Erinnerungskultur
KOLONIALE VERGANGENHEIT UND RASSISIMUS IN EUROPA

Kostis Papaioannou spricht mit dem Autor Mark Terkessidis
© Vangelis Patsialos / Goethe-Institut Athen

Die Auseinandersetzung mit unserer kolonialen Geschichte hat zuletzt merklich an Bedeutung gewonnen. Der Historiker Kostis Papaioannou spricht mit dem Autor Mark Terkessidis und der Sozialanthropologin Athena Athanasiou über aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen aus der Perspektive von Erinnerungskultur und der Debatte um koloniale Abhängigkeiten in Europa.

Der Anthropologe Michael Herzfeld hat Griechenlands Position in Europa einmal als „kryptokolonial“ bezeichnet. Dieser Begriff bezeichnet eben den Zustand von Staaten, die zwar nominell politisch unabhängig sind, aber aufgrund der wirtschaftlichen Dependenz effektiv auf eine oftmals durchaus erniedrigende Weise abhängig bleiben. Alle Staaten des Balkan funktionierten auf diese Weise – sie blieben auch nach ihrer Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich den Ränkespielen der europäischen Mächte unterworfen, die teilweise nach Belieben ihren Einfluss auf die Innenpolitik ausübten.

Es geht dabei nicht immer um moralische Fragen von Schuld und Unschuld, sondern um ein neues Verständnis der Beziehungsgeflechte in den vielfältigen Formen von unausweichlicher Nachbar- und Partnerschaft. Deutschland braucht eine neue, erweiterte Erinnerungspolitik, weil grenzüberschreitende Beziehungen wichtiger sind denn je für ein Land, das zunehmend von Einwanderung geprägt, in die Europäische Union integriert und in ein globales Geschehen eingebettet ist, in dem die Vergangenheit weiter eine Rolle spielt.

Ausgehend von Mark Terkessidis (Berlin/DE) neuestem Buch „Wessen Erinnerung zählt? Koloniale Vergangenheit und Rassismus heute“ (2019) knüpfen der Historiker Kostis Papaioannou (ATHEN/GR) und die Sozialanthropologin Athena Athanasiou (Athen/GR) Verbindungen zur aktuellen Diskussion in Griechenland und Europa. Es geht um aktuelle Fragen wie das Erstarken von Nationalismus und Rassismus aus der Perspektive von Erinnerungskultur und der Debatte um (post-)koloniale Abhängigkeiten.
 
Eine Aufzeichnung des Diskussionsabends vom 22. Oktober 2020 im Goethe-Institut Athen.
Deutsch-Griechisch mit englischen Untertiteln.

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