Konferenz Asessment with a magic touch

Language Magician Konferenz
© Uli Hesse

Abschlusskonferenz des Projektes THE LANGUAGE MAGICIAN am 19. Mai 2018 in London.

Ein großer Erfolg für Veranstalter, Projektteilnehmer und Delegierte: Unter der Federführung des Goethe-Instituts London verwandelten sich die ehrwürdigen Hallen der Universität Westminster im Zentrum von London in eine Zusammenkunft aus Zauberern, deren Ziel es war, Sprachenlernen und –testen für ihre Zöglinge so unterhaltsam wie möglich zu machen. Bis zum Schlusspunkt am späten Nachmittag erspähte man dunkelblaue Zauberhüte in Seminarräumen wie Vortragssälen.

Trotz großer Konkurrenz durch die Hochzeit von Prinz Harry mit Meghan Markle sowie das Endspiel um den FA Cup stand die Konferenz unter einem guten Stern: Der stellvertretender Minister für Bildung und Hochschulen David Pérez-Dionis hat bereits am Vortag mit der stellvertretenden Leiterin Dr. Georgia Herlt für das Goethe-Institut London eine Vereinbarung unterzeichnet, um das Computerspiel und Assessment-Tool THE LANGUAGE MAGICIAN auf den Kanarischen Inseln einzuführen: „Wir glauben, dass der Erwerb einer Fremdsprache ein entscheidender Aspekt für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung unserer Region ist.“

Eröffnet wurde die Konferenz von Dr. Julio Gimenez, dem Leiter des Professional Language Centre der Universität Westminster. Weitere Grußworte kamen von Vertretern der europäischen Botschaften in London: Von Dr. Susanne Frane, der stellvertretenden Leiterin der Sektion für Kultur und Bildung der deutschen Botschaft; Dr. Gonzalo Capellán, Bildungsberater der spanischen Botschaft und Mara Luongo, Beraterin für Italienisch am italienischen Konsulat. Karl Pfeiffer, der Beauftragten für Bildungskooperation am Goethe-Institut moderierte, während Roma Schultz, ebenfalls vom Goethe-Institut und Expertin für Unterricht, die organisatorischen Fäden in der Hand behielt, unterstützt von Domini Stone von der Universität Westminster, die das Network for Languages London als Regionalmanagerin leitet.

René Koglbauer - der Geschäftsführer des North Leadership Centre der Universität Newcastle – freute sich auf einen intensiven Dialog über Bewertungen und Beurteilungsmethoden. Er hielt den Eröffnungsvortrag und konzentrierte sich vor allem auf den Fortschritt der Schüler: „Entscheidend ist es, den Lernprozess zu verstehen. Wenn wir den Lernenden helfen wollen, sich zu verbessern, müssen sie selbst verstehen, wie sie sich verbessern können.“ Er sieht Diskussionsbedarf, ob The Language Magician möglicherweise auf weitere Sprachniveaus erweitert werden könnte. Laut René Koglbauer liegt die Stärke des Spiels vor allem darin, dass Computerspiele Kinder Spaß machen: „Es ist ein alternativer Bewertungsansatz, motivierend, und die Schüler werden sich aktiver einbringen.“
 
LERNEN. UM DEN BÖSEN ZAUBERER WINIVIL ZU BESIEGEN
Nach dreijähriger Entwicklung und Tests an Grundschulen auf den Kanarischen Inseln, in La Rioja, Leipzig, Perugia und London mit über 2000 Kindern ist das Lernspiel nun seit März 2018 kostenlos auf der Website und als App erhältlich.

Altersgerecht können Grundschullehrer den Fortschritt und das Niveau ihrer Klasse während eines Schuljahres testen – und ohne dass die Schüler bemerken, dass sie getestet werden! Sie wählen ihren eigenen coolen Avatar und schlüpfen in die Rolle eines Zauberlehrlings, der seine Tierfreunde vom Fluch des bösen Zauberer Winivil befreien muss, der sie in Türklopfer verwandelt hat. Dazu müssen sie linguistische Aufgaben absolvieren und ihr Sprachverständnis, Hören, Lesen und Schreiben demonstrieren. Ein Durchlauf dauert etwa 35 Minuten.

