Theatertreffen in Berlin Austausch über Grenzen hinweg

Das Internationale Forum in Berlin
Das Internationale Forum in Berlin | © Piero Chiussi

Das jährliche Theatertreffen im Rahmen der Berliner Festspiele ist das bedeutendste Festival der deutschsprachigen Theaterlandschaft und wichtiges Netzwerk für Theaterschaffende aus aller Welt. Die griechische Bühnenbildnerin Ermina Apostolaki hat letztes Jahr teilgenommen und berichtet für das Goethe-Institut über ihre Erfahrungen.

Ein wichtiges Ereignis des Theatertreffens ist das Internationale Forum. Ein ausgeschriebenes Programm für Theaterschaffende bis 35 Jahre. Das Internationale Forum versteht sich vor allem als Plattform für theoretischen und praktischen Austausch. Hier treffen sich junge Künstler aus aller Welt um Ideen auszutauschen, neue Fähigkeiten zu erwerben und den Grundstein für Grenzen überschreitende Kooperationen und Partnerschaften zu setzen. In diesem Jahr findet das 55. Theatertreffen vom 4. bis 21. Mai 2018 statt.
 
Auch die Bühnenbildnerin und Stipendiatin des Goethe-Instituts Ermina Apostolaki hat im Mai 2017 innerhalb des 54. Theatertreffens am Internationalen Forum in Berlin teilgenommen.

Für Apostolaki war dies nicht nur eine einmalige Chance das Theaterleben der deutschen Hauptstadt näher kennenzulernen, sondern auch eine gute Möglichkeit sich mit anderen Künstlern zu vernetzen. Ihr erstes dort entstandenes Projekt nimmt bereits Formen an. Im November 2017 stellte die griechische Bühnenbildnerin zusammen mit der Dramaturgin Fjolla Hoxha aus dem Kosovo die Idee zur Gründung eines Balkan-Theaterfestivals vor.

Ermina Apostolaki © Ermina Apostolaki Theaterschaffende aus Griechenland, die in den vergangenen Jahren am Internationalen Forum beteiligt waren, sind unter anderem die Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris sowie der Schauspieler Nikolas Chanakoulas. In diesem Jahr wird die Regisseurin Katerina Giannopoulou aus Athen teilnehmen.

Nur selten sind Bühnenbildner bei dieser Veranstaltung anwesend. Ermina Apostolaki merkt in diesem Zusammenhang an, dass die Bedeutung des Bühnenbilds am deutschen und vor allem am griechischen Theater, ihrer Meinung nach nicht genügend Anerkennung erhalte. "Unter den 38 Teilnehmern waren nur drei Bühnenbildner. Das ist angesichts der Tatsache, dass Stipendien an alle Theaterschaffenden vergeben werden einfach zu dürftig“, berichtet Apostolaki und fügt hinzu, „leider liegt der Fokus bei solchen Veranstaltungen vor allem auf den Regisseuren und den Schauspielern und je nachdem in welchem Land sie stattfinden, vielleicht noch auf den Dramaturgen…die Bühnenbildner kommen meist zuletzt."

Zwei Wochen, die dem Theater gewidmet sind

Während des Internationalen Forums verfolgen die teilnehmenden Stipendiaten  zahlreichen Vorführungen im Haupt- oder Nebenprogramm des Theatertreffens. Den Rest der Zeit besuchen sie Workshops, die von hochrangigen Künstlern geleitet werden. "Das Festival hat seine Aktivitäten ausgeweitet. Sie finden nicht mehr ausschließlich im Rahmen der Berliner Festspiele, sondern auch an alternativen Orten der Stadt statt. Unter anderem haben wir eine bemerkenswerte Produktion mit dem Titel Borderline Projection in den Räumen einer verlassenen Fabrik in Schöneweide gesehen", erzählt Ermina Apostolaki.
 
