne Skulptur entstehen lässt, in der sich Architektur, Ingenieurkunst, Landschaftsbau und Menschen unter dem Thema der Pflegens und Sorgens verbinden. Erdacht und entworfen, um Möglichkeiten für zuküntige grüne Infrastrukturen und für unseren Städtebau aufzuzeigen."

"Um Bewusstsein zu schaffen und Lösungsansätzen für das Weiterleben einer Windturbine zu bieten, modifiziert die Installation das ausrangierte Rotorblatt und verwandelt es in eine treppenartige, interaktive Skulptur. Mit Kräutern und anderer Vegetation bepflanzt wird die Installation Biodiversität fördern und Bienen anziehen. Besucher und Besucherinnen können zwischen den Teilen lustwandeln, sich setzen und das ganze einfach genießen."

"Mit COP26 in den Startlöchern und fast zwei Jahrhunderte nach der Great Exhibition gehen die Klimaziele für 2050, was die Gestaltung unserer Städte und unserer Umwelt angeht,  von einer saubereren, nachhaltigeren und effizienteren Zukunft aus. Wir brauchen nicht nur neue Strukturen und Protokolle, um neue Infrastukturen und Wohnmöglichkeiten zu schaffen, wir müssen auch radikal umdenken, um bestehende Gebäude "wiederzuverwenden" und ausgediente Komponenten aufzuwerten - upzucyclen."


Urban Radicals and Adam Harris
© Urban Radicals and Adam Harris
Urban Radicals ist ein seit 2019 bestehendes Künstlerkollektiv, gegründet vom Architekten Nasios Varnavas und der Designerin Era Savvides mit dem Ziel ein Netzwerk aus Beteiligten zu formen, um Probleme über bestehende Kontexte und festgefahrene Maßstäbe hinaus zu bewältigen. Das Studio hat sich durch unzählige Projekte, Wettbewerbe, Workshops, Storys, Gemälde, Partys, Dinner, Angelausflüge, Spaziergänge, Zusammenkünfte und Diskurse einen Namen in der Kunstszene gemacht. Nasios und Era sind davon überzeugt, dass das disziplinübergreifende Arbeiten mit Hilfe eines breiten Skillsets und eines erfahrenen Teams mit breit gefächerten Perspektiven dazu beiträgt, nachhaltige und tiefgründige Projekte in passenden Kontexten zu realisieren.
Als Kollektiv betrachtet Urban Radicals das Themenfeld Architektur aus vielen verschiedenen Perspektiven - Wirtschaft, Ökologie, Storytelling, Gemeinschaft und Handwerk. Außerdem wurden sie jüngst dazu auserkoren die National Participation für Zypern bei der 17. Architektur Biennale in Venedig zu designen und zu co-kuratieren.

Für die #SouthKenGreenTrail #Goinggreen Intervention mit dem Goethe-Institut London arbeitet Urban Radicals mit Adam Harris, Landschaftsarchitekt und Projektmanager bei Millimetre, zusammen. Harris, der eine Passion für lokale Wildblumenarten hat und sich für Raumentwicklung zu Biodiversität im urbanen Raum interessiert, glaubt, dass das Fördern und Entwickeln der Vebindung von Urbanität zu natürlichen Prozessen dazu führt, dass wir mehr von unseren Städten und Metropolen profitieren können. Das Team arbeitet zudem mit den Windenergiespezialisten Aerotope, gegründet von Chris Hornzee-Jones, zusammen.

Urban Radicals

Instagram Icon
Instagram
 

Natalie Taylor: Foodbank for Pollinators. Seeding for the Future from July 23rd on @Prince's Gardens, SW7 2PH

Blumenwiese mit Schriftzug Rewild © TAU



Die in Edinburgh lebende Künstlerin Natalie Taylor hat in Weimar auf einer kleinen städtischen Grünfläche eine Beet mit Wildblumen anlegen alssen, um es in einem symbolischen Akt zu re-naturieren. Die eng mit Goethe und der deutschen Klassik verbundene Stadt im Osten Deutschlands, ist auch berühmt für ihr UNESCO-Weltkulturerbe, darunter eine Reihe von sehr gepflegten historischen Parks. Während das Taylors Kunstwerk das Bewusstsein für den Verlust an Biodiversität und unser ausbeuterisches Verhältnis zur Natur schärfen soll, lädt es uns auch dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir städtische Gebiete und möglicherweise sogar Parks neu imaginieren und umgestalten können, um eine harmonische Existenz mit der natürlichen Welt aufzubauen. Aber Taylors Intervention in den Stadtkontext mit einer kleinen Fläche mit Wildblumen ist nicht nur ein symbolischer Akt. Die ausgesäten Blumen bieten auch einen neuen Lebensraum für Insekten an einem Ort, der von Straßen flankiert wird und normalerweise ausschließlich von Gras bedeckt ist. Taylor reagiert mit ihrem Kunstwerk nicht nur auf die Klimakrise und das Artensterben im allgemeinen, speziell auf einen Bericht aus dem Jahr 2017, eine Neuanalyse der sogenannten Krefeld-Studie von 2013. Der Bericht konstatiert einen Verlust von 75% an Insektenbiomasse über einen Zeitraum von 27 Jahre (1989 - 2016) in ausgewählten Gebieten, die bereits Naturschutzgebiete waren. Millionen von Foodbanks for Pollinators – „Tafeln für Insekten“ -  sind notwendig, um diesen Verlust entgegenzuwirken. Wir können sie an mehr Orten schaffen, als wir denken. Taylors Blumenbeet buchstabiert das Wort „REWILD“ und ist ein Aufruf zum Handeln.
 