Das Spiel selbst wurde von der preisgekrönten Wiener Digitalagentur Ovos entwickelt und programmiert mit der Vorgabe, unterhaltsam zu sein und nicht einzuschüchtern. Während der Konferenz konnten alle Teilnehmer das Spiel sowohl aus der Perspektive der Schüler als auch die Lehrer-Plattform ausprobieren und bekamen einen Eindruck, welche Daten ihnen als Tabelle in Echtzeit angeboten werden. Ein spielerisches Werkzeug, um den Lernfortschritt bewerten zu können, ohne auf Noten zurückgreifen zu müssen. Am Ende erhält jeder Schüler ein Zertifikat.

Die gutausgestatteten Computerräumen der Universität Westminster schufen eine unterhaltsame Atmosphäre, in der die Trainer technische Fragen beantworteten aber auch ganz praktische Unterstützung für die Anwendung im Klassenzimmer anboten.

THE LANGUAGE MAGICIAN gibt es in den Sprachkombinationen Deutsch, Spanisch, Italienisch und Französisch für britische Schüler und Englisch als Fremdsprache für deutsche, italienische, französische und spanische Schüler. Arbeitspapiere und andere Unterrichtsressourcen wurden bei der Konferenz in allen fünf Projektsprachen angeboten – nicht um die Testfragen vorzubereiten, sondern um die Kinder spielerisch mit der Geschichte, den Charakteren und Aktivitäten bekannt zu machen.

Konferenz-Sessions in allen Sprachen demonstrierten, wie Klassen auf den Test vorbereitet werden können, ohne direkt dafür zu lernen. Bildungsberaterin Concha Julian von der spanischen Botschaft in London hatte große Pappen für Zweierteams vorbereitet, auf die Papierstreifen mit Fragen gepinnt wurde, die die Delegierten unter großem Gelächter aus Zauberhüten fischten. Steven Fawkes, der Gründer der Association of Language Learning verknüpfte dagegen die Gesten der Gebärdensprache mit französischen Tiernamen. Vor allem die Zeichen für Maus und Krokodil blieben haften.

Das Spiel selbst besteht aus zwei Schwierigkeitsgraden: Um die Schüler hineinzuziehen, beginnt es sehr einfach. Die Aufgaben werden immer anspruchsvoller, so dass Lehrer ihre sprachlichen Fähigkeiten genauer unterscheiden können. Um Frustration zu vermeiden, werden die Schüler von Aufgabe zu Aufgabe geleitet, auch wenn sie vielleicht mal einen Fehler machen. Vorausgesetzt werden etwa 50-70 Stunden Sprachlernen bevor sie sich an Level 1 versuchen.

„Es gibt nichts vergleichbares auf dem Markt“, bestätigte Prof. Norbert Schlüter von der Universität Leipzig, der das Projekt wissenschaftlich begleitet und seine Forschungsergebnisse auf der Konferenz präsentierte. Er hofft, dass jeder Sprachlehrer in Europa dieses Spiel nutzen wird. Diesen Enthusiasmus teilten viele der Delegierten und Projektteilnehmer wie der Berater für Bildungsprogramme, Juan Manuel Melgar Jiménez, vom Erziehungsministerium der Kanarischen Inseln: „Die Abschlusskonferenz in London war eine großartige Gelegenheit, Menschen rund um den LANGUAGE MAGICIAN zu treffen. Ein erster Schritt, um mit einer magischen Ressource für unsere Lehrer fortzufahren!“
 
