Gaming Gaming in Griechenland

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Gaming | © Vangelis Patsialos

Videospiele haben sich in den vergangenen zehn Jahren in rasantem Tempo zu einer der zweifellos stärksten Branchen der digitalen Unterhaltungsindustrie entwickelt. Weltweit haben Millionen Menschen mindestens eine Spielplattform zu Hause und die meisten nutzen diese auch für Videospiele in ihrer Freizeit.

Unter den Begriff Gaming fällt allerdings eine riesige Bandbreite von Spielen - angefangen von kleinen Apps für soziale Medien bis hin zu online-Wettkämpfen bei eSports oder von beliebten Spielen für Mobiltelefone bis hin zu fertigen Titeln, die weltweit millionenfach verkauft werden. Welchen Anteil am Kuchen der Gaming-Industrie hat nun Griechenland und wie sieht das typische Profil des griechischen Gamers aus?
 
Gaming hat sich in Griechenland zwar vergleichsweise spät verbreitet und ist genau genommen noch dabei, sich zu verbreiten, aber nach Angaben von www.vice.com-gr  spielen 25% der Griechen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren Videospiele. Bei einer gezielteren Untersuchung des Spielverhaltens ergibt sich, dass 50% der Spieler zwischen 20 und 30 Jahren alt sind und 31% mehr als 20 Stunden in der Woche für ihr geliebtes Hobby aufwenden. Diese Zahlen sprechen bereits für sich, aber wenn wir bedenken, dass die meisten griechischen Spieler mehr als nur eine Spielplattform zu Hause haben -  auch wenn der PC hier die erste Wahl bleibt -, dann können wir uns ein erstes Bild davon machen, wie verbreitet das Phänomen in unserem Land ist.

Meisterschaften und Veranstaltungen mit satten Preisen

Neben Videospielen in den eigenen vier Wänden gibt es aber auch zahlreiche Veranstaltungen, die um das zentrale Thema Gaming kreisen und die haben in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt. Jedes Jahr veranstalten Internet-Café-Ketten und Gaming-Organisationen in Griechenland unzählige Tourneen, von denen viele Monate dauern und den Siegern Preise bescheren, die keineswegs zu verachten sind. Seitdem beliebte online- Spiele wie League of Legends, Hearthstone, Counter Strike, Fifa und andere Videospiele jeglicher  Art die Herzen der Spieler erobert haben, steigen die Teilnehmerzahlen bei den Meisterschaften. Dazu kommen diejenigen, die Gefallen daran haben, einfach nur als Zuschauer die Wettbewerbe der Gruppen zu verfolgen und das sind nicht wenige.
 
Die Veranstaltungen erschöpfen sich aber nicht in Tourneen. Vielmehr finden jedes Jahr mindestens 3 wichtige Gaming Events in ganz Griechenland statt, von denen das eGaming der Internationalen Messe von Thessaloniki mit 100.000 Besuchern das größte Gaming Event des Balkans ist. Auf diesen Veranstaltungen gibt es alljährlich Wettbewerbsarenen, Tourneen, Cosplay- Verkleidungswettbewerbe mit Preisgeldern in riesiger Höhe; große Spielentwicklerfirmen kommen zur Erstpräsentation ihrer Titel lange vor deren Erscheinen; Reden und Podiumsdiskussionen von Veteranen der internationalen Industrie und viele andere interessante Aktivitäten lassen die  gamers community zusammen wachsen und bieten Jung und Alt mitreißende Erfahrungen. Entsprechende  Events werden auch für die Programmierer der Videospiele organisiert. Game Jams fordern jedes Jahr Gruppen von Spielentwicklern, Programmierern und Spieldesignern zum Wettbewerb in der Entwicklung von  Videospielen heraus und eine ganze Reihe von Teilnehmern haben auch den nächsten Schritt gemacht und ihre Werke weltweit auf den Markt gebracht.

