ARTECITYA - Visionen einer Stadt

Theodoros Zafeiropoulos: „Homeland“
Theodoros Zafeiropoulos: „Homeland“ | © Theodoros Zafeiropoulos

Wie sieht die Stadt aus, in der wir künftig leben wollen? Wie kann man den Wandel so konzipieren, dass aktuelle Bedürfnisse von Bürgern genauso so berücksichtigt werden wie lokale und globale Veränderungen? Das Goethe-Institut Thessaloniki griff eine Initiative von ArtBOX auf, diesen Fragen zusammen mit Künstlern, Architekten und Stadtplanern unter aktiver Bürgerbeteiligung nachzugehen und engagiert sich seither konzeptionell und operational im europäischen Kooperationsnetz ARTECITYA.

ARTECITYA ist ein Netzwerk von neun Kulturinstitutionen in acht europäischen Städten, die im Rahmen eines EU-Programms kooperieren: Apollonia (Straßburg, Frankreich), Goethe-Institut und Helexpo/International Fair (Thessaloniki, Griechenland), ARTos foundation (Nikosia, Zypern), Bellastock (Paris, Frankreich), CCEA/Centre for Central European Architecture (Prag, Tschechien), KUNSTrePUBLIK (Berlin, Deutschland), Laznia (Gdansk, Polen) und MoTA (Ljubljana, Slovenien). Koordiniert wird das Projekt vom Thessaloniker Goethe-Institut in enger Zusammenarbeit mit dem ArtBOX-Team, bestehend aus Christos Savvidis, Lydia Chatziiakovou und dem Kunsttheoretiker Sotirios Bahtsetzis. Von Thessaloniki aus startete ARTECITYA im Januar 2015 mit einem publikumsoffenen Kick-off-Meeting, an dem sämtliche Partnerinstitutionen teilnahmen. Bei der Venediger Biennale wurde ARTECITYA im Mai 2015 erstmals international präsentiert, zusammen mit „Explosion of Speech“, einem Projekt der schwedischen Künstler Mats Bigert & Lars Bergström. 

Art for Social Change

Bis 2018 haben Künstler, Architekten und Stadtplaner nun die Chance, innovative Konzepte für ein neues Verständnis urbanen Lebens zu entwickeln. Dabei sollen vor allem die Bürger der beteiligten Städte für eine Teilnahme an der Stadtplanung gewonnen werden. In Thessaloniki wird derzeit intensiv am Netzwerk „Agency“ als Kollektivpool von Interventionsakteuren gearbeitet. Die Agency ist als Inkubator das Herzstück des ganzen Projekts und kooperiert mit zuständigen kommunalen Stellen sowie mit  Basis-Initiativen, Wissenschaftlern und Kreativen; darüber hinaus initiiert und koordiniert sie die Vernetzung unter den Akteuren.
Für Christos Savvidis besteht kein Zweifel: Wenn das Projekt gelingt, dann wird sich am Ende die Auffassung von Kreativität und das Verhältnis zwischen Kunst und urbanem Raum verändert haben; auch Thessaloniki wird eine andere Stadt sein. Denn die Chancen der Kunst, zum sozialen Wandel beizutragen, müssten vor allem in Umbruchzeiten ergriffen werden. 

Keimzelle Goethe-Institut

Seit der zweiten Jahreshälfte 2015 steht das Areal des Goethe-Instituts Thessaloniki als öffentlicher Raum im Mittelpunkt von ARTECITYAs dialogischen Interventionen. Bis vor 20 Jahren war hier die Deutsche Schule Thessaloniki untergebracht, dann zog das Goethe-Institut ein. Parallel zur 60-Jahresfeier des Instituts im November 2015 haben der bisher kaum genutzte Vorhof, das Café und eine Trennmauer zum benachbarten Volkskundemuseum - nach Konzepten dreier griechischer Künstler - neue Perspektiven der Raumwahrnehmung und Partizipation eröffnet. Gemeinsam ist allen drei Interventionen der Rückgriff auf den Mythos Arkadien und die mit ihm verbundene Vision vom zwangsfreien Leben:
 

Anfang 2016 lief auch das ARTECITYA-Residenzprogramm für Künstler an, das ebenfalls seinen Sitz im Thessaloniker Goethe-Institut hat. Thematische Schwerpunkte dieses Programms sind Städte und Lebensalltag, die Nutzung öffentlichen Raums (d.h. dessen struktureller und interaktiver Gegebenheiten), historische Zeitzeugenberichte, Autonomisierung und Bestärkung von Individuen, Gruppierungen und Kollektiven, internationale Vernetzung, Stadtbranding und Zukunftskonzepte.

Als erstes Projekt wurde Plastisphäre ausgewählt, entwickelt von den deutschen Künstlern Swaantje Güntzel und Jan Philipp Scheibe. In Aktionen, Interventionen (öffentlicher und Innenraum) sowie einer performativen ortsspezifischen Installation im Areal des Alten Schlachthofs befasst es sich mit der Präsenz von Plastik in unserem Alltag und der damit einhergehenden Verschmutzung von Städten und natürlichen Ressourcen. Ortsspezifische und andere Arbeiten der Künstler werden im Thessaloniker Goethe-Institut dann im Frühjahr 2016 als Ausstellung gezeigt.
 
Unterstützt vom EU-Programm Creative Europa