INTERNATIONALE KOOPERATION
THE LANGUAGE MAGICIAN beruht auf dem gleichnamigen europäisches Projekt, das über das Erasmus+ Programme für strategische Partnerschaft Key Action 2 finanziert wurde.
Ziel des Projekts ist es, eine länderübergreifenden Kooperation für das Erlernen von Fremdsprachen in der Grundschule zu schaffen. Unter der Leitung des Goethe-Instituts in London wurde dieses innovative Werkzeug zur Gamifizierung von Lernfortschritten mit hochqualifizierten Projektpartnern aus vier europäischen Ländern (Deutschland, Italien, Großbritannien, Spanien) entwickelt: Beteiligt sind der britische Sprachenlehrerverband (Association for Language Learning), die Abteilung Bildung der Spanischen Botschaft in Großbritannien, das Bildungsministerium für Rioja, das Lehrerfortbildungszentrum des spanischen Bildungsministeriums auf Teneriffa, sowie Forscher der Universität Leipzig, Universität Reading, Universität für Ausländer in Perugia, Universität für Ausländer in Siena und Universität Westminster.

Viele Gelegenheiten zum internationalen Networking zwischen Projektbeteiligten, Forschern und Delegierten bot das appetitliche Mittagsbüffet mit veganen und vegetarischen Optionen, während dessen die Teilnehmer auf der großen Leinwand verfolgen konnten, wie sich Prinz Harry und Meghan Markle in Windsor das Ja-Wort gaben.

Der stellvertretender Minister für Bildung und Hochschulen der Kanarischen Inseln, David Pérez-Dionis, unterstrich, dass das Projekt die Institutionen verschiedener Länder miteinander verknüpfe. „Derzeit verfolgen wir auf den Kanarischen Inseln eine Strategie die Bildung auf außeruniversitärer Ebene internationalisiert. Unser Abkommen mit dem Goethe-Institut wird uns dabei helfen.“

Wortschatz und Herausforderungen beruhen auf dem Gemeinsamen Europäische Referenzrahmen für Sprachen sowie Lehrbüchern und Unterrichtsmaterialien, die in den beteiligten Ländern genutzt werden - und natürlich den Erfahrungen von Lehrern und Fortbildern.

Prof. Norbert Schlüter und sein Team an der Universität Leipzig begleiten die Aufgabenentwicklung wissenschaftlich seit der Pilotphase und greifen dafür auf die anonymisierten Rohdaten zurück: „Wir haben die einzelnen Aufgabenformate angeschaut und überprüft, ob die Antwortqualität stimmt, so dass man entsprechend die Sprachkompetenz testen kann.“ Das sei als Rückmeldung an das Entwicklungsteam gegeben worden, das die Aufgaben nach und nach modifiziert habe. Weitere Forschungsprojekte laufen zur Wortschatzerkennung und –produktion und zu Unterschieden in Leistung und Motivation. Letztere lassen sich vor allem daran ablesen, wann die Schüler aus dem Spiel aussteigen: „Die ersten drei Etagen werden von fast allen Lernern bearbeitet. Auf der dritten Etage geht es etwas zurück, auf 95 Prozent“, so Prof. Norbert Schlüter. „Auf dem vierten Level ist der erste Einbruch: Nur noch 50 Prozent der Lerner kommen bis zum Ende der vierten Etage. Und auf der fünften Etage - das ist der Schreibtest - sind maximal 40 Prozent noch dabei; in einigen Sprachen auch deutlich weniger.“

Zum Abschluss präsentierte Rubén Barderas ein verführerisches europäisches Menü zum Nachkochen im Klassenzimmer: von spanischer Salmorejo-Suppe über italienische Frese Calabresi - zerkleinerte Tomaten auf Krustenbrot – bis hin zu Kartoffelsalat und Croque Monsieur. Zum Nachtisch gab es Old English Trifle. Jeder Teilnehmer erhielt ein kleines Kochbuch mit den Rezepten, kredenzt aus dem Zauberkessel von Chef-Organisatorin und Unterrichts-Expertin Roma Schultz.

Schon während der Konferenz hallte Der LANGUAGE-MAGICIAN-Song aus den verschiedenen Seminarräumen über die Gänge – mit wehenden Umhängen und Goldstern-geschmückten Zauberhüten wurde der Tag mit dem europäischen Ohrwurm beschlossen: „Befrei die Tiere, aber nicht mit Geld, Sprache ist dein Tor, dein Tor zur Welt..."