Das Hobby zum Beruf machen

Elektronische Sportwettkämpfe, bekannt als eSports sind ebenfalls ein Teil des Gaming, das sich vor allem im Ausland entwickelt und Millionen von Fans hat, die die großen Wettkampfspiele sogar auf Sportplätzen und in Kinosälen verfolgen. In letzter Zeit hat sich eSports aber auch in Griechenland als Institution etabliert, die viele Gamer anzieht. Ebenso sehr interessieren sich große Firmen für die Szene der eSports und als Sponsoren beteiligen sie sich an Tourneen und fördern professionelle Gruppen.
 
Griechische Spitzenspieler haben es bis in die internationalen Arenen der großen eSports-Veranstaltungen geschafft. Ein bedeutendes Beispiel ist Konstantinos Tzortziou, der an dem weltweiten Wettbewerb LCS des Spiels League of Legends teilgenommen und 2014 ein festes Gehalt von der Entwicklerfirma des Spiels bezogen hat und seine  Karriere mit vielen internationalen Auszeichnungen fortsetzt. Falls Ihnen der Begriff elektronische Sportwettkämpfe unbekannt ist: es handelt sich um Videospiele im Internet, die auf ihren Wettkampfteil fokussiert sind und Spielern oder Spielergruppen die Möglichkeit geben, sich in Wettkämpfen zu messen, die jeweils bis zu einer Stunde dauern.
 
Laut einer Studie des Marktforschers Super Data, die auf der Nachrichtenseite www.in.gr veröffentlicht worden ist, hat der Markt von eSports in Europa ein Volumen von mindestens 300 Millionen Dollar und ca. 23 Millionen fanatische Fans. In Griechenland erreichen die Einnahmen aus elektronischen Sportwettkämpfen 700.000 Euro und verzeichnen kontinuierlich einen jährlichen Anstieg von 10%. Für manche ist das ein Hobby, für andere Karriere, denn eSports ist für professionelle hard core Spieler durch Verträge, Sponsoren und tägliches Training in den Wettkampfarenen der Spiele zu einer Einnahmequelle geworden.

Kämpferische griechische Spielerinnen

In Griechenland ist allerdings  - abgesehen von der ständig steigenden Beliebtheit - der Anteil von inzwischen knapp 20% weiblicher Fans das bemerkenswerteste Phänomen an den eSports, womit der Prozentsatz leicht über dem europäischen Durchschnitt liegt. In Spanien machen die Frauen 13%, in Russland 15% aus (in.gr). In Amerika weicht der Prozentsatz der weiblichen kaum von dem der männlichen Spieler ab. Gaming ist zwar ein für alle offenes und zugängliches Hobby, doch die digitale Spielindustrie ist dem weiblichen Geschlecht jahrelang mit einem unterschwelligen Sexismus und mit Stereotypen begegnet, von denen sie sich aber nun zum Glück zu befreien scheint.
 
Wenn wir aber einmal die elektronischen Sportwettkämpfe bei Seite lassen, scheinen griechische Videospielerinnen ihren Zeitaufwand sehr viel stärker zu kontrollierten als die männlichen Spieler – die Frauen spielen im Durchschnitt nicht mehr als 10 Stunden in der Woche. Großes Interesse zeigen die Frauen auch für virtuelle Realität und interaktive Bewegungsspiele (Tanz, Gymnastik, Training). Da die Geräte für virtuelle Realität ein breites Spektrum an Spielen jeder Art anbieten, können sie leicht das Interesse auf diese neue Technologie lenken, die eine umfassende und besondere Erfahrung bei der Erforschung andersartiger Welten bietet.
 
Griechenland scheint die Welt des Gaming mit stetig steigender Tendenz angenommen zu haben und dabei viele europäische Länder hinter sich zu lassen. Wir können in den kommenden Jahren noch mehr Auszeichnungen für einheimische  Spielveteranen, beeindruckende Veranstaltungen nach internationalen Standards und Spitzenmeisterschaften erwarten und dürften noch große Momente erleben.