„Science Meets Journalism“
Optimistisch in die Zukunft

Hashem Al-Ghaili, Ashraf Amin, Ola Elshafei, Mohamed Soliman (v.l.n.r.) diskutieren zur Entwicklung von Science Fiction im arabischen Sprachraum.
Hashem Al-Ghaili, Ashraf Amin, Ola Elshafei, Mohamed Soliman (v.l.n.r.) diskutieren zur Entwicklung von Science Fiction im arabischen Sprachraum. | Foto (Ausschnitt): © Aly Zaraay

Über Jahrzehnte war die Science Fiction vornehmlich westlich geprägt. Eine Diskussion auf der „Science Meets Journalism“-Konferenz des Goethe-Instituts in Ägypten warf indes ein Schlaglicht auf die arabische Science Fiction.

Ein Unternehmer verwendet Gesteinsbrocken aus dem All, um einen Ring rund um die Erde zu bauen. Das gigantische Bauwerk dient fortan den Reichen der Erde als Rückzugsort – die Armen müssen sich mit dem zufriedengeben, was noch von der verheerten Erde übrig ist.

Das Szenario bildet die Basis für „Orbit“, einen für Ende 2021 angekündigten Film des jemenitischen Videoproduzenten und Wissenschaftsjournalisten Hashem Al-Ghaili. Dessen bildgewaltiger Kurzfilm „Simulation“ avancierte vor zwei Jahren dank Social Media zu einem Netzhit und räumte einige Festivalpreise ab. 2022 erscheint mit „Simulation: The Great Escape“ ein dazugehöriger Roman, ebenfalls aus der Feder Al-Ghailis.

Dessen Werke stehen exemplarisch für die vorsichtige Aufbruchsstimmung, in der sich die Science Fiction im arabischen Raum aktuell befindet. Über eben diese diskutierte Al-Ghaili gemeinsam mit der Filmkritikerin Ola Elshafei und dem Drehbuchautor Mohamed Sulaiman AbdulMalek in einem von Ashraf Amin moderierten Panel im Rahmen der Konferenz „Science Meets Journalism“. Gemeinsam skizzierten sie zunächst den Weg vor allem der ägyptischen Fantasy- und Science Fiction-Filmlandschaft, die – trotz der phantastischen Storytelling-Tradition gerade in den ländlichen Gegenden Ägyptens – lange nur vereinzelt Genre-Titel wie etwa Alaa Mahgoubs „The Dance with the Devil“ vorzuweisen hatte.

Schwieriger Umgang mit kulturellen Tabus

Zuletzt haben die Genre-Produktionen zugenommen, aber gerade für die Science Fiction gilt es, einige Hürden zu überwinden. Das umfasst die vergleichsweise hohen Produktionskosten, aber auch den schwierigen Umgang mit kulturellen Tabus. Beliebt ist der Diskussion nach vor allem die Hard Science Fiction, Werke also mit direkten naturwissenschaftlichen oder technologischen Bezügen; diese bergen aber zugleich die Gefahr, mit religiösen Themen in Konflikt zu geraten. Während solche Konflikte in westlichen Produktionen toleriert werden, ist das bei heimischen Veröffentlichungen ein heikleres Thema, da die Distanz verloren geht.

Viele Science Fiction-Werke aus dem arabischen Raum zeigen sich von westlichen Filmen beeinflusst. Beispielsweise erinnert die Ausgangssituation von „Orbit“ sehr an Neill Blomkamps „Elysium“, während „Simulation“ von „Matrix“ inspiriert wurde. Anekdotisch erzählt Hashem Al-Ghaili in diesem Zusammenhang davon, wie er Kurzgeschichten via Social Media veröffentlichte und die Leser*innen ihm daraufhin berichteten, wo sie von solchen Ideen schon mal gelesen hätten. Es mag schwierig geworden sein, im dicht beschriebenen Science Fiction-Markt gänzlich neue Themen zu finden, Al-Ghailis Filme zeigen dennoch einen kulturell eigenen Umgang mit Themen wie gesellschaftlicher Separation oder virtuellen Welten. Wie westliche Trends mit dem eigenen kulturellen Erbe verknüpft werden, beschreibt auch Ola Elshafei am Beispiel des Vampirhypes, der zwar in Ägypten aufgegriffen worden sei, aber eben mit „lokaltypischeren“ Monstern.

„There is hope, but it will take some time“

Aktuell befindet sich die ägyptische beziehungsweise allgemein die arabische Science Fiction in einem Selbstfindungsprozess. Sie nimmt die Science im Titel dabei sehr ernst, obgleich alle Panel-Teilnehmer*innen betonen, dass nicht nur das Mögliche imaginiert werden solle. In der Produktion hat das Mögliche dabei noch einige Hürden zu überwinden, aber gerade in der jüngeren, Social-Media-affinen Zielgruppe ist das Interesse an arabischer Science Fiction groß. Oder, um es mit den Worten von Mohamed Sulaiman AbdulMalek zu sagen: „There is hope, but it will take some time.“ (Hoffnung ist da, doch es wird einige Zeit brauchen.)