Angekommen in Athen: Interview mit Angela Kaya, der neuen Leiterin am Goethe-Institut Athen

Angela Kaya Interview @ Giorgos Mavropoulos

Angela Kaya wurde 1961 in Stuttgart geboren und hat Judaistik, Philologie des christlichen Orients und Ethnologie studiert. Seit 1989 ist sie für das Goethe-Institut tätig.​ Seit 2008 leitet sie Goethe-Institute in Deutschland (2008-2013) und im Ausland. Zuletzt war sie in London/Nordwesteuropa (2013-2018) tätig, bis sie im Mai 2019 die Regionalleitung Athen/Südosteuropa übernommen hat.

- Wie ist Ihr erster Eindruck von Athen?
Es gibt so viele neue Eindrücke! Persönlich erlebe ich eine offene Atmosphäre, viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, was als „Neue“ für mich sehr wichtig ist. Ich fühle mich deshalb sehr wohl und willkommen in Athen. Zurzeit lerne ich die Partnerinnen und Partner des Goethe-Instituts Athen kennen. Auch hier treffe ich durchweg auf Offenheit und Interesse am gemeinsamen Dialog. Die Kulturszene ist sehr professionell, kreativ und signalisiert mir Bereitschaft neue Themen aufzugreifen. Ich spüre aber auch eine gewisse Aufbruchsstimmung nach den schwierigen Krisenjahren und möchte diese gern mit meinem Institutsteam unterstützen und stärken.
 
- ​Welches ist zurzeit die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung ist es die richtigen Themen zu finden. Das sind solche, die für alle Beteiligten relevant sind. Wir stehen weltweit vor dramatischen Herausforderungen: Die Klimakatstrophe bedroht unseren Planeten, junge Menschen fordern zu Recht eine Zukunftsperspektive, Gesellschaften sind überall über politische, ökonomische und ethische Fragen gespalten und driften gefährlich auseinander. Wir vom Goethe-Institut müssen uns fragen, welchen Beitrag wir sinnvollerweise auf dem Feld der Bildung und der Kulturarbeit leisten können oder müssen. Das für Athen und Griechenland herauszufinden, bedeutet zunächst für mich vor allem den Menschen hier zuzuhören und von ihnen zu lernen. Darauf freue ich mich.
 
- Was bedeutet es für Sie, als erste (weibliche) Direktorin das älteste Goethe-Institut zu leiten?
Eine interessante Frage im Jahr 2020! Aber auch eine, die zeigt, dass sie noch nicht (ganz) überflüssig ist. Leider. Möglicherweise kann ich als erste Direktorin den Aspekt „Frauen in Führungspositionen“ schärfen helfen. Ich erfahre immer wieder, dass tradierte Sichtweisen nach wie vor sehr männlich geprägt sind und so nicht die andere Hälfte der Menschheit repräsentieren. Wenn ich diesem Ungleichgewicht positiv begegnen kann, freue ich mich. Im Übrigen glaube ich nicht, dass Frauen per se bessere Führungskräfte sind.