Anja Kirschners „Moderation“ Ein Horrorfilm ohne Horror

Moderation
Moderation | © Pinelopi Gerasimou

Anja Kirschners „Moderation“ ist eine Studie über die Entstehung eines Horrorfilms im Film – inspiriert von Andrzej Żulawskis „Possession“.

In Moderation verfolgen wir die Vorproduktionsphase eines Horrorfilms, der in Griechenland, Ägypten und Italien spielen soll. Daher muss die Regisseurin (gespielt von Maya Lubinsky) wiederholt per Skype mit der ägyptischen Darstellerin (Aida El Kashef) in amüsanten Analysen das Genre Horrorfilm durchdiskutieren, die Griechin (Michele Valley) und den italienischen Schauspieler (Giovanni Lombardo Radice) zu Zugeständnissen bewegen und Verhandlungen mit der wählerischen amerikanischen Produzentin (Stavroula Siamou) führen. Wer wen darstellt, wann und wieso, wird ununterbrochen angezweifelt und umgedeutet.

HORROR IM ALLTAG

Diese Dekonstruktion der Filmentstehung wird durch Elemente des Absurden ergänzt, etwa mit dem Ausschnitt aus einer Reportage des ägyptischen Fernsehens, in dem ein Zehnjähriger mit kaum nachvollziehbarer Reife die politische Instabilität seines Landes analysiert. Letzten Endes bleibt es dem Zuschauer erspart, zum Zeugen eines Horrorfilms  zu werden, denn es geht Kirschner um etwas anderes: aufzuspüren, wie der Horror die Wirklichkeit verwandelt, indem er durch ein Trauma aus der Vergangenheit sickert und sich in der Gegenwart festzusetzen versucht.

Anja Kirschner, geboren in Deutschland, hat in Großbritannien studiert. Ihre Arbeiten (Videokunst und Kurzfilme) werden auf Ausstellungen und Festivals gezeigt. Derzeit lebt sie in Athen. Moderation ist eine griechisch-ägyptisch-italienische-britische Koproduktion.