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New Greek Wave Festival in Bremen
Bremen is the new Athens

  New Greek Wave Festival in Bremen
New Greek Wave Festival in Bremen | Isabelle Becker/Theater Bremen

Anfang Mai 2018 feierte das Theater Bremen die New Greek Wave. Die dort gezeigte Werkschau der Experimentierbühne „-1“ des griechischen Nationaltheaters brachte zeitgenössische Stücke auf die Bühne. Eingeladene Künstlerinnen und Künstler zeigten sich beeindruckt von der familiären Atmosphäre und von dem aufgeschlossenen Publikum. 

Von Gerasimos Bekas

Wo es Krisen gibt, sind Künstler nicht weit. Gesellschaftliche Umbrüche sind immer auch Wiegen der Kreativität. Unter dem Label „Greek Weird Wave“ haben es Filmemacherinnen und Filmemacher wie Lanthimos, Tzoumerkas oder Tsangari zu internationalem Ansehen gebracht. In der Theaterwelt hat sich seit Terzopoulos keine neue griechische Handschrift etablieren können, auch wenn griechische Theaterschaffende insgeheim ein Exportschlager sind und das nicht nur weil sie in Griechenland kaum von ihrem Beruf leben können. Viele suchen auf den Spuren Brechts oder Becketts die Herausforderung in Theatermetropolen wie Berlin oder Paris. Einige besetzen Posten an kleineren Stadttheatern. 
 
Internationales Publikum geht in Griechenland dennoch meist ins Theater, um die antiken Schauplätze in Athen und Epidaurus zu sehen und nicht unbedingt wegen der Inszenierungen. Auch die Sprachbarriere ist nicht zu unterschätzen.

Die drei Bremer Dramaturginnen Isabelle Becker, Caroline Anne Kapp und Marthe Labes haben mit dem Festival New Greek Wave den Versuch unternommen, dies zu ändern. Zumindest das Bremer Publikum haben sie mit den fünf Athener Produktionen erreicht. 
 

  • Theater Bremen: NEW GREEK WAVE Isabelle Becker/Theater Bremen
  • Theater Bremen: NEW GREEK WAVE Isabelle Becker/Theater Bremen
  • Theater Bremen: NEW GREEK WAVE Isabelle Becker/Theater Bremen

 

ATHENER GROTESKE

Das Festival startete mit einem Reimport. Wolfram Lotz’ Stück Die lächerliche Finsternis kam in seiner griechischen Erstaufführung von Katerina Giannopoulou nach Bremen. Die junge Regisseurin, die 2018 auch Stipendiatin des Internationalen Forums des Berliner Theatertreffens war, adaptierte Lotz’ schrägen Humor und seine Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Vorurteilen für das griechische Publikum und erntete dafür auch in Bremen begeisterten Applaus.
 
Simos Kakalas gab in einer improvisierten Performance den Karagiozis mit Akkordeon, Fustanella und Kapitänsmütze und nahm dabei die deutsch-griechischen Beziehungen der letzten Jahre aufs Korn.
 
Auch das Erfolgsstück Clean City machte Station in Bremen. Als griechische Faschisten vor einigen Jahren anfingen, verstärkt von Reinheit und Sauberkeit zu sprechen, fragten sich Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris, wer denn eigentlich Athen sauber macht. 2016 feierte Clean City Premiere und seitdem geben fünf migrantische Putzfrauen ihre persönlichen Antworten darauf und teilen ihren Weg mit den Zuschauern.
 
Kostas Koutsolelos und Vaso Kamaratou zeigten mit ihrer Performance Lasciatemi morire den fatalen Mikrokosmos einer Paarbeziehung in der Krise. Mit ihren improvisierten, messerscharfen und unverblümten Dialogen illustrierten sie ein Lebensgefühl, das zwischen Eskapismus und latenter Todessehnsucht schwankt und dabei alles mitreißt, was sich ihm in den Weg stellt.

Austausch bei Freddo Espresso und Wein 

Bei den Gesprächen nach den Vorstellungen ging es nicht nur um die Zukunft der griechischen Kulturszene und darum, was typisch griechisches Theater sei. Das Bremer Publikum teilte auch Urlaubserinnerungen und debattierte die beliebtesten Inseln der Ägäis.
 
Christian, der Kantinenwirt des Theaters, hatte bereits am zweiten Festivaltag das „Freddo Espresso-Prinzip" verstanden und bot das Getränk an, das sich in deutschen Cafés erst allmählich etabliert.
 
Ein älterer Herr, der sich als Herr Grigoris vorstellte, kam als Gastarbeiter und lebt seit den sechziger Jahren in Bremen. Er war vollkommen begeistert von den Stücken, die er zu sehen bekam und beglückwünschte jeden Beteiligten persönlich. Der Gastronom im Ruhestand geriet ins Schwärmen und sah in den jungen Künstlerinnen und Künstlern die legitimen Nachfolger von Aristophanes und Sophokles.
 
Auch Griechenland-versierte Bremer zeigten sich fasziniert von der Vielfalt der gezeigten Stücke und der Spielfreude der angereisten Schauspielerinnen und Schauspieler. Abends, nach den Vorstellungen, saßen sie alle beieinander. Theatermacher, Schaulustige, Philhellenen, Deutsch-Griechen und Greco-Deutsche sprachen über das Theater, die Krise und die Zukunft. So könnte er aussehen, der deutsch-griechische Dialog. Vielstimmig, solidarisch und zugewandt. Für ein Wochenende war er am Bremer Goethe-Platz greifbar.
 

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