Filmvorführung + Q&A Ulrike Ottinger: Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse

Dorian Gray in the Mirror of the Yellow Press © Ulrike Ottinger

Sa, 25.01.2020

Goethe-Institut London

50 Princes Gate
Exhibition Road
SW7 2PH London

Ulrike Ottingers ironische und opernhafte Reflexion über Macht, Manipulation von Medien und Identität mit Delphine Seyrig als intrigante Frau Dr. Mabuse und Model Veruschka von Lerndorf in der Rolle des dandyhaften Titelhelden.
 

Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch zwischen Ulrike Ottinger und Angela McRobbie, Professor of Communication, Goldsmiths University of London.
 
Die Direktorin eines internationalen Medienkonzerns, die gerissene Dr. Mabuse, gespielt von einer wunderbar böswilligen Delphine Seyrig, entwickelt einen Plan, um den Absatz ihrer Zeitungen zu steigern. Ihre Strategie ist es, eine Kunstfigur zu erschaffen und aufzubauen, die alle lieben, um diese dann wieder zu zerstören und die Geschichte ihres Untergangs an ihre LeserInnen zu ‚verfüttern‘. Dorian Gray ist der Star, bzw. das Opfer ihrer Wahl. Gespielt wird er von dem androgynen Starmodel Veruschka von Lehndorff, die u.a. durch ihren Auftritt in Antonionis Blow Up bekannt wurde. Dr. Mabuse nimmt den narzisstischen Dandy mit in die Oper, wo er sich in die Sängerin Andamana verliebt, stellt ihn auf einem Presseball vor, ., und führt ihn in die Unterwelt ein. Die Zeitungsauflangen steigen, aber Dorian Gray beginnt zu rebellieren. Um ihre futuristische Medienkritik in Szene zu setzen, mischt Ottinger respektlos Elemente von Avantgarde-Kunst, Pop und Underground sowie aus verschiedenen Weltkulturen zu einem phantasievollen Stück low-tech Science-Fiction. Kostüme und Make-up sind fantastisch und unterstreichen Ottingers lustvolles Spiel mit den Geschlechterrollen auf wunderbare Weise.

BRD 1984, Farbe, DCP (35mm), 151 Min, Deutsch und Französisch mit englischen Untertiteln. Buch, Regie und Produktion: Ulrike Ottinger. Mit Delphine Seyrig, Veruschka von Lehndorff, Tabea Blumenschein, Toyo Tanaka, Irm Hermann, Magdalena Montezuma, Barbara Valentin, und vielen anderen.
 
Ulrike Ottinger wird am Sonntag, den 26. Januar, um 14 Uhr im Ciné Lumière anwesend sein, um über ihren Film Johanna d'Arc of Monglia zu sprechen. Beide Vorführungen sind Teil von Tribute to Delphine Seyrig – Actress, Director and Activist. Die Reihe läuft vom 1. Dezember 2019 bis zum 4. Februar 2020 im Ciné Lumière.

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Ulrike Ottinger (geb. 1942) ist eine der bekanntesten deutschen Avantgarde-Künstlerinnen, die für ihre Malerei, Fotografien und vor allem ihre Spiel- und Dokumentarfilme bekannt ist. Durch eine surrealistische Linse thematisiert ihre Arbeit die Rolle der Macht und ihre Fähigkeit, Unterschiede zu unterdrücken und Menschen auszugrenzen. Ihre Arbeiten zeichnen sich dur eine radikale Auseinandersetzung mit Sexualität und Geschlecht sowie das Hinterfragen traditioneller Rollenmuster aus, die sich in starken und außergewöhnlichen weiblichen Charakteren manifestieren. Als Autorin, Regisseurin und Produzentin leistet Ulrike Ottinger mit ihren Filmen seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Frauenbewegung.
 
Angela McRobbie ist Professor of Communications bei Goldsmiths, University of London. Ihre aktuellen Buchveröffentlichungen sind Be Creative: Making a Living in the New Culture Industries (Polity 2015) und Feminism and the Politics of Resilience (Polity 2020).
 

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