Der Referent eines Workshops, an dem auch die Bühnenbildnerin teilgenommen hatte, war der belgische Künstler Kris Verdonck, "wir haben gemeinsam einen Text von J.G. Ballard analysiert und am Ende eine kleine Vorstellung veranstaltet. Ich setze mich gerne mit Texten auseinander und obwohl mich Science-Fiction-Literatur nicht wirklich anzieht, war das eine sehr interessante Erfahrung, auch besonders weil Kris mit uns tief in Ballards Werk eingedrungen ist."
 
Unter den Teilnehmern entstand außerdem eine sehr positive Gruppendynamik, die kein Konkurrenzdenken zuließ. "Sicher half dabei, dass wir alle in verschiedenen Sparten des Theaters arbeiten“, erwähnt Apostolaki.  Die Teilnehmer stehen weiterhin miteinander in Kontakt, tauschen Vorschläge aus und besuchen sich untereinander.

Der Plan eines Balkan-Festivals

"Ich habe besonders eng mit der Schriftstellerin Fjolla Hoxha aus dem Kosovo zusammengearbeitet. Wir haben ein Projekt auf die Beine gestellt, das wir auf dem Plenary Meeting des IETM (International network for contemporary performing arts) in Brüssel vorgestellt haben." Fügt sie noch hinzu. Die Idee der beiden Künstlerinnen ist es, ein Festival für zeitgenössisches Theater mit dem Titel Stitching Periphery auf dem Balkan zu organisieren, welches jedes Jahr in einer anderen Stadt veranstaltet werden und auf dem Prinzip der Ausschreibung (Open Call) funktionieren soll.
 
"Auf dem Balkan gibt es eine lebendige Kunstszene. Es ist schade, dass keine Strukturen existieren, die den Austausch zwischen jungen Künstlern in diesen Ländern fördern. Es gibt Theaterfestivals, die allerdigs auf dem Prinzip der Einladung funktionieren und nicht wirklich für Nachwuchskünstler offen sind."

Eine Abteilung des IETM konzentriert sich auf Projekte junger Künstler, die Mitarbeiter oder Finanzierungen suchen. Die Idee von Apostolaki und Hoxha wurde in das Programm aufgenommen und vom Publikum positiv diskutiert. "Einige Institutionen haben die Idee hinterher mit uns besprochen und stehen einer eventuellen Zusammenarbeit aufgeschlossen gegenüber. Das war eine sehr interessante Erfahrung und hat uns den Antrieb gegeben weiterzumachen“.
 
Ermina Apostolaki hofft, dass auch andere griechische Künstler zukünftig die Gelegenheit wahrnehmen am Internationalen Forum teilzunehmen. Sie möchte die Veranstaltung bekannter machen, denn für die zahlreichen Nachwuchstalente der griechischen Theaterlandschaft sei dies eine einzigartige Chance, die zwar viele noch nicht kennen, aber mit Sicherheit sehr schätzen würden.
 

Ermina Apostolaki ist Bühnenbildnerin. Sie hat in Piräus Unternehmensmanagement studiert und belegte gleichzeitig das Seminar Bühnen- und Kostümbild am Vakalo Art and Design College. Sie hat an verschiedenen Workshops im Bereich Bühnen- und Kostümbild in Griechenland und im Ausland teilgenommen.
Ermina arbeitet für das Kino und das Theater. Ihre Arbeiten sind auf verschiedenen Festivals vorgestellt worden (Internationales Filmfestival Athen, Month of Performance Berlin, Inzucht Festival Berlin, Cinequest Film Festival, Palm Springs International Film Festival & ShortFest u.a.). Außerdem hat sie an Theatern in Athen und Berlin gewirkt (Schaubühne, Dock11, Acker Stadt Palast, Theater der Neuen Welt Athen, Experimentelle Bühne am Nationaltheater, Stadttheater Piräus) und ihre Arbeiten für die Theaterstücke Madafakas mit dem Hut und Don't forget to go home sind auf der World Stage Design Exhibition 2017 gezeigt worden.