Kreativwirtschaft Kultur als Instrument von Kohäsion

Kultur als Instrument_Magazin
Artecitya | Foto: Ingo Dünnebier

Für das Projekt Artecitya versammelten sich im Januar 2015 Vertreter aus acht Städten in Thessaloniki. Können Künstler, städtische Behörden und Investoren ein neues Klima der Zusammenarbeit schaffen? Die Journalistin Margarita Pournara berichtet.

Ausgangspunkt ist ein so bemerkenswerter wie realistischer Befund: Bei Nationalstaaten handelt es sich um eine Institution des 19. Jahrhunderts, die aus einer immer schwächeren Position heraus bemüht ist, Probleme globaler Dimensionen zu bewältigen. Städte dagegen geraten zunehmend in den Fokus als flexible, widerstands- und funktionsfähige Systeme, die fähig sind, auf hohem Anspruchsniveau mit Phänomenen wie Epidemien, sozialer Ungleichheit oder Umweltproblemen umzugehen, und zwar ohne die für Staatgebilde typischen Beschränkungen und Ressentiments.
Auf dieser Folie erschließt sich uns ein verheißungsvolles Projekt, das sieben europäische Städte betrifft und vom Geist einer neu begründeten Synergie getragen ist. Dabei geht es um innovative Herangehensweisen, mittels derer Kunst eine dynamische Vorreiterrolle für gesellschaftliche Integration entwickelt und dafür einsteht, dass Spannungspole ausgeglichen werden und insgesamt ein Klima entsteht, in dem konfessionelle und wirtschaftliche Konfliktkonstellationen deeskalierbar werden.

Kick-off-Treffen

So etwa könnte man das Konzept des Projekts Artecitya beschreiben, für dessen Präsentation im Januar 2015 eigens eine Tagung am Goethe-Institut Thessaloniki stattfand. Acht Kulturinstitutionen in sieben europäischen Städten kooperieren dabei im Rahmen eines EU-Programms: Straßburg (Frankreich), Berlin (Deutschland), Ljubljana (Slowenien), Gdańsk (Polen), Nicosia (Zypern), Prag (Tschechien) und Thessaloniki (Griechenland).
Bis 2018 sollen Künstler, Architekten und Kreative zusammen mit den Bürgern der beteiligten Städte für eine aktive Teilnahme an der Stadtplanung gewonnen werden. Hauptsächlich soll es darum gehen, ein neues Verständnis urbanen Leben zu entwickeln und auszuformen.
Hört sich das womöglich ziemlich theoretisch an? Führen wir uns ein  Beispiel vor Augen: Die teilnehmende Kulturplattform „Apollonia“ aus Straßburg kann bereits positive Ergebnisse vermelden. Ihre Akteure konzentrierten sich auf eines der am meisten vernachlässigten Stadtgebiete, das bis vor kurzem alle Zeichen eines Ghettos aufwies. Zahlreiche junge Bewohner waren Drogenhändler oder –konsumenten, die Kriminalitätsrate vergleichsweise deutlich erhöht. Doch gelang es, in Zusammenarbeit mit der jungen Generation des Viertels Mikrointerventionen in der städtischen Struktur durchzuführen.

Goethe-Institut

Dies und weitere spannende Dinge konnte man in Thessaloniki erfahren. Dort ist das Projekt am Goethe-Institut angesiedelt und wird von dessen engagiertem Direktor Peter Panes geleitet. Er schätzt sich glücklich, unser Land in diesem Zusammenhang vertreten zu dürfen, wie er uns sagte. Zusammen mit Christos Savvidis und Lydia Chatziiakovou von Artbox sowie dem Kunsttheoretiker Sotirios Bahtsetzis hat er sich bereits in die Arbeit gestürzt. Man plant nun einschlägige Aktionen, die über das Programm Creative Europe Culture von der EU-Kommission finanziert werden.