Film Evelyn Schmidt: Das Fahrrad

Das Fahrrad © DEFA-Stiftung Dietram Kleist

Di, 12.11.2019

Goethe-Institut London

50 Princes Gate
Exhibition Road
SW7 2PH London

Evelyn Schmidts einfühlsames Portrait einer alleinerziehenden Mutter und ungelernten Arbeiterin, die ihre entmenschlichende Arbeit ablehnt und Versicherungsbetrug begeht, um zu überleben. Der Film zeigt viel Gespür für das soziale Umfeld der Protagonistin und verdeutlicht, dass es auch im Sozialksmus Klassenunterschiede gab. Der Film kam in der DDR nie in die Kinos, entsprach er doch nicht der offiziellen Vorstellung von einer Arbeiterin und verantwortungsvollen Mutter.

Mit einer Einführung von Helen Hughes, University of Surry.

Susanne ist alleinerziehende Mutter. Als ungelernte Arbeiterin steht sie auch in der DDR am unteren Ende der beruflichen und sozialen Hierarchie. Freundinnen und Bekanntschaften sucht sie unter Außenseitern. Nachdem sie eine als bedrückend empfundene Arbeitsstelle als Stanzerin gekündigt hat, wird ihr Geld immer knapper. Von einer Freundin ermuntert, meldet sie ihr Fahrrad als gestohlen und kassiert die Versicherungssumme. Gerade als sie sich zu fangen scheint und in einer Beziehung mit dem strebsamen Ingenieur Thomas glücklich zu werden hofft, fliegt der Betrug auf. Susanne droht ein Strafverfahren … Mit Empathie und Verständnis beschreibt Evelyn Schmidt die emotionalen Krisen ihrer Protagonistin. Sozial stimmig enthüllte ihr Film die Kluft zwischen den Klassen in der DDR-Gesellschaft, die bis in die Liebesbeziehungen reicht. Mit ihren elliptischen Auslassungen und der lakonischen Erzählweise wirkt die Emanzipationsgeschichte noch heute modern. Von Kritikern und der Studioleitung als „verwirrend“ und „misslungen“ eingestuft, zeichnete Das Fahrrad ein realistisches Bild der DDR – ihrer sozialen Verkrustungen wie ihrer alternativen Freiräume, ohne diese zu idealisieren. (Berlinale)

DDR 1982, Farbe, DCP, digital restaurierte Version 2018, (35mm), 90 Min. Mit englischen Untertiteln.
Regie: Evelyn Schmidt, Buch: Evelyn Schmidt, nach einem Szenarium von Ernst Wenig, Kamera: Roland Dressel, Schnitt: Sabine Schmager, Musik: Peter Rabenalt, Sound: Gerhard Baumgarten, Brigitte Pradel, Szenenbild: Marlene Willmann, Kostüm: Ursula Strumpf. Mit Heidemarie Schneider, Roman Kaminski, Anke Friedrich, Gertrud Brendler, Birgit Edenharter, Heidrun Bartholomäus, Gisela Bestehorn, Johanna Clas, Detlef Plath, Andrej Hoffmann.



Helen Hughes unterrichtet Filmwissenschaften an der University of Surrey. Sie ist Autorin mehrerer Zeitschriftenartikel und Buchkapitel zum deutschsprachigen Film sowie des Buchs Green Documentary. Zur Zeit beendet sie ein Buch mit dem Titel Radioactive Documentary: Filming the nuclear environment after the Cold War.
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