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Berlinale Blogger 2018
Unter Talenten

Christian Petzolds Film "Transit"
Christian Petzolds Film "Transit" | © Schramm Film / Marco Krüger

Unser Berlinale Blogger Gerasimos Bekas hat sich Transit angesehen und das Berlinale Talent Drehbuchautorin Elizampetta Ilia-Georgiadou getroffen. 

Von Gerasimos Bekas

Anna Seghers könnte eine der berühmtesten deutschen Autorinnen sein. Aus politischen Gründen ist sie es nicht. Ihr Dasein als Jüdin und Kommunistin stand ihr im Weg. Zum Glück hat eines Tages Harun Farocki Christian Petzold ihren Text Transit in die Hand gedrückt, den sie 1941/42 während ihrer Flucht vor den Nazis schrieb. Petzolds Adaption des Romans hat es zur Berlinale geschafft.

Warten in Marseille

Petzold will es wissen. Historische Romanfiguren irren durch die Gegenwart. In Marseille, dieser zeitlosen, kosmopolitischen Stadt, kann man das absolut machen. Die Schauspieler haben zu kämpfen. Sie bringen die Emotionen zwar auf den Punkt, aber der Text lebt nicht. Petzold erzählt komplizierter und manchmal hastiger als nötig, irritiert mich mit seinen filmischen Referenzen und Einfällen eher, als dass er mich begeistert. Lass doch den Erzähler weg, denke ich, der stört!

Das Tragische ist, ich hab das Gefühl zu verstehen, was er gewollt hat. Deswegen bin ich froh über den Film, aber traurig, dass er es mir so schwer macht. Über ihn streiten wir auf der Berlinale intensiv. Es ist klar, dass damit hier kein Blumentopf zu gewinnen ist. Dabei wäre mit dem Stoff sehr viel möglich gewesen. 
 

 
Sicher wird Petzold mit Transit nach Athen kommen, wo “immer was los ist, wenn wir das Goethe-Institut besuchen”, wie er selbst sagt. Von seinem letzten Besuch erinnert Petzold an “eine Demonstration nach der anderen, während wir in einem Buchladen mit dem Publikum über die sterbende DDR sprachen. Für einen Moment stellte ich mir vor, dass sich so der Pariser Mai angefühlt haben könnte, nur gab es damals Hoffnung.”

New Greek Hope

Apropos Hoffnung. Wo finde ich die Hoffnungsträger des griechischen Films? Ich bin mit der Drehbuchautorin Elizampetta Ilia-Georgiadou verabredet und finde sie in der Lounge der Berlinale Talents im HAU2. Nirgends war die Stimmung besser als hier. Junge Filmschaffende plaudern, streiten über Filme, Musik, Gott und die Welt. Ich habe das Gefühl, hier sind alle einfach froh und genießen die Zeit in Berlin.
 
Bei den Journalisten schwingt immer etwas Panik mit, bei den Wettbewerbsteilnehmern Aufregung. Die Krawattenträger der Filmindustrie sind die ganze Zeit am Telefon und versuchen Geschäfte zu machen. Hier bei den unbekümmerten Filmfreaks fühle ich mich wohl. Auch Elizampetta ist begeistert. Das will was heißen, denn sie ist viel unterwegs in der Welt der Filmfestivals. Mit ihr über Filme zu reden macht Spaß. Wir starten bei Petzold und Anderson und landen bei Lanthimos und der Greek Weird Wave. Erstaunlich, wie verbindend das ist, wenn man über einen Film dasselbe denkt.

Gerasimos und Elizampetta Unser Blogger Gerasimos Bekas mit Elizampetta Ilia-Georgiadou | © Gerasimos Bekas Elizampetta lebt in Athen. Für eine Drehbuchautorin ist das kein leichtes Pflaster. Sie nimmt das locker. “Das tolle an meinem Beruf ist, ich kann Aufträge aus der ganzen Welt bekommen und schreiben, wo ich will”. Sie ist eine begeisterte Athenerin. Nach Berlin hat sie kein konkretes Projekt mitgebracht, weil die Filme an denen sie arbeitet, schon über die Anfangsphase hinaus sind. Ich freue mich bald mehr von ihr zu sehen.
 
Internationale Vernetzung, Koproduktionen, das ist nicht nur die Zukunft des griechischen Films, das hat Tradition. Früher waren es die Exilanten, heute sind es griechische Filmemacherinnen wie Marina Gioti oder Evangelia Kranioti, die mit einem Teddy-Award nach Hause fährt. Mal sehen, wer es nächstes Jahr nach Berlin schafft. Das war die Berlinale 2018. Bekas out. 

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