Der Kontext für dieses Projekt war zuerst das Kultursymposium Weimar 2021 (16. - 17. Juni 2021), das vom Goethe-Institut in Deutschland organisiert wurde. Das zentrale Thema der diesjährigen Ausgabe des alle zwei Jahre stattfindenden Symposiums ist "Generationen", und Natalie Taylors hat ihr Projekt im Geiste dieses Themas konzipiert. Das Konzept für ihr städtisches Wildblumenbeet bezieht sich auf die Erfahrungen vergangener Generationen und entwirft ein Modell dafür, wie gegenwärtige und zukünftige Generationen täglich und auch in unserer gebauten Umwelt harmonischer mit der Natur zusammenleben können. Das zweite Setting für das "Rewild" Blumenbeet ist ab dem 23. Juli 2021 der Park hinter dem Goethe-Institut London: Prince's Gardens, SW7 2PH, London.


Natalie Taylor
Natalie Taylor | © Kevin Dagg
Natalie Taylor ist Künstlerin, Designerin, Gärtnerin, Aktivistin und Mutter. Sie setzt Mittel der visuellen Kommunikation ein, um unsere zerstörerische  Beziehung zu Pflanzen und darüber hinaus zu aller Natur in Frage zu stellen. In Reaktion auf wissenschaftlicher Berichte und unter Anwendung forschungsbasierte Methoden setzt sie sich mit ökologischen Themen auseinander. Ihre Arbeiten setzten dabei auf eine starke visuelle Wirkung, vermitteln mitunter jedoch auch eine gewisse Unbeschwertheit.  Neben der Teilnahme an Ausstellungen der Royal Scottish Academy und des Palace of Holyrood House Visitor Centre in letzter Zeit, war sie auch Mitglied preisgekrönter Teams, die kreative Stadterneuerungsprojekte in Edinburgh durchgeführt haben.

Natalie Taylor
Instagram Logo
 natalietaylorartist
 

Ann-Kristin Jakubek: A Toothless Grin

Ann-Kristin Jakubek: A Toothless Grin © Ann-Kristin Jakubek



Anlässlich des digitalen Auftritts der Kultursymposiums Weimar in diesem Jahr haben wir eine weitere Arbeit in Auftrag gegeben, die auf Natalie Taylors Kunstwerk Foodbank for Pollinators Seeding for the Future in einem digitalen Format  reagiert. Mittels eines Wettbewerbs unter Student*innen der Bauhaus-Universität Weimar haben wir die Künstlerin und Filmemacherin Ann-Kristin Jakubek ausgewählt. In ihrer Arbeit setzt sie sich mit dem Phänomen auseinander, dem Natalie Taylor entgegenwirken möchten – unsere wachsende Entfremdung von der Natur.
 
Während Taylors Arbeit an einem physischen Ort in Weimar entsteht und eine Gegenmaßnahme gegen den Verlust an Artenvielfalt darstellt, verwendet Jakubek ein Videoformat, um den Einfluss des Digitalen auf unser Verhältnis zur Natur, unsere Erfahrung und Darstellung der natürlichen Welt zu visualisieren. Unter der Verwendung von Kunstformen- und Techniken wie Performance, Modedesign, räumlichem Sound, Dokumentarfilm und Musikvideo zeigt sie einen Prozess zunehmender menschlicher Naturentfremdung und gleichzeitiger Vereinnahmung durch die digitale Sphäre. In ihrer Arbeit wird die natürliche Welt zunehmend mechanisiert, deformiert und abstrahiert. Dies geschieht mit Bildern, die durch den Einsatz von Drohnenfotografie und maschinellem Lernen in Form der GAN-Technologie (Generative Adversarial Network) erzeugt werden.
 
Ann-Kristin Jakubek hat mit anderen Student*innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen gearbeitet, um ihr Video zu produzieren, das zukünftig in einer weiteren Version für eine immersive Projektion von Fulldome / Planetarium realisiert wird. A Tootless Grin wurde während des Kultursymposiums Weimar (16. - 17. Juni 2021) als Video-Arbeit präsentiert und fand so seinen kongenialen Kontext in der zweitägigen Online-Veranstaltung, die aufgrund der COVID-19-Pandemie in einem digitalen Format konzipiert wurde. Weiterhin ist es natürlich über Youtube streambar.


Ann-Kristin Jakubek
Ann-Kristin Jakubek | © Leon Brandt
Ann-Kristin Jakubek ist eine junge, bereits mehrfach ausgezeichnete Medienkünstlerin und Filmemacherin, die in ihren gegenwartsbezogenen Arbeiten insbesondere mit kinematischer Bildgestaltung und virtuellen Raumkonstruktionen experimentiert.
Auf der Grundlage ihrer am Amsterdam Fashion Institute erworbenen Erfahrungen in den Bereichen Art Direction, Branding und Filmgestaltung, setzt Kristin auf neue Formen des storytelling mittels immersiver Bildformate, die sie aktuell an der Bauhaus-Universität Weimar durch ’Extended/Virtual-Reality’ als auch Installations -Techniken ergänzt.

Ann-Kristin Jakubek
Vimeo 30x30
Vimeo

Instagram Icon
Instagram
 

Top